Wie wir unbemerkt Nähe und emotionale Aufrichtigkeit verhindern und damit unsere Beziehungen zu anderen sabotieren

Thomas Gordon (1918 – 2002) gehörte zu den Pionieren der humanistischen Psychologie. Er war ein Schüler von Carl Rogers, dem Entwickler der Klientenzentrierten Gesprächsführung.

Gordon war der Überzeugung, dass Menschen, die in einem fürsorglichen und freiheitlichen Klima heranwachsen, gerne Verantwortung für die Gemeinschaft übernehmen und fähig sind, ein selbstbestimmtes und erfülltes Leben zu führen. In seiner Arbeit mit Kindern und Jugendlichen erforschte er, welche Formen von Kommunikation solch einer Entwicklung im Wege stehen.

Sein Modell der Kommunikationssperren gilt nicht nur im therapeutischen Kontext, sondern auch für den Alltag und haben heute wie damals noch bestand. Sie gilt nicht nur für die Kommunikation mit Jugendlichen sondern auch mit Erwachsenen.

Als Kommunikationssperre bezeichnete Thomas Gordon eine Art der Kommunikation, die die Absicht hat, das Erleben des Gegenübers nicht zu akzeptieren sondern verändern zu wollen. Damit sabotieren wir unseren Kontakt zum anderen, denn der fühlt sich womöglich unverstanden oder gar getriggert.

In Situationen (z.B. in Telefonaten oder Paargesprächen), wo es eigentlich darum geht emotionale Nähe zu uns selbst und anderen zuzulassen, weichen wir gerne auf Kommunikationssperren aus. Das heißt wir verwenden Formulierungen, die vom Thema ablenken. Möglicherweise weil wir gerade überfordert sind oder denken, dass wir gerade nicht anders können. Das fühlt sich zunächst sicher an, wir können das Geschehen kontrollieren.

Doch in Wirklichkeit blockieren wir damit die Verbindung zu uns selbst und zu unserem Gegenüber und trennen uns von unseren Gefühlen ab. Zudem verlassen wir den Kontakt auf Augenhöhe und nehmen eine Überlegene (erhöhte) Position ein. Wir wollen das, was andere erleben, in unserem Sinne verändern. Wir meinen zu wissen, was gut für andere ist. Und gleichzeitig nehmen wir ihnen die Chance ihre Probleme selbstverantwortlich zu lösen. Ebenso machen wir den anderen dafür verantwortlich, dass wir ein Problem haben. (Projektion, Verschiebung etc.)

Paul Watzlawik meinte dazu mal, dass wir die Wirklichkeit der anderen gerne in Frage stellen, weil diese uns manchmal überfordert. Wir tragen dann einen Konflikt mit uns selbst aus, weil wir eine zu Klare Vorstellung davon haben, wie etwas sein soll (wie wir etwas haben wollen) und uns schwer tun, die Dinge so anzunehmen, wie sie sind. (Wenn diese nicht in unser Weltbild passen). Weil wir den Konflikt oft nicht mit uns selbst lösen können, projizieren wir diesen ins Außen. Das heißt wir machen andere dafür verantwortlich, für unsere Überforderung mit deren Weltbild bzw. Ansicht.

Die von Thomas Gordon gefundenen und Ende der 60er Jahre veröffentlichten 12 Kategorien (siehe unten) sind heute noch so aktuell wie damals.

Kommunikationssperren:

1. Befehlen, anordnen, kommandieren, drängeln, unter Druck setzen

2. Warnen, ermahnen, drohen, Wenn…dann… Formulierungen

3. Moralisieren, predigen, beschwören

4. Beschimpfen, beschämen, lächerlich machen, Abwertung

5. Verurteilen, beschuldigen, Vorwürfe machen, kritisieren

6. Einwenden, widersprechen, belehren, Vorträge halten

7. Schmeicheln, loben, manipulieren, jemanden erhöhen

8. Analysieren, interpretieren, diagnostizieren

9. Beruhigen, trösten, beschwichtigen, verharmlosen, bagatellisieren

10. Ignorieren, ablenken, sich zurückziehen, unterbrechen

11. Befragen, ausforschen, verhören

12. Ratschläge erteilen, Lösungen vorgeben

Was damit jetzt gemeint ist (Beispielsätze), also auf welche Formulierungen und Redewendungen man verzichten sollte bzw. woran man dann erkennt, dass die Kommunikation gerade in die falsche Richtung läuft, bringen wir in unseren Seminaren bei. Hier lernt man auch Gewaltfrei und Lösungsorientiert mit narzisstisch strukturierten Menschen zu kommunizieren.

Anmeldungen gerne hier

Woran die Kommunikation mit Narzissten scheitert

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