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Selbstreflektion: Was wirklich zählt bist Du!

Selbstreflektion ist ein wichtiges Gut. Narzissmusopfer, wie auch Narzissten selbst, müssen lernen zu verstehen, warum sie handeln, wie sie handeln. Allerdings ist es schwierig, sich zu reflektieren, wenn man nur die Reaktion de anderen sieht. Heißt, man kann selbst nicht sehen, worauf der andere reagiert. In diesem Artikel klären wir darüber auf.

Selbstreflektion: So geht es nicht

Schauen wir uns ein Beispiel an, wie es in der Regel läuft, aber eben nicht sinnvoll ist.

Sie meckert. Er schmollt.
Sie sagt sie meckert, weil er schmollt. Und er sagt. er schmollt, weil sie meckert.
Sie sagt, sie hört auf zu meckern, wenn er aufhört zu schmollen. Und er sagt er hört auf zu schmollen, wenn sie aufhört zu meckern.

Wer ist jetzt Opfer? Wer ist Täter?

  • Warum kann sie nicht aufhören zu meckern, ganz gleich, wie er darauf reagiert?
  • Warum kann er nicht aufhören zu schmollen, ganz gleich, wie sie agiert oder reagiert?
  • Sie tut, was sie tut. Und er tut, was er tut.
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Wer ist Täter & wer ist Opfer?

Wir müssen den anderen nicht ändern, nur verstehen, worum es eigentlich geht

Wir wollen dass es uns besser geht. ABER wir suchen dafür am falschen Ort. Viele Menschen glauben, dass wenn sich der andere ändert, dass es uns besser geht. Das ist aber nicht die Lösung des Problems. Er soll nicht klagen. Er soll nicht jammern. Und sie soll das auch nicht tun. Aber er/sie tut es nun mal.

Also fordern wir vom anderen, dass er sich entschuldigt, dass er sich reflektiert und dass er uns eine Lösung anbietet, mit der wir leben können. Umgekehrt fordert der andere das aber auch von uns.

Ist Selbstreflektion die Lösung?

Aber ist das die Lösung? Worum geht es uns eigentlich?

Geht es darum, dass der andere was tut, damit es uns besser geht? Oder geht es eigentlich nur allgemein darum, dass es uns besser geht?

Dazu schauen wir uns ein Beispiel an Frank (Name geändert) an:

Der tut auch was er tut (weil es für ihn normal ist, weil er so gelernt hat). Und dann kommt seine Frau und sagt, was aus ihrer Sicht nicht stimmt.

Sie bewertet das, was er tut. Sie bezieht es auf sich. Aus ihrer Sicht muss das so sein und nicht anders. Wenn er tut was er tut, sei er schuld, dass es ihr nicht gut geht. Und er zieht sich natürlich den Schuh an. Er fühlt sich schuldig. Und dieses Gefühl fühlt sich furchtbar an. Er kennt das schon aus seiner Kindheit. Und als Kind musste er sich dann bestimmte Strategien angewöhnen, die einzig und allein der Schmerzvermeidung galten.

Ja – sich schuldig zu fühlen tut weh – Selbstreflektion ist alles

Wer gibt uns aber das recht dazu, in dem Moment die Schuld auf uns zu nehmen? Wer? Nur weil jemand uns die schuld für etwas gibt, heißt es ja nicht, dass das wirklich wahr ist. Ob etwas wahr ist, entscheiden wir immer noch selbst.

Der andere kann uns jederzeit die Schuld geben (das tun übrigens die meisten, einfach um sich besser zu fühlen und nicht wie angenommen, um dem anderen die Schuld zu geben). Der andere kann jederzeit bewerten und seine Meinung kund tun. Und wir können dem anderen das auch zugestehen oder?

Frank fällt es aber schwer.

Hilft Frank die Selbstreflektion des Verhaltens? Oder ist die Lösung wertfrei aufzunehmen?

Sein inneres System geht auf Abwehr und dann kurz darauf in den Impuls etwas dagegen zu tun. Mal entschuldigt er sich, wo sie ihm dann unterstellt, dass er das nur tut, um seine Ruhe zu bekommen. Mal wiegelt oder lenkt er ab, was dazu führt, dass sie sich nicht ernst genommen fühlt. Und mal rechtfertigt er sich, was dazu führt, dass sie sich bestätigt fühlt, dass er total unreflektiert und uneinsichtig ist.

Frank muss lernen sich nicht den Schuldschuh anzuziehen

Was er aber nicht tut, ist, die Situation einfach anzunehmen wie sie ist, ohne gleich in den Gegenangriff oder die Wiedergutmachung zu gehen. Es fällt ihm wahnsinnig schwer, es wertfrei anzunehmen wie es ist. Es fällt ihm schwer zu akzeptieren, was sie sagt.

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Der Schuldschuh ist ein Zeichen von Hilflosigkeit und Machtlosigkeit. Selbstreflektion funktioniert nur, wenn beide Parteien verstehen

Er glaubt, er sei dafür verantwortlich und müsste jetzt eine Lösung präsentieren – eine Lösung für ein Problem, was entstanden ist, weil sie es so bewertet hat. Denn das, was er tut, (was er so gelernt hat) wird ja von ihr bewertet. Und aufgrund ihrer Bewertung glaubt er dann sich rechtfertigen oder entschuldigen zu müssen. Da er sich aber den Schuldschuh anzieht, begibt er sich ja schon selbst in diese Hilf- und Machtlosigkeit. Er macht sich abhängig von ihrer Bewertung.

Hilflosigkeit und Machtlosigkeit – ein ewiges Karussell in toxischen Beziehungen

Und wir wissen ja, wohin die Hilflosigkeit und Machtlosigkeit führt. Vermeidung, Erstarren oder Angreifen. Mit diesem Verhalten aber können wir keine Beziehung mehr halten. Mit diesem Verhalten stellen wir unsere Bedürfnisse, in den Vordergrund und rechtfertigen unser darauffolgendes Verhalten, immer mit der Bewertung des anderen. Diese aber ist immer subjektiv. Bewertungen sind immer subjektiv. Bewertungen entstehen immer im Kopf. Und im Kopf eines anderen sind wir immer Außenseiter. Wir können nicht in den anderen reinschauen und wir können es auch nicht verändern. Wir glauben aber oft, dass wir das müssen- einzig und allein damit es dem anderen besser geht.

Lies bitte dazu auch den Artikel Tipps und Tricks für Angehörige im Umgang mit Narzissten .

Denn hier haben wir noch einige Hinweise zu toxischen Kommunikationssperren.

Das heißt wir bewerten ebenfalls, was der andere uns sagt und verhalten uns dann darauf entsprechend. Das heißt wir handeln aus dem Kopf heraus, aber nicht mehr aus uns selbst. Wir spielen dann unser erlerntes Selbstverteidigungsprogramm ab und verlieren damit aber jeglichen Kontakt zum Gegenüber.

Und worum geht es dann?

Akzeptiert werden wie man ist, während man den anderen so akzeptiert, wie er ist.

Was könnte also die Lösung sein?

  1. Sie sagt was sie sagen will. Und er hört ihr zu. Er hört sich alles an, was sie sagt, ohne es zu bewerten. Dann bedankt er sich dafür, dass sie ihm das gesagt hat. Und dann fragt er sie, was sie sich konkret für eine Lösung des „Problems“ vorstellt. Denn er kann ihr Problem (welches aufgrund ihrer Bewertung entstanden ist) nicht lösen. Er kann sie aber ermuntern eine Lösung vorzuschlagen.

    Zum Beispiel wenn sie ihm sagt, dass er schuld sei (in ihren Augen). Dann könnte er sagen: OKAY danke, dass du mir das sagst – du findest also dass ich schuld bin – dann bin ich eben schuld… und wie geht es jetzt weiter? Was soll ich deiner Meinung nach tun? Wie können wir das Problem deiner Meinung nach lösen?

    Dann kann sie ihm vorschlagen, was er ihrer Meinung nach tun kann und er kann entscheiden ob er das machen will oder nicht.
  2. Sie sagt ihm, was sie sagen will. Er hört es sich an, ohne sie zu unterbrechen. Dann bittet er um Bedenkzeit.
  3. Sie sagt ihm, was sie sagen will. (z.B. dass er gemein sei). Er hört es sich an und bittet um Verzeihung.

Selbstreflektion als Anker für jeden in dieser Problematik

Worum geht es jemandem, der ein Problem hat? Er/Sie möchte dass man ihm/ihr zuhört und sie ernst nimmt. Er/Sie möchte NICHT sofort einen Ratschlag, Er/Sie möchte auch nicht, dass man das Problem für ihn/sie löst. Er/Sie möchte über sich und seine Gefühle und Gedanken sprechen. Und alles was er/sie dafür braucht, ist einen Zuhörer. Und das ist die Lösung. Zuhören – für den anderen Da sein- empathisch sein. Und das alles sind (können) wir – wenn wir wollen!!!

Gleiches Ziel für beide Parteien – aber bitte mit einer Lösung, die beide mögen

In der Regel haben beide Parteien das gleiche Ziel. Das Ziel ist eine friedliche und harmonische Beziehung zu führen. Wenn wir uns also auf das gemeinsame Ziel konzentrieren, haben wir die Lösung. Sie will Frieden. Er will Frieden. Wie erreicht man Frieden? Mit Ruhe, mit Zeit, mit Entspannung. Jedoch nicht mit Kampf, nicht mit Gegenwehr und schon gar nicht mit gegenseitiger Schuldzuweisung. Wenn der andere meint, dass wir schuld sind, dann ist das so – aber eben nur aus seiner Sicht. Das tatsächliche Motiv hinter der Bewertung ist für Frieden im Inneren zu sorgen und diesen erreicht man in erster Linie über egofreie Empathie.

Ich höre dem anderen zu um ihn zu verstehen. Ich höre dem anderen zu um ihn bei der Suche nach einer Lösung zu begleiten. Ich höre ihm zu…weil er mir wichtig ist. Ich höre aber NICHT zu um ihm meine Lösung aufzudrängen. Denn was ihm hilft, weiß ich ja nicht, also höre ich zu um das gemeinsam mit ihm/ ihr heraus zu finden.

Autor: Daniel Brodersen