Lovebombing – wenn die Auserwählte auf den Thron gesetzt wird

Extravagante Geschenke, Gigantische Komplimente und eine extra Portion Aufmerksamkeit – was nach einem märchenhaft schönen Beginn einer innigen Liebesbeziehung klingt, kann zu einem echten Psychothriller werden. Und dieser hat einen Namen: Lovebombing. Doch was genau ist Lovebombing und wird Love Bombing nur von Narzisst:innen angewandt? Darum soll es in diesem Artikel gehen.

Der Lovebomber idealisiert seine Auserwählte wie eine Königin

Was ist Lovebombing bzw. was bedeutet es?

Lovebombing gillt als Dating- Trend, als perfide Manipulationsmasche von Menschen mit narzisstischen Anteilen oder Borderlinern und wird im gleichen Atemzug mit Ghosting oder Gaslighting genannt. Es ist aber auch eine Form der Idealisierung bzw. Überhöhung, bei der das Gegenüber auf einen Thron gesetzt wird. Wenn man von Lovebombing im Bezug zu Narzissmus spricht, könnte das mit der Manipulationstaktik zutreffen – jedoch kann es auch eine Form der übertriebenen Liebesbekundgung sein und der Ausübende einfach nur übermäßig begeistert.

Auch wenn der Begriff Lovebombing das Wort „Liebe“ beinhaltet, hat diese Form der Liebesbeteuerung, relativ wenig mit wahrer Liebe zu tun. Es ist allerhöchstens Verliebtheit – wenn überhaupt. Vielmehr ist es der Versuch die Auserwählte rasch für sich zu gewinnen, in den eigenen Bann zu ziehen, damit diese zügig Vertrauen gewinnt und sich ggf. unüberlegt und vorschnell bindet. Schlimmstenfalls entsteht eine emotionale Abhängigkeit oder gar eine toxische Beziehung.

Wie lange dauert Lovebombing und wann hört das auf?

Lovebombing dauert solange, bis die Auserwählte Facetten ihres Ichs- zeigt, die dem Ausübenden nicht in den Kram passen, also sobald dem Ideal- bzw. Wunschbild nicht mehr entsprochen wird oder aber sobald der Mensch, der Lovebombing betreibt, das Gefühl hat, er hat die Auserwählte für sich gewonnen. Dann kommt der sogenannte Alltag, die Hormone flachen ab und alles entspannt sich. Man bezeichnet diese Anfangszeit auch als Hooneymoonphase, in der man sprichwörtlich blind vor Verliebtheit ist. Die Dauer varriiert von 3 Wochen bis 18 Monate. Man kann jedoch nicht pauschal sagen, wie lange Lovebombing wirklich anhält.

Wenn die Auserwählte sich also anders verhält, als der Ausübende es erwartet, schlägt die Idealisierung und Überhöhung schnell in Wut und Entwertung über. Der Lovebomber ist auf einmal ein Hatebomber, der seiner ganzen Verärgerung darüber Ausdruck verleiht, dass die Auserwählte nicht mehr seinen Erwartungen entspricht. Oder aber das Kribbeln der Verliebtheit ist weg, welches für Liebe gehalten wurde. Denn Menschen mit Selbstwertproblemen oder Bindungsangst, wie man Narzisst:innen auch bezeichnen könnte, halten die Anfangszeit für das Nonplusultra, an dem sie unbedingt und ewig festhalten wollen, denn daraus ziehen viele von ihnen ihren eigenen Wert. Sobald die großen Gefühle nachlassen, wird die Beziehung oft beendet und eine neue Zufuhrquelle wird gesucht.

Der Ausübende macht seiner Auserwählten nach sehr kurzer Zeit einen Heiratsantrag- das kann Lovebombing sein

Über Borderliner und Narzissten

Die Verlassenheitsgebärde, dieses „Komm her und Geh weg- Spiel“, ON/Off- Phasen und das typische dichotome schwarz- weiß Denken (Kognitive Verzerrung), sind alles Folgen die zusammen oder auch getrennt voneinander im Zusammenspiel mit Lovebombing auftreten können. Insbesondere Borderliner und Narzissten brauchen ganz viel Sicherheit. Sie leiden unter massiven Ängsten vor Kontrollverlust und versuchen entsprechend ihre Partner:innen an sich zu binden. Das dahinterliegende Leid lässt sich nur erahnen, kann aber zumeist nicht gesehen werden. Die Betroffenen haben einen enormen Schutzpanzer um ihre Verletzlichkeit herum gebaut, so dass sie im Außen alles dafür tun, dass da niemand heran kommt.

So versuchen Borderliner durch übertriebene Freundlichkeit und oberflächliche Liebesbeweise die Auserwählte an sich zu fesseln, dass diese sich gar nicht mehr traut sich zu befreien, während Narzissten darin aufgehen, den anderen zu dominieren und zu bestimmen, wo es lang geht.

Wie wird man Opfer davon?

Der Begriff „Opfer“ trifft auf die Betroffenen nur dann zu, wenn auch sie zu wenig Selbstwert besitzen. Das heißt die Auserwählten haben selber narzisstische oder emotional- instabile Züge, sind ängstlich, selbstunsicher oder dependent.

Ansonsten wird man eher Opfer, ist aber keins. Das heißt jeder kann auf einen Lovebomber treffen. Jeder kann dem Charme einer solchen Person erliegen. Vor allem wer noch nie von dem Begriff gehört hat, ist leicht zu beeindrucken. Zudem ist jeder irgendwie empfänglich für Aufmerksamkeit, Geschenke oder Komplimente.

Ab Wann ist es Lovebombing? Was ist noch normal? Faktencheck:

Der Love Bomber..

  • spricht in überzogener Begeisterung, fast schon in Superlativen: „Du bist die Liebe meines Lebens“
  • stellt die Verbindung als Einzigartigkeit dar und spricht von Schicksal oder Fügung
  • macht überschwängliche und gigantische Komplimente (Stellt die Auserwählte auf ein Podest)
  • spart nicht mit Geschenken, die meistens überteuert sind
  • legt seinen ganzen Fokus auf die Auserwählte, so als wolle er mit ihr verschmelzen
  • Redet schon von Heirat und gemeinsamen Kindern und plant eine Zukunft die ihresgleichen sucht „Liebe für immer und ewig“

Wichtig und bitte nicht Vergessen

Es kann Lovebombing sein, muss es aber nicht. Es kann auch wie im Artikel bereits erwähnt, auch einfach nur eine übertriebene Form der Idealisierung sein, die während der Anfangsverliebtheit im Bereich des Möglichen ist. Nichts ist unmöglich. Auch wenn es schon nach wenigen Treffen vorkommt, muss das Gegenüber kein Narzisst oder Borderliner sein.

Stutzig werden sollte man nur über die Dauer und Intensität. Das heißt, wenn es über einen längeren Zeitraum anhält.

Wenn Sie das Gefühl haben, dass es zu schnell geht, dann kommunizieren Sie das. Wenn ihr Gegenüber ernsthafte Absichten hat, wird er das verstehen und Rücksicht auf ihre Gefühle nehmen. Auch sollten Sie sich generell immer mal wieder Auszeiten nehmen und darüber reflektieren, um sich ihrer eigenen Gefühle und Bedürfnisse bewusst zu werden.

© Daniel Brodersen