Timing is a Bitch

Liebe Mausi,

ich hoffe es geht dir gut. Ich habe mir mal wieder Gedanken gemacht, die ich mit dir an dieser Stelle teilen wollte. Ich hoffe ich komme damit nicht ungelegen. Ich hoffe ich störe dich nicht. Bitte lese den Brief nur, wenn es gerade passt. Wenn du nicht offen und entspannt bist, könnte es passieren, dass dich mein Brief jetzt triggert.

Manchmal gilt: Timing is a Bitch.

Ist dir schonmal aufgefallen, wie unterschiedlich Menschen zu verschiedenen Themen reagieren? Den einen triggert was, was der andere ganz normal findet und selten können beide Seiten auf Anhieb nachvollziehen, wieso und warum der andere jetzt so reagiert, wie er reagiert.

Nimmt man jetzt neben der persönlichen Geschichte und den dazugehörigen Triggern und Schutzmechanismen noch den Faktor Zeit und Ort mit in die Rechnung, könnte man tatsächlich zu der Erkenntnis kommen, dass Timing a Bitch ist. Manchmal sogar eine ganz unanständige und vor allem stinkende dumme Bitch.

Fragst du dich auch manchmal- wann du was ansprichst? Und hast du dir auch schon mal darüber Gedanken gemacht wo du was ansprichst, was du ansprechen willst? Wann tritt man mal nicht ins Fettnäpfchen? Worauf gilt es zu achten, wenn man andere auf etwas ernstes anspricht? Ich habe oft das Gefühl, dass viele Menschen (dazu zähle ich auch mich) nicht abwarten können, weil sie keine Geduld haben. Ich zum Beispiel habe oft das Gefühl, was sagen zu müssen – obwohl sich oft heraus gestellt hat, dass der Zeitpunkt ungünstig gewählt ist. Bist du zu jedem Zeitpunkt gut gelaunt und empfänglich für Stimmungen von anderen?

Wann darf man etwas sagen oder jemanden kritisieren und wann besser nicht? Vorsicht Fettnäpfchenreintrittgefahr!

Manchmal ist einfach nicht die Zeit sich Gedanken zu machen. Manchmal braucht man eine Pause vom ständigen Reflektieren. Das Leben ist anstrengend genug. Wir sind umgeben von Tausenden von Reizen, die nicht mit Signalen Geizen. Und dann soll man auch noch die „Red Flags“ erkennen, und auf den Bauch hören, was nicht immer so einfach ist.

Manchmal reicht es. Manchmal ist es einfach gut so. Manchmal will man sich auch nicht mit sich selbst beschäftigen. Manchmal will man einfach nur sein. So auch ich. Ja – ich kann nicht immer über alles und jeden Kram nachdenken. Ich kann nicht immer auf alles reagieren. Es fällt mir schwer zwischen Bauch und Kopf zu unterscheiden. Und dann fällt es mir auch noch schwer mögliches (Mit-)leiden zu vermeiden.

Abgrenzung ist schon hilfreich. Auch wenn das nicht jeder so sehen kann. Vor allem dann, wenn man dem anderen unbedingt ein Feedback geben will, egal ob das Gegenüber dafür empfänglich ist. Mausi – so nehme ich das wahr.

Der Leidensdruck oder das Mitteilungsbedürfnis erscheint mir oft übermächtig.

Mausi… manchmal wird mir übel vom vielen grübeln, es ist wie ein Zwang. Ich kann oft nicht loslassen. Und ich glaube niemandem tut seine Gedankenflut gut. Was raus will, muss gesagt werden, koste es was wolle – jedoch oft wird dafür Applaus erwartet, also Zustimmung und Bestätigung, auch wenn die Kritik nicht berechtigt ist. Ich habe das Gefühl, dass es vielen Menschen in solch angespannten Situationen gar nicht so sehr um eine Lösung geht – sondern mehr ums Recht bekommen – während man die Bedürfnisse des anderen vergisst.

Ja man selbst will gehört werden – ohne dem anderen zuhören zu müssen. Manchmal erscheint mir das Verlangen nach Gehör so groß, dass ich die anderen übersehe, bis diese entnervt von dannen gehen. Ja sie sind genervt, dass ich so unempfänglich für deren Ratschläge bin. Timing is a Bitch.

Was für einen selbst normal ist, ist für den anderen oft eine Qual der Wahl – denn er kann sich nicht entscheiden. Auch bei ihm haben Kopf und Bauch einen Konflikt.

Welche Frage sich stellt und das ganz oft. Bleiben oder Gehen? Wir Menschen denken oft schwarz oder weiß. Meistens sind die Reaktionen gleich, hinterher tut es einem dann leid, nachdem die Stimmung entgleist ist und man sich dementsprechend verhalten hat.

Gehen um zu Bleiben erscheint mir eine günstige Alternative zu sein, zu den üblichen Gedankengängen, die sich anfühlen wie Zwänge. Gehen um zu Bleiben ist mit Sicherheit kein fauler Kompromiss – denn nur beim Schwarz- Weiß denken ist Timing oft a Bitch. Mit dieser Alternative ist übrigens auch eine Trennung vom Tisch.

Ich gehe kurz um zu entspannen, statt den anderen impulsiv aus meinem Leben zu verbannen. Probleme lösen sich aus der Ferne und mit etwas Abstand betrachtet einfacher und besser, als wenn man von seinen Emotionen überflutet ist. Achtsamkeit wird zum Hit.

Die Gedanken haben meistens gar nichts mit dem anderen zu tun. Gedanken sind oft einfach da. Nur ist das selten jemandem klar. Und oft sind es die Gedanken, die das Timing zur Bitch machen.

Was denkst du darüber liebe Mausi?

In Liebe dein Klausi