Nie wieder ein Narzisst als Partner?

Ist die Frage nie wieder ein Narzisst als Partner oder wie man solche Menschen meidet / erkennt provokativ gestellt? Mit Sicherheit. Gibt es darauf eine logische Antwort? Nein! (Für uns zumindest nicht). Und wir werden dir auch keine Antwort geben. Im Gegenteil. Wir sagen, dass du die falsche Frage stellst. Es geht im Leben nicht darum welche Erfahrungen wir NICHT machen wollen, sondern darum, welche Erfahrungen wir MACHEN. Die bekannteste Erfolgsformel lautet schließlich TUN. Es geht also darum etwas zu tun und dann daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Nie wieder auf Menschen reinfallen dir mir nicht gut tun

Welche Frage könntest du dir stattdessen stellen? Nun – versuchen wir es mal mit dieser hier: Wie gerate ich nie wieder an einen Menschen, der mich so sehr verletzt, dass ich denke, er sei ein Narzisst?

Wer unseren Blog schon länger verfolgt, weiß, dass wir nicht allzu viel von Ferndiagnosen à la YouTube halten. Wir halten es sogar für unethisch, Menschen einen Stempel zu verpassen, die sich anders verhalten, als wir uns das wünschen oder dies erwarten.

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Unserer Meinung nach ist ein jeder Mensch die Summe aller seiner gemachten Erfahrungen von Geburt an. Ergo kommt auch niemand als Narzisst auf die Welt. Und wenn, dann kommt ein Narzisst selten allein.

Die falsche Verwendung des Wortes Narzisst

Zudem ist es unserer Erfahrung nach so, dass die Verwendung des Wortes „Narzisst“ vollkommen falsch ist und daher oft zu vielen Missverständnissen führt.

Allein die Aussage: „Ich erkenne einen Narzissten schon anhand seines Geruches“, zeigt, dass wieder mal ein Umstand dafür verwendet wird, ihn auf alles zu beziehen, was man nicht gut riechen kann.

Zu Deutsch: Jemand, der nicht in mein Beuteschema passt, ist mir nicht sympathisch und jemand, der mir nicht sympathisch ist, ist ein Narzisst. Auch wenn diese Wahrheit keine ist, die wir öffentlich anerkennen wollen, ist es eine, die bei uns ein komisches Bauchgefühl verursacht, wenn wir auch nur in die Nähe einer Person kommen, bei der die Chemie scheinbar nicht passt.

Verliebt sein: Die Illusion eines Narzisst als Partner

Verliebt sein dagegen ist eine Illusion, die ein Narzisst braucht, um jemanden oder etwas für einen gewissen Zeitraum gut zu finden.

  • Manchmal passt es einfach nicht. Und manchmal sind wir auch nicht bereit, den Spiegel anzunehmen, der uns präsentiert wird. Manchmal sind wir lieber im Mangel auf der Suche nach einem Menschen, der unsere Mängel ausgleicht, als nach jemanden, der uns bereichert und perfekt ergänzt.
  • Manchmal sehen wir nur das, was nicht so ist, wie wir uns das wünschen.
  • Wir vergessen manchmal, dass die Motive, eine Beziehung einzugehen, ganz unterschiedlich sein können.

Denn: Jeder lebt nach anderen Prinzipien. Jeder hat eigene Erwartungen – schlussendlich aber fast immer dieselben Bedürfnisse – nämlich sich verbunden fühlen mit einer Person, für die man sich entschieden hat.

Liebe: Gefühl oder Entscheidung?

Denn Liebe ist kein Gefühl. Liebe ist eine Entscheidung. Verliebt sein dagegen ist die Illusion, die ein Narzisst braucht, um jemanden oder etwas für einen gewissen Zeitraum gut zu finden. Wichtiger ist es jedoch, sein Gegenüber so annehmen zu können wie er ist ohne den Wunsch zu haben ihn zu verändern.

Ist der Verliebtheitsrausch vorbei, lassen die großen Gefühle nach.

  • Manch einer stürzt gar in eine Depression, weil er die Realität nicht aushalten kann.
  • Manch einer fühlt sich geblendet oder verraten, dabei sind es bloß die Hormone die ein so fühlen ließen
  • Ist ganz erschüttert, dass die großen Gefühle nicht ewig anhalten. Beziehung ist Arbeit.
  • Und manch einer denkt, dass Love-Bombing nur einseitig ist.

Dabei erhöhen sich beide Partner. Wenn man verliebt ist, sieht man sich selbst und das Bild, was man von einer Beziehung hat und den anderen erkennt man bloß als jemanden, der die von uns zugewiesene Rolle spielen muss, damit das Bild passt und die Illusion am Leben bleibt.

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Narzissten leben Love-Bombing aus – erst die große Liebe, dann sind sie wie vom Erdboden verschluckt.

Erkennt man, dass man den anderen nur idealisiert hat, er also gar nicht so sehr dem Bild entspricht, was man vom ihm hatte, projiziert man seine Enttäuschungen auf sein Gegenüber. Gleichzeitig glaubt man der andere sei nun verantwortlich für das schlechte Gefühl, was man nun hat. Oder man unterstellt ihm die ganze Zeit nur gespielt zu haben und eine Maske getragen zu haben.

Und schwups denkt man der andere sei ein Narzisst – ein Narzisst als Partner – weil er einem angeblich nur etwas vorgemacht hat.

Er muss ein Narzisst sein, sonst würde er sich ganz anders verhalten !!!

Im Internet kursieren dazu etliche Erklärvideos oder Beiträge mit Hinweisen, woran man einen Narzissten erkennt. Er tut dies, er tut jenes. Und vor allem tut er dies bewusst, also mit voller Absicht. Eine Erklärung aber, warum man selbst immer den gleichen Typ Mann/Frau anzieht und sich anfangs so geborgen fühlt, ist das nicht.

Niemand vermutet beim ersten Date, dass sich hinter der scheinbar charmanten Fassade ein Kotzbrocken mit geringem Selbstwert verbirgt. Dass der andere aber ein Schauspieler ist, der einen nur für die eigenen Zwecke benutzen will, das glaubt man ganz fest. Der Narzisst sucht sich seine Opfer und manipuliert sie ohne Reue.

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Erst ist es die große Liebe, dann kommt das böse Erwachen?

Dabei ist das doch logisch. Sobald man jemanden erobern will und sich Hoffnungen macht auf eine rosige Zukunft, ist die Aufmerksamkeit komplett beim Gegenüber und die eigenen Schatten geraten in den Hintergrund.

Diese werden erst zutage gefördert, wenn der andere sich anders verhält, als man anfangs dachte. Und wenn es wehtut, muss der andere ein Narzisst sein. So steht es zumindest auf zahlreichen Webseiten. 

Sprüche wie „Wer dich liebt, verletzt dich nicht“ oder „Niemand ist deine Tränen wert“ befeuern das Ganze. 

Es wird ein Idealbild geschaffen, was bei Makeln zum Feindbild wird. Es wird nach Erklärungen gesucht, warum jemand so ist, wie er ist. Jedoch lassen sich Gefühle häufig nicht intellektuell erklären. Sie sind einfach da. Sie entstehen häufig unbewusst.

Und irgendwo steht dann: Der ist ein Narzisst.

Liebe darf schließlich nicht wehtun. Liebe muss sich immer gut anfühlen. Der andere soll einen gefälligst glücklich machen oder wenigstens nichts tun, was das eigene Glück gefährdet. Und er soll möglichst stabil sein, frei von eigenen Fehlern, frei von Themen, mit denen er noch nicht abgeschlossen hat, also am besten selbst reflektiert – also dem Bild entsprechen, was man anfangs wahrnimmt. Und er sollte einen so akzeptieren, wie man ist, auch wenn man selber ganz viel erwartet.

Wie gerate ich also schlussendlich nicht mehr an jemanden, der mich verletzt und somit denken lässt, er sei ein Narzisst? Indem ich bei mir selber anfange und mich frage, wer ich bin, meine eigene Wirklichkeit hinterfrage und mir meine Themen anschaue.

Folgende Fragen könnten dabei helfen

Die anschließenden Fragen helfen dir dabei festzustellen, warum du der Meinung bist, immer wieder an einen Narzisst als Partner zu gelangen und woran das liegen könnte. Auch erkennst du, was vielleicht anders sein könnte, als du glaubst!

  • Wo bin ich verletzlich? (Was triggert mich?)
  • Welche Glaubenssätze habe ich?
  • Welche Überzeugungen über Männer und Frauen habe ich?
  • Was denke ich über Beziehungen allgemein?
  • Welche Bedürfnisse habe ich?
  • Welche Bedürfnisse könnte mein Gegenüber haben?
  • Wie wurde ich durch wirklich narzisstische Partner, Eltern oder andere narzisstische Angehörige geprägt?
  • Inwieweit projiziere ich meine Erfahrungen, mein Gelerntes nun auf einen neuen Partner und entdecke überall narzisstische Verhaltensweisen bei ihm, die für sich genommen, gar keine sind?
  • Welche toxischen Verhaltensmuster zeige ich?
  • Wie will ich behandelt werden?
  • Wie behandele ich andere und schlussendlich, wie behandele ich mich selbst?

(Solltest du erkannt haben, dass du selber einige Themen hast, könnte dir möglicherweise eine Therapie helfen oder ein Coaching.)

Wenn du schlussendlich den Fragenkatalog abgearbeitet hast und keine Antwort auf die Frage hast, warum du immer wieder an Narzissten gerätst und wie du das in jedem Falle unterbindest, dann solltest du dir noch diese Frage stellen:

Warum interessiere ich mich für Typen, die mir scheinbar nicht gut tun?

Denn wenn ich das weiß, spielt es keine Rolle, welche Diagnose der andere nun hat. Wenn ich mit mir selbst im Reinen bin, werde ich auch nur noch auf Menschen treffen, die genauso mit sich selbst im Reinen sind. Und diese Menschen werden dann mein Herz berühren.

Autor: Daniel Broderson