Kommunikation mit einem Narzissten – Wie Sie jedes Gespräch zum Scheitern bringen

Kommunikation ist immer beidseitig. Man kann nicht nicht kommunizieren. Oft reichen schon Blicke oder Gesten aus, und die Kommunikation mit einem Narzissten kann zur Farce werden. Er überbewertet und provoziert Sie dazu es ihm gleich zu tun. Am Ende wird er Ihnen wieder die Schuld dafür geben, dass die Kommunikation mal wieder gescheitert ist, dabei gehören dazu immer zwei.

Doch warum ist das so und wie kann eine Kommunikation mit einem Narzissten gelingen? Worauf es zu achten gillt und welche Fehler Sie vermeiden können, lesen Sie im folgenden Artikel.

Narzissten sind auch nur Menschen

Wenn ein Narzisst mitten im Gespräch gekränkt ist, was man anhand seiner Reaktion bemerkt, ist es wichtig dies ernst zu nehmen. Denn ein Narzisst ist auch ein Mensch und Menschen reagieren auf Trigger ähnlich: entweder ziehen sie sich zurück und liefern keine Lösungsbeiträge mehr oder sie sprechen nicht mehr über sich selbst, sondern reagieren auf die negative Wirkung des Gesagten.

Manch einer ist sogar so schwerst gekränkt, dass er erstarrt (Katatonie) und nicht mehr reden kann oder aber: er will es nicht mehr. (Silent Treatment). Manch ein Narzisst erleidet aber auch eine Panikattacke. Dann herrscht Todesangst, denn sein Selbstwert ist in Gefahr und er wird anfangen das Außen zu bekämpfen oder Rachepläne schmieden. Das liegt daran, dass der Narzisst stets mit der Aufrechterhaltung seines Selbstwerts beschäftigt ist und er eben nicht gelernt hat sich zu regulieren, wenn er angetriggert ist. Er denkt, dass andere Schuld sind, an seinen Gefühlen. Er weiß nicht, dass diese Teil seiner selbst sind, da er diese früh in seiner Kindheit zum Schutze abgespalten hat.

Narzissten sind auch nur Menschen, auch wenn sie schwierig sind.

Was ist eigentlich Kommunikation?

Mittels Kommunikation können Informationen verbal und nonverbal über eine Distanz übertragen werden. Wenn es um Kommunikation geht, dann stellt man sich am besten mal ein Faxgerät vor. Denn von der Funktionsweise eines Faxgeräts können wir Menschen uns viel abschauen. Das Faxgerät nämlich baut zuerst eine Verbindung auf, stellt sich auf die Gegenseite ein und dann erst überträgt es seine Daten. Stephen R. Covey formulierte diese Funktionsweise in seinem Buch „7 Wege zur Effektivität“ folgendermaßen: „Erst verstehen, dann verstanden werden“.

Man kann nicht nicht kommunizieren

Paul Watzlawik, 1. Grundregel menschlicher Kommunikation

Kommunikationssperren – Wie Sie jede Kommunikation mit einem Narzissten zum Scheitern bringen

In Situationen (z.B. in Telefonaten oder Paargesprächen), wo es eigentlich darum geht emotionale Nähe zu uns selbst und anderen zuzulassen, weichen wir gerne auf sogenannte Kommunikationssperren aus. Das heißt wir verwenden Formulierungen, die vom Thema ablenken. Möglicherweise weil wir gerade überfordert sind oder denken, dass wir gerade nicht anders können. Das fühlt sich zunächst sicher an, wir können das Geschehen kontrollieren. Diese Art zu kommunizieren wird nicht nur von Narzissten angewandt, sondern von fast jedem. Unbemerkt schleichen sich solch Formulierungen in unseren Alltag ein.

Thomas Gordon (1918 – 2002) gehörte zu den Pionieren der humanistischen Psychologie. Er war ein Schüler von Carl Rogers, dem Entwickler der Klientenzentrierten Gesprächsführung.

Gordon war der Überzeugung, dass Menschen, die in einem fürsorglichen und freiheitlichen Klima heranwachsen, gerne Verantwortung für die Gemeinschaft übernehmen und fähig sind, ein selbstbestimmtes und erfülltes Leben zu führen. In seiner Arbeit mit Kindern und Jugendlichen erforschte er, welche Formen von Kommunikation solch einer Entwicklung im Wege stehen. Diese Formen nannte er Kommunikationssperren.

Thomas Gordon – Entdecker der Kommunikationssperren, welche ein Gespräch wirklich toxisch machen.

Was sind Kommunikationssperren?

Als Kommunikationssperre bezeichnete Thomas Gordon eine Art der Kommunikation, die die Absicht hat, das Erleben des Gegenübers nicht zu akzeptieren sondern verändern zu wollen. Damit sabotieren wir unseren Kontakt zum anderen, denn der fühlt sich womöglich unverstanden oder gar getriggert. Gerade in der Kommunikation mit einem Narzissten kommen diese Kommunikationssperren in triggernder Weise zur Geltung. Kommunikationssperren, machen ein Gespräch wirklich toxisch. Jedoch beidseitig – und nicht wie angenommen nur vom Narzissten aus.

Zu den Kommunikationssperren zählen:

1. Befehlen, anordnen, kommandieren, drängeln, unter Druck setzen

2. Warnen, ermahnen, drohen, Wenn…dann… Formulierungen

3. Moralisieren, predigen, beschwören

4. Beschimpfen, beschämen, lächerlich machen, Abwertung

5. Verurteilen, beschuldigen, Vorwürfe machen, kritisieren

6. Einwenden, widersprechen, belehren, Vorträge halten

7. Schmeicheln, loben, manipulieren, jemanden erhöhen

8. Analysieren, interpretieren, diagnostizieren

9. Beruhigen, trösten, beschwichtigen, verharmlosen, bagatellisieren

10. Silent Treatment, ablenken, sich zurückziehen, unterbrechen

11. Befragen, ausforschen, verhören

12. Ratschläge erteilen, Lösungen vorgeben

Doch in Wirklichkeit blockieren wir damit die Verbindung zu uns selbst und zu unserem Gegenüber und trennen uns von unseren Gefühlen ab. Zudem verlassen wir den Kontakt auf Augenhöhe und nehmen eine Überlegene (erhöhte) Position ein. Wir wollen das, was andere erleben, in unserem Sinne verändern. Wir meinen zu wissen, was gut für andere ist. Und gleichzeitig nehmen wir ihnen die Chance ihre Probleme selbstverantwortlich zu lösen. Ebenso machen wir den anderen dafür verantwortlich, dass wir ein Problem haben. (Projektion, Verschiebung etc.)

Gerade in Gesprächen mit Kindern sind diese Kommunikationsstrategien üblich. Und vielleicht erkennst du dich in den Beispielen wieder. Erfahrungen, die du als Kind gemacht hast, Strategien, die du mit deinen eigenen Kindern anwendest, Szenen aus deinem letzten Partnerschaftsstreit, Arten und Weisen, wie du mit anderen oder dir selbst sprichst. Vermutlich machst du diese Erfahrungen nicht nur in der Kommunikation mit einem Narzissten.

Jeder Mensch hat seine eigene (berechtigte) Wirklichkeit

Paul Watzlawik meinte dazu einst, dass wir die Wirklichkeit der anderen gerne in Frage stellen, weil diese uns manchmal überfordert. Wir tragen dann einen Konflikt mit uns selbst aus, weil wir eine zu Klare Vorstellung davon haben, wie etwas sein soll (wie wir etwas haben wollen) und uns schwer tun, die Dinge so anzunehmen, wie sie sind. (Wenn diese nicht in unser Weltbild passen). Weil wir den Konflikt oft nicht mit uns selbst lösen können, projizieren wir diesen ins Außen. Das heißt wir machen andere dafür verantwortlich, für unsere Überforderung mit deren Weltbild bzw. Ansicht. Im Grunde genommen also konstruieren wir damit unsere Wirklichkeit.

Jeder Mensch ist einzigartig. Jeder Mensch hat sein eigenes berechtigtes Modell der Welt. (Die Landkarten sind subjektiv, wir wissen nicht welche Landkarte richtig ist.)

Richard Bandler, Grundannahme aus dem NLP

Dazu kommt: Jeder Mensch hat sein eigenes berechtigtes Modell von der Welt. Jeder Mensch, ja wirklich jedes verfügt über ein eigenes Wahrnehmungssystem – auch Filter genannt, was ihn in seinem Sein und Erleben so einzigartig macht. Jeder nimmt die Dinge anders wahr. Die einen sind visuell, die nächsten auditiv und andere legen großen Wert auf den Geruch. Manchmal stimmt die Chemie einfach nicht. Man kann sich dann wirklich nicht riechen. Das heißt dann aber nicht, dass der andere ein Narzisst ist, wie gern und oft behauptet wird.

Empathie und achtsames Zuhören- der Schlüssel zu einer guten Kommunikation mit einem Narzissten

Auf Kommunikationssperren zu verzichten ist nicht einfach. Denn wie oben schon beschrieben, verzichten wir dadurch auf unsere gewohnten Strategien, mit denen wir die Beziehungen zu anderen Menschen kontrollieren. Das kann beängstigend sein. Doch es ist auch die Tür zu wirklicher Begegnung, Kontakt und zu aufrichtigem Austausch.

Am besten gelingt dies durch Zuhören. Das heißt erst höre ich dem anderen zu, ich schaue auch ob der andere bereit ist. Ich baue also eine Verbindung zu ihm auf. Ähnlich wie im oben beschriebenen Beispiel mit dem Faxgerät. Ich übertrage meine Daten erst, wenn der andere dazu bereit ist. Gleichermaßen verzichte ich auf die Bewertung dessen, was ich gehört habe. Das heißt, ich bleibe mit meiner Aufmerksamkeit bei meinem Gegenüber ohne das Gesagte auf mich zu beziehen.

Empathie hat viel mit guter Intuition und Timing zu tun. Gelebte Empathie zeichnet sich dadurch aus, dass man einereits selbst bereit ist (also gut bei sich) dem anderen zuzuhören, als auch dadurch, dass man sich vergewissert, dass auch der andere gerade dazu im Stande ist, sich zu öffnen, sich mitzuteilen oder gar mir zuzuhören, ohne das Verhalten des anderen zu bewerten, sondern es eben als gegeben zu betrachten.

Empathie und achtsames Zuhören: Wie diese wichtige Ressource gelingt

Empathie bedeutet die Fähigkeit und vor allem die Bereitschaft zu haben, absichtslos einer anderen Person zuzuhören, denjenigen mit seiner Persönlichkeit zu erkennen, anzunehmen und zu verstehen. Zuhören ist eine bedeutende Ressource. Mehrere Therapie und Coachingtechniken befassen sich mit dem Zuhören. Man kann diese erlernen. Dazu muss man nicht mal Coach oder Therapeut sein.

In der Klientenzentrierten Gesprächstherapie nach Carl Rogers steht Aktives Zuhören beispielsweise an erster Stelle, neben den drei Grundhaltungen: Empathie, Wertschätzung, Authentität (Kongruenz, bzw. Echtheit im Kontakt).

Jemandem achtsam Zuzuhören ist eine Kunst und gleichermaßen ein Geschenk.

Jon- Kabat Zinn

Jemandem aktiv den Raum geben sich auszusprechen – sich selbst zu aktualisieren und auch zu reflektieren – ist gelebte Empathie.

In der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg steht Zuhören auch an vorderster Stelle. In erster Linie geht es dabei aber um Wertschätzung sowie Ehrlichkeit und dem gleichzeitigen Fernbleiben von Vorwürfen. Stattdessen werden Gefühle und Bedürfnisse kommuniziert.

Eine der Grundannahmen des NLP, welche auch eine hervorragende Kommunikationsmethode ist, sagt, dass wir bereits alle Ressourcen haben, die wir zur Veränderung brauchen. Manchmal genügt es, dass nur jemand richtig zuhört, um diese Ressourcen zu finden.

Jemandem richtig zuhören ist der Schlüssel um jemanden zu verstehen. Das ist gelebte Empathie.

Wie die Kommunikation mit einem Narzissten gelingen kann

Nicht jeder Mensch hat Zugang zu den oben aufgeführten Techniken und Formaten. Zwar kann jeder, wenn er will aktiv zuhören, aber hin und wieder wird man dann ja doch getriggert auf das, was andere sagen. Hin und wieder verwendet jeder Mensch eine Kommunikationssperre, die dann auch narzisstisch und einschüchternd wirkt.

Für den Fall, dass du wirklich davon ausgehst, dass dein Gegenüber ein ausgewiesener Narzisst ist, du schon etliche Kommunikationstechniken gelernt hast, zahlreiche Therapien besucht hast und Hunderte von Euros in Coachings investiert hast und du auch mit dem richtigen Ohr hingehört hast, haben wir dir in Kürze einige Tipps zusammen gestellt, die dir vielleicht helfen könnten in der Kommunikation mit (d)einem Narzissten gelingen kann. Auch sind diese Techniken hilfreich, sich selbst zu regulieren.

1. Nimm es nicht persönlich:

Leichter Gesagt als getan. Jedoch bist du in der Tat nicht der Mittelpunkt der Welt. Was der Narzisst sagt ist die eine Sache. Was du daraus machst, jedoch ist deine Sache. Du beziehst es auf dich, weil du vermutlich denkst, dass du gemeint bist. Doch meistens projiziert der Narzisst einen negativen Anteil von sich auf dich. Das heißt, du bist nicht gemeint.

2. Chill mal und reg dich ab:

Erkenne was in dir abläuft. Vielleicht denkst du ja in der Tat, dass du gemeint bist. Dann ist das aber sein eigenes Selbstbild, was dafür sorgt, dass du es auf dich beziehst. Du weißt selbst, dass das, was Emma über Anton sagt, oft mehr über Emma aussagt, als über Anton selbst. Also Chill mal: Spür in dich hinein, fokussiere dich auf deinen Atem, nimm Kontakt zu deinen Füßen auf. Atme 5 Sekunden ein. Und dann konzentrier dich auf den Sachinhalt des Gesagten.

3. Geh liebevoll mit dir um:

Respekt und Achtsamkeit sind die Säulen einer tragfähigen Beziehung. Genauso ist das mit der Empathie sich selbst gegenüber. Nimm dir ausreichend Zeit für dich. Tue dir selber etwas Gutes. Wenn dein Akku leer ist, bist du ebenso ein schlechter Zuhörer. Wenn du ausgelaugt bist und dies nicht mitteilst, wirst du schneller von Energievampiren heimgesucht, als dir lieb ist. In dem Fall bist du dann aber auch dein eigener Energievampir, wenn du nicht gut für dich sorgst und in dich hinneinhörst.

© Daniel Brodersen