Wird unsere Gesellschaft immer narzisstischer?

Ich denke nicht. Sie wird aber bunter, vielfältiger. Und ich denke, sie meint es nur gut, aber sie kann es eben nicht jedem recht machen. Ich denke jeder Mensch trägt in seinem Herzen Liebe. Und ich denke jeder Mensch, meint es gut. Manche treten mehr in Erscheinung, vehementer, also mehr auf dem Selbstbehauptungsbein, statt auf dem verletzlichen Fuß, mit dem man jeden Tag aufsteht, weil man glaubt, dass man das muss.

Manche Menschen definieren sich über Anerkennung von Außen, so scheint es, so wird es oft wahrgenommen, dass es in Ihrem Innersten aber gegenteilig aussieht, sie sich also nicht gesehen fühlen oder die Anerkennung nicht durch ihren Filter kommt oder sie Bestätigung nur für etwas bekamen, was andere von Ihnen erwarteten, kann man leider nur erahnen, jedoch nicht sehen oder erkennen, zu sehr ist man damit beschäftigt die eigene Wahrnehmung auszubalancieren, sprich sich selbst die Anerkennung zu geben, die man für die eigene Wahrnehmung braucht. Möglicherweise zeigt man solch Verhalten selbst, oder es überfordert einen genauso, weil man sich selbst nicht ausreichend gesehen fühlt. Möglicherweise also will man von anderen auch nur Bestätigung bekommen, weil man sich selber diese nicht geben kann?

Warum das aber jemand macht, wird nicht erfragt, viel mehr wird darüber nachgedacht aber eben leise und nicht laut. Sprich der Gedanke wird geglaubt, selbst wenn der sich nicht gut anfühlt und großen Stress verursacht. Und dann ist es eben so, dass man auf der Oberfläche bleibt, statt hinter die Fassade zu schauen. Der andere soll schuld sein, weil man selbst keine Verantwortung übernehmen kann, also nicht über den eigenen Schatten springen und erkennen, dass das Gegenüber es anders gelernt hat, als man selbst.

Dabei kann man das sogar erlernen.

JA es gibt andere Sichtweisen. Aber was hat das mit mir zu tun? Was hat das mit dir zu tun? Was hat das mit der Gesellschaft zu tun? Geht es also nicht viel mehr darum, den anderen zu verstehen, sich ggf. sogar hinein zu versetzen, um dann somit zu erfahren, wie und warum der andere anders denkt, als man selbst?

Aber kann man diesen Umstand als Narzissmus bezeichnen?

Für mich sind solche Kämpfe fast schon Normalität. Jeder möchte halt zu seinem Recht kommen und das Bild verteidigen, was man selber von den Dingen hat. Jeder möchte Anerkennung haben und die Bestätigung dafür recht zu haben. Und aus meiner Sicht her, hat auch jeder recht. Denn aus seiner Sicht ist das so. Aus deiner Sicht ist es anders. Und aus meiner Sicht ist es vielleicht so oder vielleicht auch anders oder ganz anders. Und wo ist jetzt das Problem?

Diese Kämpfe ums Gesehen, anerkannt und Respektiert werden, findet überall statt, sei es in den sozialen Netzwerken, auf der Arbeit, in der Schule, in Beziehungen oder im Freundeskreis. Und alle haben Angst, dass ihre Wahrnehmung nicht stimmt. Jeder hat Angst davor nicht geliebt zu werden. Jeder hat Angst davor, keine Anerkennung und Bestätigung zu bekommen, weswegen wir uns von all dem Genannten abhängig machen und es von unserem Umfeld manchmal sehr vehement einfordern, statt es selbst einfach nur zu sein.

Ja es fördert unseren Selbstwert, geliebt zu werden, anerkannt zu werden oder recht zu bekommen. Aber was ist, wenn wir all das schon in uns tragen, sprich, wenn wir mit alledem schon auf die Welt gekommen sind, wenn auch teilweise verschlüsselt oder abgespalten?

Dann gibt es aus meiner Sicht keinerlei Narzissten, aber eben Menschen, die noch nicht soweit sind, sich selbst anzunehmen, anzuerkennen und zu lieben, so wie man ist. Menschen die lernen und wachsen. Menschen die Entscheidungen treffen und darüber reflektieren. Menschen die verschieden sind, aber dennoch gleich. Im Außen vielleicht etwas härter, aber im Herzen dafür weich.

Dann gibt es Gefühle. Dann gibt es Gedanken. Dann gibt es Verhaltensweisen. Dann gibt es nur eins: nämlich Anerkennung für alle, Liebe für alle, und einen Blick auf das Gesamtbild, was sich Leben nennt.