Erkenntnisse einer Co- Narzisstin

Ich möchte mich weiter mehr mit mir und meinem Seelenleben auseinandersetzen. Da ich herausgefunden habe, dass ich dependent bin, ist mir einiges über mich und meine Anteile bewusst geworden.

Ich mache mich abhängig von Menschen und ihren Meinungen. Wenn Menschen mich abwerten oder schlecht behandeln, beziehe ich es viel zu sehr auf mich und suche zu oft den Fehler in mir.

Auch gebe ich ihnen die Schuld. Die Konsequenz ist dann noch mehr Streit und noch mehr Verletzungen. Ich möchte lernen, meinen Selbstwert nicht mehr von anderen abhängig zu machen. Vielleicht ist das auch eine Lebensaufgabe für mich.

Ich möchte freier werden, möchte selbst entscheiden, wen ich in meinem Leben noch haben möchte und wen nicht. Und wenn ich mich dafür entscheide jemanden gehen zu lassen, dann möchte ich auch die Stärke haben es umzusetzen. Ich möchte lernen bei mir zu bleiben und mich nicht mehr zu sehr an andere zu klammern.

Meine Therapie, die ich seit einem Jahr mache und die Gespräche mit anderen haben mir sehr geholfen, mich selber zu reflektieren. Diesen Weg will ich weiter gehen.

Ich habe ein großes Bedürfnis nach Sicherheit. Doch finde ich diese Sicherheit nicht, wenn ich selbstunsicher bin. Ich finde sie auch nicht in jemand anderem. Alles was ich brauche finde ich in mir selbst. Und es liegt in meiner, aber auch nur meiner Verantwortung wie ich mit Abwertung und Verletzung umgehe. Ich möchte weiterhin lernen die Kontrolle über meine Gefühle und Gedanken zu wahren.

Ich will lernen Gutmütiger und Geduldiger zu sein, auch mit mir selbst. Ich möchte zu mir selbst zurückfinden.

Liebe Leidensgenossinnen und Wegbegleiter,

ich würde mich freuen, wenn ihr euch meine Worte zu Herzen nehmt.

Lasst euch nicht mehr verletzen. Es liegt allein an Euch, ob ihr euch verletzen lasst und wie ihr dann damit umgeht. Schuldzuweisung ist nicht der Weg. Denn Frieden findet ihr nicht im Außen, sondern nur in Euch selbst.

Es liegt in Eurer Macht- in einer Situation wo ihr verletzt wurdet, was ihr daraus macht. Ihr habt die Wahl zu gehen, ihr könnt euch selbst trösten, ihr könnt es aber auch geschehen lassen.

Egal, wie ihr euch entscheidet. Es liegt in eurer Verantwortung, in eurer Hand.

Es geht nicht um Schuld. Es geht um Verantwortung und ich bin froh, dass ich diese Verantwortung für mich haben darf.

Ursachen der dependenten Persönlichkeitsstörung laut Dr. Sven Barnow

Im Gegensatz zu anderen Störungen der Persönlichkeit wie dem Borderline-Syndrom sind die Ursachen einer dependenten Persönlichkeitsstörung noch wenig erforscht. Es gibt zwei Theorien über die Entstehung des krankhaft anhänglichen Verhaltens.

Die erste lautet: „Übermächtige Eltern, die ihrem Kind wenig zutrauen und keine Selbstständigkeit zulassen, tragen zur Entstehung abhängiger Eigenschaften bei“, erklärt der Heidelberger Psychologie-Professor Sven Barnow. Eine Untersuchung seines Kollegen Jeffrey Baker von der Southeastern Louisiana University in Hammond bestätigt: Sowohl ein autoritärer als auch ein sehr behütender Erziehungsstil tragen dazu bei, dass jemand sich als schwach und wenig kompetent erlebt. „Die Betroffenen lernen nicht, sich von ihren Eltern abzugrenzen – und sind deshalb später emotional stark auf andere Menschen angewiesen“, vermutet Barnow.

Die zweite Theorie: Kinder, die von ihren Eltern wenig liebevoll behandelt oder sogar abgelehnt werden, entwickeln einen starken andauernden Wunsch nach Nähe und Fürsorge. „Diese Kinder scheinen auch als Erwachsene permanent das Gefühl zu haben, dass sie alleine nicht sicher sind“, erklärt Sven Barnow. „Erst die Anwesenheit einer nahen Bezugsperson vermittelt ihnen diese Sicherheit.“

Allerdings entstehen Persönlichkeitsmerkmale in der Regel durch eine Wechselwirkung zwischen Umwelteinflüssen und genetisch bedingten Faktoren wie dem Temperament eines Kindes. Der Heidelberger Psychologe ist überzeugt: „Ein von Natur aus ängstliches Kind entwickelt unter den beschriebenen Umständen vermutlich eher dependente Persönlichkeitszüge als ein Kind, das ein lebhaftes Temperament besitzt.“

1 Kommentar

  1. Die vielen Diagnosen wie BPS, NPS oder Dependenz, und vor allem die Aufspaltung in kranken Narzissmus und gesunden Narzissmus tun uns allen (allen Menschen) nicht gut. Ich schlage in meinen Veröffentlichungen eine Sicht vor, bei der jedes psychische Leiden als Narzissmus gesehen wird. Daraus geht in jeder Differenzierung hervor, dass und auch wie alle Menschen an sich arbeiten können, sollten oder müssen. Die sogenannte Therapeut-Patient-Beziehung sieht ensprechend auch anders aus.

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