Der fehlende Glaube des Umfelds, dass es wirklich passiert

Mir begegnet es bei meiner Arbeit mit Frauen, die aufgrund emotionalem Missbrauch in meine Beratung kommen, immer wieder, dass diese davon berichten, dass sie das Gefühl haben, dass das, was ihnen passiert ist, von niemandem aus ihrem Umfeld so wirklich geglaubt wird. Mehr noch wird ihnen teilweise sogar vermittelt, dass sie sich irren müssen, übertreiben oder sich einfach nur anstellen. Der „Täter kann somit ungestraft weiter machen und das „Opfer“ fühlt sich nicht nur ohnmächtig aufgrund der Tat, sondern zudem auch noch hilflos, weil es nicht ernst genommen wird, ihm schlichtweg nicht geglaubt wird.

Emotionaler Missbrauch ist perfide und geschieht subtil. Nach Außen wirken die Verursacher angepasst und immer darum bemüht einen guten Eindruck zu hinterlassen, während ihr gepeinigtes „Opfer“ depressiv, versteinert, resignierend versucht eine gute Miene zum bösen Spiel zu machen.

„Mir glaubt eh niemand“

„Keiner nimmt mich ernst“

„Der kann eh machen, was er will“

Wichtig ist für mich die Frauen erstmal ernst zu nehmen, ganz gleich wie sie mir gegenüber auftreten. Das ist manchmal anstrengend, gebe ich zu, denn manche Frauen reden dann erst mal wie ein Wasserfall um sich alles von der Seele zu reden, zuviel hat sich angestaut, zuviel muss jetzt endlich ausgesprochen werden, manchmal auch nur, damit es endlich raus ist, raus aus dem Kopf, weg von der Leber, weg von der Seele. Dabei muss ich gar nicht viel tun, außer zuzuhören, abunzu vielleicht mal zustimmend nicken, ihr aber meine ganze Aufmerksamkeit schenken. Denn das, was ich aus meiner eigenen Erfahrung weiß ist, dass Reden befreit.

Manche Frauen berichten mir von schlimmen Gerichtsprozessen wo es um Sorgerecht oder Unterhalt geht, wo der „Täter“ überzeugend auftritt und seinem Opfer nur die Rolle der Person überlässt, die entweder als psychisch labil oder Lügnerin wahrgenommen wird. Das Ausmaß der Verzweiflung, welche die Betroffenen dabei empfinden ist manchmal nicht auszuhalten. Und trotzdem ist es für mich sehr wichtig wertfrei diesen Frauen meine ganze Aufmerksamkeit zu widmen, damit sie sich wenigstens einmal verstanden fühlen.

Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass es für mich persönlich der erste Schritt zur Heilung war, als ich zum ersten Mal in meinem Leben das Gefühl hatte, wirklich ernst genommen zu werden.

Das sich hinter dem Verhalten des Verursachers auch nur eine Schutzstrategie befindet, die ebenfalls nur darauf aus, den (kaum) vorhandenen Selbstwert scheinbar aufrecht zu erhalten, ist für viele nur ein schwacher Trost- zurecht.

(© Daniel Brodersen)