Mitgefühlsmüdigkeit: Wenn zuviel Empathie krank macht

Es gibt Berufe, in denen Empathie eine Grundvorrausetzung ist, darin arbeiten zu können. Insbesondere in sozialen Berufen wird Empathie vorrausgesetzt. Jedoch arbeiten insbesondere in der Pflege Menschen, denen es oftmals schwer fällt sich abzugrenzen.

Mehr noch arbeiten da Menschen, die regelmäßig ihre eigenen Grenzen überschreiten, bis zur völligen Erschöpfung. Sie leisten Überstunden, vernachlässigen die Selbstfürsorge und erkranken häufig an einem Burnout, oder aber sie stumpfen ab und funktionieren nur noch.

Dieses Abstumpfen wird als Mitgefühlsmüdigkeit bezeichnet, bzw. als „Compassion Fatigue“. In diesem Artikel will ich dir konkrete Tipps und Handlungsmöglichkeiten an die Hand geben, wie du deinen Empathieakku wieder aufladen kannst, ohne als Egoist abgestempelt zu werden.

Mitgefühlsmüdigkeit
Mitgefühlsmüdigkeit äußert sich oft dadurch, dass man sich nichts mehr zu sagen hat

Die Dosis macht das Gift

Ich hatte diese Diskussionen schon häufiger. Wer sich nicht abgrenzt von dem Leid anderer, stumpft irgendwann ab. Wer es jedem Recht machen will, tut unrecht. Und wer sich ausschließlich um andere kümmert, vergisst sich selbst. Empathie ist eine Ressource, eine Eigenschaft, eine Fähigkeit und die Bereitschaft mit anderen mitfühlen zu können.

Empathie in der richtigen Dosis ist ein Heilmittel für jeden, der in den Genuss davon kommt. Ein bisschen ist Empathie auch eine Entscheidung. Und es ist der Raum zwischen Reiz und Reaktion. Denn du entscheidest, wieviel Raum du dir selbst und anderen gibst. Du entscheidest, wie schnell du reagierst oder wieviel Zeit du dir dafür nimmst, dich in andere einzufühlen.

Mitzuleiden fördert Mitgefühlsmüdigkeit

Mitgefühl jedoch ist nicht dasselbe wie Empathie und schon gar nicht wie Mitleid. Wer mitleidet, ist irgendwann nicht mehr handlungsfähig, mehr noch lässt er sich ausnutzen und leidet irgendwann unter Mitgefühlsmüdigkeit, in der Wissenschaft als „Compassion Fatigue“ bekannt.

Wissenschaftliche Definition:

Der Begriff „Compassion Fatigue“ (CF) wurde bereits 1995 vom US-amerikanischen Psychologen Charles Figley geprägt. Er beschreibt die physische und emotionale Überlastung sowie die Abstumpfung von Menschen in helfenden Berufen. Übersetzt steht Compassion Fatigue für Mitgefühlsmüdigkeit.

Im Jahr 1978 veröffentlichte der amerikanische Psychologe und Familientherapeut C.R. Figley das Buch „Stress Disorders among Vietnam Veterans“. Kurz darauf bemerkte er, dass Behandler ähnliche Symptome wie die Veteranen zeigten, was er als Sekundäre Traumatisierung bezeichnete. Als 2015 viele Flüchtlinge in Deutschland mit traumatischen Erfahrungen konfrontiert wurden und teilweise psychologische Unterstützung benötigten, rückte dieses Phänomen auch hier in den Fokus der Aufmerksamkeit.

Figley stellte fest, dass einige Menschen im Laufe der Zeit unter ähnlichem emotionalem Stress litten wie die Personen, die sie betreuten, und beschrieb dies als sekundäres Trauma. Ein Kernmerkmal von Trauma ist „Emotionale Taubheit“, auch bekannt als Numbing oder eben Abgestumpftheit.

Definition der Empathie im Buddhismus

In der buddhistischen Psychologie wird Mitgefühl nicht als erschöpfend wahrgenommen, sondern kann vielmehr Kraft und Energie verleihen. Helfende Personen erschöpfen sich vor allem dann, wenn sie sich zu sehr auf das Ergebnis ihrer Bemühungen konzentrieren und sich beispielsweise von Erfolgen oder Anerkennung abhängig machen.

Die bekanntesten Symptome der Mitgefühlsmüdigkeit

Die Sympotome der Compassion Fatigue entwickelt sich oft über einen längeren Zeitraum und wird daher erst bemerkt, wenn sich bereits Auswirkungen auf die Psyche und den Alltag zeigen.

Typische Symptome sind:

  • Gereiztheit
  • Ungeduld
  • Zynismus
  • Schlafprobleme
  • und Schuldgefühle aufgrund fehlenden Mitgefühls.

Die Arbeitsweise wird erheblich beeinträchtigt, und Betroffene leiden darunter, dass sie ihre Mitmenschen nicht mehr auf die gewohnte Weise unterstützen können. Wenn nicht rechtzeitig entgegengewirkt wird, kann es sogar zu einem Burnout kommen. Es ist zu beobachten, dass Berufseinsteiger besonders gefährdet sind, da ihnen oft noch die Erfahrung und die Fähigkeit zur Abgrenzung fehlen.

Am häufigsten betroffen: Psychotherapeuten in eigener Praxis

Das Empfinden des Versagens ist eine Herausforderung, der junge Psychotherapeut:innen besonders am Anfang ihrer selbstständigen psychotherapeutischen Arbeit gegenüberstehen. Es entsteht eine starke Ambivalenz zwischen dem Wunsch und dem Anspruch, allen Menschen helfen zu können, und gleichzeitig dem Gefühl des Versagens und der Hilflosigkeit.

Dieses Gefühl kann zu Zweifeln führen, ob der Beruf überhaupt der richtige ist oder ob man sich möglicherweise überschätzt hat. Obwohl solche Fragen in seltenen Fällen berechtigt sein mögen, sind sie meist Symptome – und eine Warnung vor Selbstüberforderung. Statt sich zu fragen, was man besser machen könnte, ist es ratsamer, über folgende Fragen nachzudenken:

  • Wie kann ich meine Freude an meinem Beruf erhalten?
  • Möglicherweise habe ich einfach zu viele Patienten, insbesondere weil ich oft unter finanziellem Druck stehe
  • Vielleicht versuche ich auch, zu viele Menschen mit dem gleichen Störungsbild zu behandeln, was besonders herausfordernd sein kann.
Desperate mother tired from motherhood and suffering from depression
Migtefühlsmüdigkeit kann insbesondere im Privatleben zu Turbulenzen führen

Es ist auch wichtig, äußere Faktoren zu überprüfen, wie den Raum, in dem ich arbeite. Ist er ausreichend hell und fühle ich mich darin wohl? Habe ich genug private Abwechselung?

Wenn ich an mich abgrenze, bin ich ein Narzisst

Aufgrund der inflationären Verwendung des Narzissmusbegriffs, der Angst vor Ablehnung, Ausgrenzung oder von anderen als Egoismus angesehen zu werden, lassen sich viele Menschen immer öfters ausnutzen. Sie grenzen sich nicht ab. Sie passen sich an. Sie sind für andere da, übernehmen Extraaufgaben und wundern sich gleichzeitig darüber, dass es Menschen gibt, die nicht so sind.

Wir Menschen neigen dazu uns zu vergleichen. Und häufig sehen wir uns selbst alle als Maßstab der Welt. Wir sehen die Welt schlussendlich so, wie wir selber sind, nicht aber wie die Welt wirklich ist. Unsere Selbstwahrnehmung wird zu unserer Wahrheit, die wir häufig dann auch auf andere projizieren. Gleichzeitig legen wir zuviel Wert darauf, was andere von uns halten. Das heißt, wir verlieren den Bezug zu uns selbst und telweise somit auch den Kontakt auf Augenhöhe zu unseren Mitmenschen.

Wege aus der Mitgefühlsmüdigkeit

Selbstfürsorge und Selbsthygiene ist in sozialen Berufen unabdingbar. Nein sagen zu können, sich abzugrenzen und das schlechte Gewissen abzustellen, sind Fähigkeiten die weder von Eltern vorgelebt, noch im Schulunteericht beigebracht werden.

Stupide Kommunikationsmodelle werden zwar in der Theore besprochen, aber nicht mit Leben in der Oraxis gefüllt. An vielen Stellen bleibt es oberflächlich, dabei gibt es einige wenige Ausnahmen, die das Unterrichtsfach Glück eingeführt haben.

Die Lösung heißt also auch: Work-Life-Balance

Es gibt ein Leben nach der Therapie, außerhalb der Praxis! Dazu gehört die berühmte Work-Life-Balance. Auch wenn nach so vielen intensiven beruflichen Kontakten scheinbar kein Bedarf mehr besteht: Eine persönliche Begegnung mit gleichgestellten sympathischen Menschen hat immer eine heilende Wirkung.

Private Interessen, mit Leidenschaft betrieben, beugen einer Mitgefühlsmüdigkeit vor oder können sie sogar heilen. Dazu gehören alle gänzlich berufsfremden Tätigkeiten, sei es Kochen, Gedichte schreiben, Wildwasser fahren, Reisen…Ich selber habe zum Beispiel einen Hund, der mich auf andere Gedanken bringt.

© Daniel Brodersen

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