Co – Abhängigkeit

J. Bradshaw definiert die Co-Abhängigkeit als eine Krankheit deren Hauptmerkmal
der Verlust der Identität ist. Durch die Co-Abhängigkeit verliert eine Person den Kontakt zu ihre eigene Gefühlen, Bedürfnissen und Wünschen. Dieses Verhalten, weist darauf hin, dass die kindlichen Bedürfnisse eines Menschen nicht befriedigt worden sind und er deshalb gar nicht wissen kann, wer er wirklich ist.

Oft entwickeln Kinder von psychisch kranken Eltern (insbesondere von Alkoholabhängigen) eine Co- Abhängigkeit. Das heißt sie machen sich abhängig von den Bedürfnissen der anderen, jedoch geschieht dies nicht freiwillig, sondern notgedrungen. Kinder psychisch kranker Eltern entwickeln Ängste, wenn etwas Neues ansteht, weil sie nicht wissen, wie sie sich verhalten sollen. Sie entwickeln eine Gefallsucht, d.h. sie leben nur für andere und dafür es ihnen recht zu machen. Gleichzeitig haben Sie das Gefühl, dass es Ihnen sowieso niemals gelingen wird, weswegen sie sich noch mehr aufopfern. Co- Abhängige Menschen haben oftmals keine eigene Identität. Sie definieren sich über die anderen.

Betroffene, die in Behandlung sind, berichten davon, dass Sie sich nur spüren, wenn es ihnen schlecht geht und sie gute Gefühle kaum oder gar nicht aushalten, aus Angst, dass es anderen dadurch schlecht geht. Sie haben zudem das Gefühl, dass mit Ihnen etwas nicht stimmt – was daran liegt dass sie nie oder nur für besondere Leistungen gesagt bekommen haben, dass sie okay sind, so wie sie sind. Immer waren die Bedürfnisse anderer wichtiger. Sie unterdrücken daher ihre eigene Meinung und passen sich an. Sie beschwichtigen und versuchen Konflikte um jeden preis zu vermeiden. Das zeigt sich z.B. durch Floskeln wie „passt schon, macht nichts oder schwamm drüber“. Co- Abhängige Menschen haben verlernt auf ihren Bauch zu hören, weil sie sich selbst nicht trauen. Wie denn auch? Sie haben aus einer Not heraus den Kontakt zu den eigenen Gefühlen und Bedürfnissen abgeschnitten. Sie konnten nicht anders.

Viele Betroffene haben daher meistens einen Mangel an echten Gefühlen für den Eigenen Wert. Sie machen ihren Selbstwert abhängig von Dingen, die sie nicht beeinflussen können (z.B. die Stimmung oder den Stress anderer).

So wird in einer Alkoholiker- Familie mit der Zeit jeder vom Trinken des Alkoholiker – Co- Abhängig. Systemisch betrachtet, gilt es nämlich immer, die Familie vor äußeren Gefahren zu schützen. Das heißt man deckelt die Sucht der anderen um die vermeintliche Sicherheit, die das System Familie in diesem Falle (nicht) bietet, zu wahren. Man darf seine Eltern schließlich nicht hassen. Man soll sie ehren und jedes Gefühl dass etwas nicht stimmt, wird unterdrückt oder sich selbst zugeschoben. Außerdem: Was sollen die anderen denken?

Weil das Trinken (oder die Ausraster) des Süchtigen für jeden Einzelnen einer Familie enorm bedrohlich ist, passen sich die anderen an, indem sie in chronischer Weise übertrieben wachsam werden (hypervigilant) – ein Gefühl, was sich in einer ausgeprägten Sorge oder der chronischen Befürchtung vor schlimmen Dingen (Angst vor der Angst) bemerkbar macht und sich schlimmstenfalls als eine Missempfindung im Solarplexus zeigt. Betroffene leiden unter einem ständigen Gefühl der Beklemmung, als wenn jemand Ihnen die Brust zuschnürt oder etwas Schweres fürchterlichen Druck auf der Brust verursacht.

Diese Anpassung war von der Natur lediglich als vorübergehendes Phänomen angedacht und sollte niemals ein Dauerzustand werden. Nach einer gewissen Zeit verliert der Mensch, der in diesem chronischen Stress leben muss, den das verhalten des Alkoholkranken Elternteils mit sich bringt, den Kontakt zu seinen inneren Signalen (auch Bauchgefühl genannt) und damit den Zugang zur Intuition, den Gefühlen, Bedürfnissen und Wünschen.

Welche Bedürfnisse kennst du? Und welche waren bei dir als Kind nicht ausreichend erfüllt? Gleichzeitig fragen wir dich an dieser Stelle, wonach du aktuell große Sehnsucht verspürst. Was brauchst du aktuell und was ist nicht ausreichend erfüllt bei dir?

Überprüfe gerne anhand der folgenden Checkliste welche deiner Bedürfnisse in der letzten Woche erfüllt waren oder nicht.

Schlaf / Ausruhen /Erholung/Ruhe 1 2 3 4 5
Bewegung 1 2 3 4 5
Obdach / Schutz / Wärme / Sicherheit 1 2 3 4 5
Sexualität 1 2 3 4 5
Selbständigkeit 1 2 3 4 5
Selbstvertrauen 1 2 3 4 5
Kreativität 1 2 3 4 5
Ehrlichkeit / Echtheit 1 2 3 4 5
Lernen/Wachsen/Entwicklung 1 2 3 4 5
Beitragen, Wirksam sein, Sinn 1 2 3 4 5
Integrität (mit meinen Werten in Einklang) 1 2 3 4 5
Liebe 1 2 3 4 5
In der Mitte sein, in mir Ruhen 1 2 3 4 5
Zugehörigkeit 1 2 3 4 5
Anerkennung (dass und wie ich bin)/ 1 2 3 4 5
Wertschätzung (für das, was ich tue) 1 2 3 4 5
Unterstützung 1 2 3 4 5
Vertrauen 1 2 3 4 5
Intimität: Nähe, Zärtlichkeit, Geborgenheit 1 2 3 4 5
Verstehen 1 2 3 4 5
Friede 1 2 3 4 5
Begeisterung / Feiern 1 2 3 4 5
Ordnung / Ritual 1 2 3 4 5
Transzendenz / Spiritualität 1 2 3 4 5
Einfühlung 1 2 3 4 5

Kinder brauchen Geborgenheit und Liebe, sowie das Gefühl, dass sie richtig sind, so wie sie sind. Sie müssen die Möglichkeit haben, ihre Gefühle in einer gesunden Weise entwickeln zu können. Sie brauchen außerdem Hilfe um zu lernen, ihre Gedanken von Gefühlen zu unterscheiden. Wenn in einer Familie Gewalt, chronischer Leistungsdruck, emotionaler Missbrauch oder andere ungünstige Faktoren bestehen, dann kann sich das Kind nur noch auf die Außenwelt konzentrieren. Es verliert den Kontakt zu sich selbst und entwickelt eine Co- Abhängigkeit.

Die Narzissmus Selbsthilfe hat sich spezialisiert auf die Beratung und das Coaching von Co- Abhängigen Menschen, insbesondere die Partner und Kinder von Alkoholikern, Borderliner und Narzissten. Ziel ist es immer eine Verbesserung der Lebensqualität zu erreichen und einen stabilen Selbstwert sowie ein ausreichendes Maß an Resilienz – denn jeder Mensch ist wertvoll – nicht wegen irgendwas oder irgendwem – sondern weil er wertvoll ist. Unserer Auffassung nach hat jeder Mensch einen Lebensberechtigungsschein und ist gleich viel wert. Und dieses hängt weder von einem JA zu sich selbst, noch von einem NEIN zu den anderen ab. Ein Ja zu sich selbst ist nämlich auch ein JA zu den anderen.