Toxische Beziehungen im Freundeskreis – was kann ich tun?

Wissen über toxische Beziehungen verändert unsere Wahrnehmung und beeinflusst unser Denken. Es öffnet uns nicht nur die Augen, dass wir in einer sind (oder waren), sondern auch, dass wir immer wieder in toxischen Beziehungen landen. Wir sehen: Viele unserer Freundschaften und Verhältnisse zu bestimmten Familienmitgliedern sind toxisch.

Manch einen haben wir vielleicht schon als Narzissten betitelt oder diffamiert. Dabei übersehen wir oft gute Gründe, warum er macht, was er macht, oder wir uns so verhalten, wie wir uns verhalten. Eine Sache müssen wir aber verstehen: Es gehört zu unserer Entwicklung, die ein oder andere Erfahrung zu machen. Aus Erfahrungen ziehen wir nämlich Erkenntnisse und Schlüsse, die uns erst zu dem machen, was wir sind.

Jeder Mensch hat seine eigene Wahrnehmung

Wer einmal anfängt, sich mit Narzissmus zu beschäftigen, erkennt, dass sich das Thema wie ein roter Faden durchs Leben zieht. Nach diesem Erwachen beginnt er, die eigenen Verhaltensmuster genauer unter die Lupe zu nehmen und im besten Fall an sich zu arbeiten.

Um da hinzukommen, ist Arbeit erforderlich. Blinde Flecke, die uns selbst betreffen, sehen wir bei anderen deutlicher, da wir nicht (oder zumindest nicht so stark) emotional involviert sind. Wir erkennen, dass sehr viele Menschen in unserem Umfeld in toxischen Beziehungen stecken.

Wir möchten ihnen die Augen öffnen und helfen, diesen toxischen Bindungen zu entkommen. Doch Worte bewirken in solchen Situationen leider wenig. Diese vergeblichen Versuche können unheimlich aufreibend sein und die eigenen Probleme triggern.

Ungefragte Ratschläge sind buchstäblich Schläge

Den Weg zur Selbsterkenntnis kann jeder nur selbst gehen! Der Wunsch nach Veränderung muss von einem selbst kommen. Eine Beziehung ungefragt zu bemängeln und belehrend aufzutreten, hat bestenfalls den gegenteiligen Effekt. Das kritisierte Paar hält nur noch mehr zusammen und die Freundschaft geht in die Brüche.

Es spricht natürlich nichts gegen einen gut gemeinten Rat. Aber das eigene Problem mit dem Thema sollte nicht zur Angelegenheit deiner Freunde werden. Solange die in einer toxischen Beziehung Involvierten nicht selbst ein gewisses Problembewusstsein haben und Unterstützung wünschen, bringen Interventionen nichts und wirken übergriffig.

Toxisch ist mittlerweile normal

Toxische Beziehungen sind überall, wo Menschen leben. Sie sind ein Stück weit zur Normalität geworden in unserer Gesellschaft. Viele legen verletzende Verhaltensweisen an Tag, ohne auf die anderen Rücksicht zu nehmen. Das gehört zum Leben, das müssen wir akzeptieren. Der Umgang damit ist aber entscheidend.

Konfrontierst du deine Freunde mit der Meinung, ihre Beziehung wäre toxisch, wirkt das in der Regel übergriffig. Rätst du ihnen auch noch, therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen, läufst du Gefahr, sie ganz zu verlieren.

Versuchst du, andere um jeden Preis von deinen Sichtweisen zu überzeugen, legst du selbst toxische Verhaltensweisen an den Tag.

Anzeichen für toxische Beziehungen im Freundeskreis

Zwar solltest du die Partnerschaften deiner Freunde nicht aktiv kritisieren. Es hilft dennoch, zu erkennen, ob sie wirklich toxisch sind, um sie für dich besser einzuordnen. Hier sind ein paar Anzeichen, auf die du achten kannst (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

  • Der neue Partner will nicht bei euren Treffen dabei sein.
  • Dein Freund beschwert sich oft über ihn.
  • Deinem Freund bleibt neben der Beziehung keine Zeit mehr für seine Freunde und Interessen.
  • Er sagt Verabredungen kurzfristig ab, ohne einen richtigen Grund anzugeben.
  • Dein Freund wirkt oft genervt, ist geschwächt und du erkennst ihn nicht wieder.
  • Bei ihm dreht sich alles nur noch um seinen perfekten Partner.
  • Dessen eindeutig toxisches Verhalten wird beschönigt und relativiert, sobald du nachfragst.

Diese Indizien helfen dir dabei, toxische Beziehungen zu erkennen. Trotzdem solltest du stets im Hinterkopf haben, dass jedes Liebesverhältnis individuell ist und seine Höhen und Tiefen hat. Die Punkte auf dieser Liste weisen nicht immer zwangsläufig auf eine toxische Beziehung hin.

Wie soll ich mit der Situation umgehen?

Hilf deinem Freund. Du musst dafür nicht den Therapeuten spielen. Das geht viel leichter, als die meisten denken:

  • Sei ein guter Zuhörer und zeige Empathie.
  • Grenze dich innerlich ab.
  • Vermeide es, ihn zu belehren.
  • Sprich über Themen, die euch verbinden.
  • Hole dir professionelle Hilfe, falls dich die Situation zu sehr belastet.

Überfordert dich die Beziehung deines Freundes, musst du jedoch dich und deine mentale Gesundheit an erste Stelle setzen. Da bleibt dir manchmal nichts anderes übrig, als dich zu distanzieren. Du bist kein Therapeut und solltest nicht dessen Aufgaben übernehmen.

Vorsicht mit Ferndiagnosen

Auch wenn du im Internet viel über Narzissmus nachlesen kannst, ist die Ursache für die oben beschriebenen Verhaltensmuster häufig eine ganz andere. Manchmal sind nicht die Partner deines Freundes narzisstisch veranlagt, sondern er selbst. Vielleicht macht er gerade eine schwere Phase durch, von der du nichts weißt.

Sei vorsichtig mit Ferndiagnosen und behalte sie lieber für dich. Sie führen bestenfalls dazu, dass deine Freundschaft in die Brüche geht.

Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied und manchmal ist es besser, den anderen seine Erfahrung allein machen zu lassen. Manch einer braucht sie auch, um wichtige Lektionen für das Leben zu lernen.

Autor: Daniel Brodersen

Merkst du toxische Beziehungen in deinem Freundeskreis, weißt aber nicht mit ihnen umzugehen? Ich kann dir helfen, eine auf dich angepasste Strategie zu entwickeln, um solche Situationen zu meistern. Als psychologischer Berater unterstütze ich seit über fünf Jahren Menschen, die Berührungspunkte mit narzisstischen Störungen haben.

Trage dich hier für ein unverbindliches Erstgespräch ein. Ich freue mich auf dich!

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