Narzisstische Persönlichkeitsstörung

Die narzisstische Störung wird nach ICD-10 (europäische Krankheitsklassifizierung, Stand 2016) unter den „sonstigen spezifischen Persönlichkeitsstörungen“ eingeordnet und diagnostisch nur wenig lebensnah charakterisiert oder überhaupt beschrieben, was wenig hilfreich für alle Betroffenen ist. Es bestehen noch keine systematischen Studien oder empirischen Erklärungen zur Entstehung der narzisstischen Persönlichkeitsstörung, genannt werden nur einige Faktoren, die eine Störung dieser Art forcieren:

Laut ICD-10

  1. hat der NPS´ler ein grandioses Verständnis der eigenen Wichtigkeit (übertreibt etwa Leistungen und Talente, wünsch sich ohne entsprechende Leistungen als überlegen anerkannt zu werden)
  2. ist oft stark eingenommen von Phantasien grenzenlosen Erfolgs, Macht, Brillanz, Schönheit oder idealer Liebe
  3. glaubt der NPS´ler von sich, „besonders“ und einzigartig zu sein und nur von anderen besonderen oder hochgestellten Menschen (oder Institutionen) verstanden zu werden oder mit diesen verkehren zu müssen
  4. benötigt exzessive Bewunderung
  5. legt ein Anspruchsdenken an den Tag, d. h. hat übertriebene Erwartungen auf eine besonders günstige Behandlung oder automatisches Eingehen auf die eigenen Erwartungen
  6. kann in zwischenmenschlichen Beziehungen ausbeuterisch sein, d. h. zieht Nutzen aus anderen, um eigene Ziele zu erreichen
  7. zeigt einen Mangel an Empathie: hat Schwierigkeiten, die Gefühle oder Bedürfnisse anderer zu erkennen/anzuerkennen oder sich mit ihnen zu identifizieren
  8. ist häufig neidisch auf andere oder glaubt, andere seien neidisch auf ihn
  9. kann arrogante, hochmütige Verhaltensweisen oder Ansichten zeigen

Fünf dieser Kriterien müssen erfüllt sein, um von einer klassischen narzisstischen Persönlichkeitsstörung auszugehen.

Die Beeinträchtigungen der Persönlichkeitsfunktionalität und des Ausdrucks der Persönlichkeit sind über die Zeit und über unterschiedliche Situationen hinweg relativ stabil. Man spricht von wiederkehrenden Verhaltens- und Bewertungsmustern. Die Betroffenen habe eine übertriebene Vorstellung davon, wie wichtig sie selbst sind. Sie fordern und erwarten, ständig von anderen bewundert und gelobt zu werden. Gleichzeitig können sie nur in eingeschränktem Umfang die Perspektiven anderer Menschen einnehmen.

Dr. med. Eva Dieckmann, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie und Autorin des Buches „Die Narzisstische Persönlichkeitsstörung mit Schematherapie behandeln, ist der Ansicht, dass die Kriterien der ICD-10 nicht alles berücksichtigen, was es zu berücksichtigen gilt. Deswegen wird relativ häufig in Kliniken das Diagnostikkriteriumsmodell nach Millon (1996) herangezogen.

Modell nach Millon

Personen mit NPS

• verlassen sich mehr auf sich als auf Andere

• streben danach, besser, schöner, bedeutender und reicher zu sein als Andere,

• verhalten sich in sozialen Situationen nicht reziprok, erwarten Bewunderung, Unterstützung und Einräumen von Sonderrechten, weil sie ihnen zusteht.

• Es gelingt ihnen oft, Andere zu beeindrucken und dazu zu bringen, ihre Bedürfnisse zu befriedigen.

• Sie suchen sich dazu passende Partner (abhängige P.S.).

• Sie bestätigen sich selbst, deuten Misserfolge um

• Beim Scheitern der Umdeutung: Scham, Niedergeschlagenheit, Leere

• Sind nicht in der Lage, Trost und Zuwendung Anderer zu suchen

• Sie erleben wenig Konflikte, meinen, dass alles gut läuft.

• Sie machen sich kaum Gedanken, was Andere von ihnen halten.

In der neuen ICD-11 wurde die Narzisstische Persönlichkeitsstörung als Krankheitsbegriff gestrichen, weil herausgefunden wurde, dass jeder Mensch über narzisstische Züge verfügt und die Grenze zum pathologischen Narzissmus fließend ist und daher nicht eindeutig.