Die Faszination für das Böse in uns

Zahlreiche Medien schreiben es. Die Wissenschaft belegt es. Und kaum einer erkennt es an. Kaum einer will es wahr haben. Gesehen wird es oft im Anderen- im Gegenüber- im Partner- selten bei sich selbst. Projektion, Schuldumkehr. Ich bin der Größte und DU nicht. Man selbst hält sich nur allzugerne für einen GUTEN MENSCHEN. Und meistens ist man das auch.

Und dennoch:

Jeder Mensch trägt die Fähigkeit zum Guten wie auch zum Bösen in sich. Und gerade das Böse fasziniert uns. Wir alle haben ein gewisses Grundmaß an Empfindungen dafür, was gut und was böse ist. Negativ besetzte Worte werden dreimal so viel gegoogelt wie positiv besetztes. Allein zum Thema Narzissmus gibt es mehr als 100.000 Beiträge auf Google zu finden. Woran das wohl liegt?

Aggression, Missbrauch, Neid, Hass, Gier und auch das scheinbare Lieblingsthema Narzissmus (in dem Falle aber selten der eigene Narzissmus, sondern vielmehr der Narzissmus der anderen) wird generell als negativ bewertet. Dabei ist Narzissmus per Se nichts Schlechtes. im Gegenteil.

Begriffe wie Empathie, Kooperation, Altruismus und Nächstenliebe dagegen sind positiv besetzt. Wenn wir in unseren Beratungen danach fragen, wird uns mit Entsetzen erzählt, dass beinahe jeden Tag zahlreiche Artikel zum Thema Narzissmus und ebenso viele Videos dazu verschlungen werden. Dieses Thema fasziniert, hält jedoch auch energetisch unten, also in der Opferrolle und verleitet ebenso dazu, selbst zum Täter zu werden, sich selbst gegenüber, denn das innere, verwundete Kind wird nach wie vor nicht beachtet. Stattdessen wird es gequält mit Informationen, die absolut nicht kindgerecht sind und mit Liebe oder Selbstliebe NICHTS zu tun haben. Die Ohnmacht ist mächtig. Das Böse in uns scheint uns fest in der Hand zu haben.

Obwohl wir das Böse im Außen dagegen meiden und gerade gegenüber Narzissten zum Kampf aufrufen, betrachten wir es mit voller Faszination. Anfangs gehen wir mit Narzissten Beziehungen ein, verlieben uns und bauen Luftschlösser. Nur allzu gern lassen wir uns von einem Narzissten mit seinem Charme um den Finger wickeln. Der Narzisst hat eine merkwürdige Anziehungskraft. Genauso ist es mit anderen Toxinen und Gefahren.

Die Wissenschaft weiß auch warum: Das Gehirn wird durch Bedrohung aktiviert. Denn seit es Menschen gibt, müssen Menschen auch mit dem Risiko leben, dass Ihnen von ihresgleichen Unheil droht. In der Bibel war es die Schlange, die Eva verführte den Apfel zu essen. Eva aß die verdorbene Frucht. Kann man das auch auf das HIER, Jetzt und Heute umdeuten? Man könnte, aber vermutlich wäre das weit hergeholt, denn der Mensch hat sich entwickelt.

An sich scheuen wir das Risiko. Und keiner will an einen Narzissten geraten. Zeitgleich aber genießen wir die Angstlust und den Nervenkitzel, etwa wenn wir einen Thriller lesen, einen Horrorfilm sehen oder uns ein Narzissmusaufklärungsvideo anschauen. Haben wir dann Mitleid? Manchmal ja, manchmal sind wir zu sehr in den Bann gezogen und unser Verstand setzt kurzzeitig aus. Die Spannung fesselt uns. Wie geht´s wohl weiter?

Auch Dokus wie Anwälte der Toten, Medical Detectives oder Autopsie erfreuen sich immer noch großer Beliebtheit. Wir beschäftigen uns häufig mit dem Bösen im Außen, statt mit unseren eigenen Dämonen. Wenn wo anders was SCHLIMMES passiert, erfreut uns das und wir danken für die Ablenkung.

Wie schon erwähnt: Das Böse fasziniert uns und erst bei Gefahr wird unser Hirn aktiviert. Wir ziehen das BÖSE also magisch an. Wir ziehen es an, weil es ein Teil von uns ist. Anfangs erkennen wir es nicht. Anfangs ist es ein Teil von uns. Und erst wenn es um das eigene Wohl geht, kämpfen wir dagegen an. Vorher nicht. Und wenn unser Gegenüber in Gefahr gerät? Dann sind wir wieder fasziniert. Oder etwa nicht?