Den Narzissten loslassen und dich deinen Träumen widmen – so schaffst du das

Nur wenige können den Narzissten loslassen. Sie klammern sich an die Hoffnung, er könne sich ändern, und an Wunschvorstellungen von einer idealen Beziehung. Dabei wiederholt sich ein Muster, welches viele Partner von Narzissten aus ihrer Kindheit kennen: Er gibt ihnen Versprechen, die sie nur allzu gerne glauben, hält diese aber nicht ein (Future Faking).

Betroffene fragen nach dem Warum. Warum trennen sie sich nicht von ihm, obwohl sie genau wissen, dass er ihnen nicht guttut, die Beziehung hochgradig toxisch ist und sich vermutlich nichts ändern wird?

Die gängigste Antwort lautet: Es liegt am Anderen. Schließlich sind es ja die Narzissten, die manipulieren und die Schuld umkehren, um ihren Partner in der Beziehung zu halten. Im Wechsel schenken sie ihm ihre volle Aufmerksamkeit und verschwinden tagelang von der Bildfläche, ohne sich zu melden.

Doch stimmt das wirklich? Wenn ja, wäre es doch superleicht, loszulassen, wenn dich der Narzisst in Ruhe lässt, oder? Hier beantworte ich diese Fragen. Ich möchte dich ermutigen, bei dir zu schauen, ob du nicht weitere Gründe dafür findest, dass dir das Loslassen schwerfällt.

Die Frage nach dem Warum führt nicht zur Lösung

Warum kann er sich nicht ändern? Warum kannst du den Narzissten nicht loslassen? Warum-Fragen sind nicht zielführend. Diese führen stets dazu, dass du dich genötigt fühlst, dich zu rechtfertigen. Auch wenn wir als Kinder gelernt haben, es gäbe keine dummen Fragen, gibt es in der Kommunikationspsychologie “dumm-formulierte” Fragen.

Eine Frage, die mit “Warum” beginnt, gehört zweifelsohne dazu. Entweder überfordert sie den angesprochenen Teil, was zu einem“Weiß ich nicht!” führt, oder er fühlt sich angegriffen und antwortet aus Trotz mit dem allseits beliebten “Darum!”. Auch der narzisstische Partner wird nicht sagen können, warum er sich in der Beziehung auf diese oder jene Weise verhält.

Frage lieber nach dem wozu. Wozu war ich so lange mit dem Narzissten zusammen? Welches Bedürfnis habe ich mir damit erfüllen wollen? Welcher Teil in mir war noch ungeheilt und machte mich empfänglich für die Schmeicheleien und Versprechungen (Future Faking) des anderen?

Die rosarote Brille erschwert die Trennung

Nicht selten stellen wir den narzisstischen Partner oder Elternteil auf ein Podest. Durch die rosarote Brille sehen wir die perfekte Beziehung. Das ist ein supereffektiver Schutz gegen negative Eingriffe von außen, die verletzen können. Jedoch schafft das Idealisieren von Menschen eine Projektion. Das heißt, wir projizieren Wünsche und Bedürfnisse auf unseren Partner. Obwohl er sie nicht erfüllen kann, halten wir bis zum Schluss an ihnen fest.

Das Gleiche passiert häufig mit Mängeln. Wir nehmen einen Mangel am anderen wahr, den wir zwar in uns selbst tragen, jedoch nur beim ihm als störend empfinden.

Wir suchen auch Beweise, warum es nicht an der Zeit sei, den ersten Schritt zu gehen. Die Handlungen des anderen beschönigen wir und übertragen die Schuld auf uns.

So halten viele Betroffene an ihren toxischen Beziehungen fest, statt sich zu befreien und dem Leid ein Ende zu setzen. Sie fürchten, dass, wenn sie loslassen, sie gleichzeitig auch ihre Träume aufgeben müssen. Deshalb haben sie sich erst auf die Beziehung eingelassen – um den Traum von einer harmonischen Beziehung mit dem idealen Partner zu leben, der all ihre Bedürfnisse erfüllt. Dieser soll jetzt auf einmal enden? 

Lieber in schlechter Gesellschaft als allein

Hinzukommt, dass viele ihren eigenen Wert über eine Beziehung definieren. Sie glauben, als Single wären sie wertlos, oder zumindest ihr Leben nur halb so spannend. Aus diesem Grund halten sie am Narzissten fest, mag er noch so übel mit ihnen umgehen. Allein fühlen sich Betroffene so leer, ohnmächtig und minderwertig, dass sie bereit sind, jede Gemeinheit des Partners auszuhalten, damit er bleibt.

Ihnen ist die Gesellschaft einer Person lieber, zu der sie zwar eine unheimliche Anziehung verspüren, die ihnen aber überhaupt nicht guttut.

Viele, die in solch destruktiven Beziehungen leben, gehen sogar davon aus, sie hätten nichts Besseres verdient und bleiben deshalb in dieser unglücklich machenden Konstellation. Oft hatten sie als Kind zu einer Bezugsperson ein ähnliches Verhältnis. Dieser emotional lähmenden Verstrickung sind sie nie wirklich entkommen, weshalb sie sich immer wieder wiederholt.

Um diese zu lösen, ist Akzeptanz nötig, welche durch Distanz erreicht wird. Das ist erforderlich, um inneren Frieden zu finden. Ein harmonischer Umgang mit sich selbst ermöglicht erst eine Partnerschaft auf Augenhöhe.

Bist du in einer toxischen Beziehung, willst du es deinem Partner recht machen und suchst diese Harmonie außerhalb. Erst allein kannst du Abstand zu den Ereignissen gewinnen und reflektieren. Deshalb musst du in den meisten Fällen den Narzissten loslassen.

Das Leben als Spiegel sehen

Alles, was passiert, hat einen Grund, auch wenn sich dieser erst Jahre später offenbart. Das Äußere spiegelt das Innere. Wir sehen die Welt nicht so, wie sie ist (objektiv), sondern so, wie wir selbst sind (subjektiv). Wir gehen mit den Dingen in Resonanz, die uns innerlich berühren.

Es gibt also keinen Zufall, der Narzisst sucht sich seine Opfer nicht bewusst aus. Vielmehr lernen beide Seiten den richtigen Menschen zum rechten Zeitpunkt kennen, um sich weiterzuentwickeln. Das heißt aber nicht gleich, dass sie (oder zumindest einer von ihnen), diese Möglichkeit nutzen.

Das, was du denkst, passiert in der Regel auch. Denn dein Verstand tut alles, um Bestätigung zu erhalten. Es gibt wenige Menschen, deren Ego nicht von der “ich will recht haben”-Krankheit befallen ist. Das bedeutet, du manövrierst dich unterbewusst in Situationen und Umgebungen, die deine Glaubenssätze und Überzeugungen bekräftigen.

Deshalb findet dein Verstand immer wieder neue Gründe, mit der narzisstischen Person zusammenzubleiben, statt diese toxische Verbindung aufzulösen.

Liebe vs. Abhängigkeit – was du fühlst, ist nicht Leidenschaft, sondern Sucht

Der Anfang einer Beziehung mit einem Narzissten ist extrem intensiv und blockiert häufig die Sicht auf den wahren Kern des Menschen. Jeder zeigt sich nur von seiner besten Seite. Beide Parteien erleben heftige Glücksgefühle, wie in einem Rausch. Nur zu gerne lässt du dich blenden und schwebst auf Wolke Sieben. Du willst an eine gemeinsame Zukunft glauben.

Dami Charf beschreibt den Beginn einer gesunden Beziehung so: Man lernt sich kennen, verbringt Zeit miteinander, lernt, einander zu vertrauen, erlebt emotionale Nähe und bindet sich. Erst nachdem diese Schritte gegangen sind, beginnt die Intimität.

Menschen, die unsichere und emotional abhängige Bindungen hinter sich haben, (im Elternhaus oder in einer vergangenen Beziehung) und an einem geringen Selbstwert leiden, gehen oft umgekehrt vor. Sie lernen jemanden kennen und springen mit ihm direkt in die Kiste. Unmittelbar danach folgen Liebesschwüre und Zukunftsträume.

Wer kennt das nicht? Die Lust schaltet den Verstand manchmal komplett aus. Das intime Verhältnis beginnt, bevor du deine Begleitung kennengelernt hast. Stellst du erst dann fest, dass sie doch nicht so toll ist, wie du zu Beginn dachtest, bist du enttäuscht. Du kannst dich aber nicht mehr einfach trennen, weil der Anfang eben so schön war und süchtig gemacht hat. Dabei spielt es keine Rolle, ob sich der Narzisst bewusst oder unbewusst verführerisch in Szene gesetzt hat. Schließlich hast du bereitwillig mitgemacht.

Liebe hält alles aus, Unsicherheit nichts

Die ständige Ausschüttung der Glückshormone Dopamin und Oxytocin ist von Natur aus gewollt. Sie stärken die Bindung zwischen zwei Menschen und damit den Drang, Nachkommen in die Welt zu setzen.

Doch selbst die größte Verliebtheit lässt nach und Alltag kehrt ein. Hier zeigt sich das wahre Dilemma: In einer Beziehung kommt es nicht nur zu heißem Sex und Momenten voller Leichtigkeit, sondern auch zu Problemen des Zusammenlebens. Das bedeutet mitunter Arbeit und Tiefgang.

Wer eine gesunde Partnerschaft pflegen will, muss Kompromisse eingehen und einen Teil seiner Freiheit aufgeben. Der Begriff Beziehung kommt von beziehen, das heißt, von Bezug zum anderen nehmen. Es aushalten und sich nicht entwertet fühlen, wenn seine Meinung nicht mit der eigenen übereinstimmt. Ihm vor allem zuhören, ohne dabei etwas in das Gehörte hineinzuinterpretieren.

Um das zu schaffen, benötigst du einerseits ein stabiles Selbstwertgefühl, andererseits Empathie und Vertrauen.

Liebe ist eine Haltung.

Jens Corssen

Wer nicht an seinem Inneren arbeitet, wird außen weiterhin auf diese unüberwindbaren Herausforderungen stoßen und sich an seinem Partner abarbeiten.

Schau deshalb in dich hinein und hinterfrage, welche narzisstischen Bedürfnisse, die du bewusst oder unterbewusst befriedigen willst, in dir schlummern.

Stefanie Stahl hat es in ihrem Bestseller so ausgedrückt: „Das innere Kind muss eine Heimat finden. Vorher jedoch geht der stetige Selbstbetrug in die nächste Runde – der nächste Narzisst wartet schon.“

Zu Deutsch: Lerne, dich selbst zu halten.

Den Narzissten losgelassen – das wundervolle Leben danach

Menschen streben nach größtmöglicher Sicherheit und Vorhersehbarkeit. Deshalb scheuen sie sich vor grundlegenden Veränderungen. Diese sind jedoch nötig, um den Narzissten loslassen zu können.

Vor allem musst du aufhören, dir die Frage zu stellen, wer die Schuld trägt. Damit klammerst du dich an das Leid. Ist es der Narzisst, fällt es dir schwer, dich selbst zu hinterfragen. Bist du es, willst du dein Gewissen durch eine Form der Wiedergutmachung entlasten. Weder der eine noch der andere Weg führt zu einer Weiterentwicklung deiner Persönlichkeit.

So kommen wir wieder zur Ursprungsfrage zurück: Wozu hast du den Narzissten in dein Leben gelassen? Finde die Bedürfnisse, die du damit hast befriedigen wollen. Das führt dich zur Lösung, wie du ihn endlich loslassen und dir selbst ein wundervolles Leben kreieren kannst.

Autor: Daniel Brodersen

Außenstehenden fällt es oft schwer, nachzuvollziehen, wieso sich Betroffene nicht einfach von ihrem toxischen Partner trennen können. Keiner kann sich in deren Gefühls- und Erlebniswelt einfühlen. Sie erhalten nicht das Verständnis, was sie in diesem Moment brauchen.

Als psychologischer Berater unterstütze ich seit über 5 Jahren genau solche Menschen dabei, die narzisstische Person in ihrem Leben loszulassen und wieder zu sich selbst zu finden. Willst du das auch schaffen, kannst diese Herkulesaufgabe aber nicht aus eigener Kraft bewältigen? Dann kontaktiere mich gerne für ein unverbindliches Erstgespräch.

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