Trennung von einem Narzissten – die 5 Phasen der Trauer

Trennungen – egal, von wessen Seite sie ausgehen – haben immer ein besonderes Geschmäckle. Ist der Partner von dem man sich trennt auch noch narzisstisch oder toxisch, kommt neben der üblichen Trennungs – und Trauerdynamik, noch der Entzug hinzu. Jahrelang hat man sich von den eigenen Denk – Mustern und der süchtig machenden Beziehungsdynamik bestehend aus Idealisierung und Abwertung abhängig gemacht, welche die Trennung von dem Narzissten unmöglich machte. Man hat sich schließlich an diese Art von Behandlung gewöhnt. Die Hoffnung auf ein Happy End stirbt bekanntlich zuletzt.

Fällt diese Gewohnheit weg, fällt man oft in die sogenannte Übergangsphase. In dieser Zeit schwebt man förmlich im NICHTS. Gleichzeitig erinnert man sich immer wieder an die schöne Anfangszeit, die dafür sorgte, dass man festhielt, was eigentlich schon viel früher hätte los gelassen werden sollte.

Es ist wichtig zu wissen, was emotional auf einen zukommt nach der Trennung von einem Narzissten

Die verschiedenen Trennungs- und Trauerphasen sind keine besonders schöne Zeit. – für Niemanden. Jeder Abschied ist ein kleiner Tod. Um diesen emotional schwierigen Lebensabschnitt besser und leichter verarbeiten zu können, ist es wichtig die 5 Phasen der Trauer zu kennen und zu wissen, wie man in welcher Trennungsphase am besten auf sich selbst und seine Umwelt reagiert und am Ende auch einen Ausblick zu haben, auf das danach – also auf ein Leben in Liebe zu sich selbst – ein Leben nach dem Narzissten.

Viele Menschen drohen dabei den Halt zu verlieren und in eine tiefe Depression zu stürzen, weswegen es nicht selten vorkommt, dass sich manche das Problem (den toxischen Ex) zurückwünschen, weil sie glauben, dass diese Lösung ihr Leid geringer erscheinen lässt. Der Partner strahlt trotz allem Übels immer noch eine riesige Faszination auf einen aus, denn gerade die Anfangszeit wird von vielen als Rausch beschrieben, voller Leidenschaft und Glücksgefühle. Gleichzeitig überkommen einen oft Schuldgefühle, oder Gewissensbisse, weil man innerlich dem magischen Glauben unterliegt, man hätte den anderen retten können – ein verständliches und dennoch aussichtsloses Unterfangen.

Und dann kommt oft die Erkenntnis, dass es sich um einen Narzissten handeln muss, von dem man sich getrennt hat. Manchmal hat man dieses Wissen auch vorher. Dieses macht die Trennung von dem Narzissten aber nicht weniger schwer.

Das Leben nach dem Narzissten – anfangs erstmal ungewohnt, aber am Ende voller Liebe zu sich selbst.

Elisabeth Kübler-Ross, eine schweizerisch-US-amerikanische Psychiaterin, wurde durch ihr Buch „Interviews mit Sterbenden“ aus dem Jahr 1969 weltbekannt. In ihrem Buch stellt sie ein Modell vor, nach dem Menschen beim Sterben fünf verschiedene Phasen durchlaufen. Diese spiegeln sich im Empfinden der um sie Trauernden wider. Dieses Modell lässt sich auf zahlreiche andere Modelle der Trennung bzw. Trauer übertragen, denn jeder Abschied ist ein kleiner Tod.

Die 5 Phasen der Trennung von einem Narzissten

1. Nicht wahrhaben wollen /Verdrängung/Schön reden

In der ersten Phase dominiert der Schock. Es fühlt sich ungewohnt an. Selbst wenn die Trennung notwendig war, und viele sich erleichtert fühlen, erleiden manche Menschen trotzdem Höllenqualen, die es zu verdrängen gilt, denn auf ein mal ist man allein und die ganzen Ängste werden getriggert. Viele Menschen, die solange mit einem Narzissten zusammen waren, sind es gar nicht gewohnt allein zu sein. Was für Außenstehende irrational erscheint, ist für Betroffene oft merklich schwer in Worte zu fassen. Denn man hat sich nicht nur von einem Narzissten getrennt, sondern auch von einem Menschen, mit dem man möglicherweise gemeinsame Zukunftspläne hatte. Man kann es gar nicht glauben und will es auch nicht wahrhaben. Das gemeinsame Leben, die gemeinsamen Zukunftsträume, all das soll jetzt für immer vorbei sein?

Wenn der erste Schock nachgelassen hat und manch einer spürt, wie die Last von den Schultern purzelt, überkommt einen das schlechte Gewissen. So schwer wog der Trennungsgrund nun doch nicht. Auch die guten Ratschläge von Freunden kann man in der Zeit nicht annehmen.

Nicht viele Ex- Partner von Narzissten schaffen es in dem Moment in den No- Contact zu gehen. Nur zu gern lässt sich manch einer noch erweichen durch die Versuche des Narzissten zurück zu kehren. Dabei ist der No- Contact in dieser Phase enorm wichtig um Abstand zu gewinnen.

2. Achterbahn der Gefühle – ohnmächtig den Emotionen ausgeliefert und Entzugserscheinungen

In der zweiten Phase hat man in der Regel erkannt, dass die Beziehung wirklich vorbei ist. Leider fallen viele Menschen in dieser Phase in ein weiteres emotionales, noch tieferes Loch. Jetzt ist die Trennung real und wird von den unterschiedlichsten Gefühlen, wie beispielsweise Wut, Trauer, Hoffnung, Schmerz oder Hoffnungslosigkeit begleitet. Oft wird im Internet nach einer Erklärung gesucht. Nur zu gern lässt man sich in Foren über den Narzissten aus. Gleichzeitig machen sich Entzugserscheinungen bemerkbar.

Viele Betroffene die süchtig sind nach Beziehungen, tun alles, um nicht allein zu sein. Nicht selten werden neue, kurzweilige Affären eingegangen, um den Schmerz zu überbrücken/ zu kompensieren. Andere Menschen greifen zu Ersatzdrogen wie Alkohol oder Medikamenten.

In dieser Trennungsphase hören viele Betroffene nur auf ihre Gefühle. Das Baugefühl oder der Verstand hat in dieser Zeit Sendepause. Auch wenn der Ex- einem nicht gut tut, denkt man noch ganz oft an ihn, Man ist seinen Gefühlen komplett ausgeliefert und man fühlt sich, als hätte man den Halt komplett verloren. Leider ist diese Phase oftmals die längste der 4 Trennungsphasen, die es zu überstehen gilt. Und gerade in dieser Phase sollten Betroffene sich psychologische Hilfe suchen.

Auch hier sollte man versuchen in den No- Contact gehen. Gleichzeitig ist es wichtig, sich selbst und seinen Gefühlen Raum zu geben. Man könnte Tagebuch schreiben oder den sogenannten Abschiedsbrief an den Ex v erfassen, ohne ihn abzusenden um Klarheit über seine eigenen Gefühle zu gewinnen.

3. Verhandeln (Übergangsphase)

Was würden Betroffene nur geben, um noch eine letzte Aussprache mit dem Narzissten zu führen? Mit diesem Gedanken setzt die Phase der Verhandlung ein. Es ist ein letzter Rettungsversuch. Das „Verhandeln“ nimmt nicht selten Formen körperlicher Erschöpfung an. Auf der Suche nach Erklärungen gerät man ins Schlingern und wird müde oder laugt emotional aus. Viele Betroffene leiden unter Vergesslich- bzw. Fahrigkeit oder sie sind übermäßig nervös. Viele Betroffene erleben sich als „Neben der Spur“ stehend. Sobald der erste Stress nachlässt, macht sich oft eine quälende innere Leere breit. Diese Übergangsphase führt nicht selten in die vierte Phase.

4. Trauer und Depressionen

Mit dieser inneren Leere gehen körperliche und seelische Niedergeschlagenheit einher. Nicht selten auch Depressionen, soziale Isolation, Schlaf- und Essstörungen. Hinzu kommen nicht selten finanzielle Herausforderungen. Oft wird einem hier erst bewusst, in was für einer Beziehung man gewesen war und dass sich möglicherweise ein Muster aus der eigenen Kindheit wiederholte. Auch wird oft erkannt, dass der Vater oder die Mutter ähnliche Tendenzen hatte, wie der Partner. Manch einer fängt an sich selbst Vorwürfe zu machen und wird depressiv. Andere betrauern die Erfahrungen, welche sie gemacht haben und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Selbstheilung, welche dadurch eingeleitet wird.

5. Neubeginn /Weg zur Heilung

In der fünften Phase der Trennung hat man es überstanden. Der Ex-Partner und die Beziehung gehören nun der Vergangenheit an. Die Erleichterung ist groß. Immer mehr gelingt es den Betroffenen los zu lassen und neuen Mut zu fassen und sich auf sich selbst einzulassen. Die Positivität nimmt zu. Immer mehr Dinge passieren, die einem das Gefühl geben, dass die Trennung richtig war. Die Zweifel werden geringer. Es ist gut was passiert ist: Viele Betroffene nehmen sich als stärker und selbstbewusster wahr.

Jetzt sollte man jede glückliche Sekunde genießen und lächelnd in die Welt schauen. Und wer weiß? Vielleicht lächelt bald jemand zurück. Jemand den man noch nie gesehen hat. Jemand mit dem man bis zum Rest seines Lebens glücklich zusammen ist. Jemand, der für einen den Begriff „Liebe“ neu definiert. Jemand der einem hilft die toxische Verbindung zu vergessen. Jemand der da ist, wenn man ihn braucht. Jemand, der kein Narzisst ist.

Eine neue Chance auf ein neues Leben in Liebe, nach der Trennung von einem Narzissten, ist möglich.

In keiner der ersten vier Trennungsphasen kann man sich vorstellen, dass das Beziehungsaus einen Sinn haben soll – geschweige denn etwas Heilendes. Aber es ist so! Nach einer gewissen Zeit – häufig erst nach Jahren – wird vielen Menschen bewusst, dass die Trennung vom damaligen Partner oder die Scheidung auch etwas Gutes hatte. Man hat eine neue Chance erhalten, sich selbst neu zu entdecken, oft und gern auch mit Hilfe eines fähigen Therapeuten oder kompetenten Coach.

Wer einmal diese Phasen hinter sich gebracht hat, weiß dass ein neues Leben in Liebe nach der Trennung vom Narzissten durchaus möglich ist.