Narzisstischer Missbrauch und die Folgen für Leib und Leben

Narzissmus ist und bleibt ein Phänomen. Einerseits gillt Narzissmus als Ressource, also auch als Eigenschaft oder Fähigkeit, sich geschickt in den Vordergrund zu mogeln und großartige Leistungen zu vollbringen. Andererseits kann Narzissmus auch als Krankheitsbild auftreten und sich wiederspiegeln in Überbordenden Verhaltensweisen, die einzig und allein dazu dienen, die eigenen Selbstwertdefizite zu kompensieren. In Folge dessen tritt häufig emotionaler bzw. narzisstischer Missbrauch auf. Menschen benutzen oder idealisieren andere Menschen um sich besser zu fühlen.

Opfer narzisstischen Missbrauchs leiden oft ein Leben lang

Narzisstischer Missbrauch bleibt oft jahrelang unentdeckt

Emotionaler bzw. Narzisstischer Missbrauch läuft sehr subtil ab, sodass er über lange Zeit, manchmal viele Jahre, unentdeckt sein Unwesen treibt. Den Opfern wird oft nicht geglaubt, wenn sie von ihren heftigen Erfahrungen berichten. Sie werden mit rationalen Argumenten abgespeist, wodurch der Eindruck entsteht, dass Täterschutz betrieben wird. Aussagen wie “Stell dich nicht so an, so schlimm kann es nicht gewesen sein” zeigen eindeutig die hässliche Seite auf, die narzisstischer Missbrauch ans Tageslicht befördert. Ein gravierender Mangel an Empathie.

Insbesondere Kinder narzisstischer Eltern, leben ungewollt und unbewusst die übernommenen Muster weiter oder entwickeln Vermeidungsstrategien. Später dann, zeigen sie gerade in Beziehungen wiederholt große Schwierigkeiten sich gesehen und wertgeschätzt zu fühlen und eine erfüllte Partnerschaft zu führen. In der Regel führen Kinder narzisstischer Eltern toxische Beziehungen, bis sie ihre eigenen Anteile erkannt haben und diese bei sich reintegriert (transformiert) haben. Bis dahin ziehen sie weiterhin Partner an, die sie gefühlt so behandeln, wie früher.

Schuldumkehr ist Inklusive

Kaum ein Mensch kann nachvollziehen welche katastrophalen und zerstörerischen Folgen emotionaler bzw. narzisstischer Missbrauch nach sich ziehen kann. Nur jemand der das erlebt hat und sich einigermaßen davon befreit hat, kann sich vorstellen, wie sich Betroffene fühlen, die Opfer von narzisstischen oder emotionalem Missbrauch wurden.

Betroffene sind meist auf allen Ebenen völlig am Ende: psychisch, emotional, mental, körperlich, oft sogar auch finanziell und sozial, da sich Narzissten gerne auch Verbündete (Flying Monkeys) an Land ziehen, denen sie sich gegenüber als armes Opfer darstellen, welches alles getan hat, um die Beziehung zu kitten. Gleichzeitig wird dem Opfer eingeredet, dass es selbst Schuld habe, an der Reaktion des Narzissten, also das es verantwortlich sei für das Wohlbefinden des narzisstischen Partners.

Der Täter hat einen in der Hand und kommt damit durch.

Das perfide daran ist: Die Missbraucher kommen mit ihrer miesen Masche häufig durch.

Um ihre Opfer schlecht zu machen bzw. sich selbst als unschuldiger Macher darzustellen, der alles getan hat, was in seiner Macht stand um das Beste aus der Situation zu machen, ist ihnen beinahe jedes Mittel Recht – schließlich geht es für den Missbraucher auch oft um Ruhm, Ruf und Ehre. Häufig erreichen Narzissten ihr Ziel und ernten dafür auch noch Mitleid und Anerkennung.

Häufig wird das Opfer vom Täter auf diese Art und Weise isoliert. Auch werden Lügen verbreitet, die das Umfeld glauben lassen sollen, dass das Opfer in Wahrheit der Täter ist. Mitunter wird auch Gaslighting angewendet, so dass das Opfer dem Schein mehr Vertrauen schenkt, als der eigenen Wahrnehmung und somit nicht mehr unterscheiden kann zwischen eigenen Gedanken und den Gedanken anderer und somit das eigene Umfeld darin bestätigt, schuldig zu sein, an der Misere des anderen.

Die toxische Scham als Folge von langjährigem narzisstischen Missbrauch

Je länger eine Person einem missbräuchlichen Verhalten ausgesetzt ist, desto nachhaltiger sind die Wunden, die versorgt werden müssen. Gleichzeitig verliert man den Bezug zu seiner Umwelt, weil man teilweise auch den Bezug zur eigenen Gefühlswelt verliert und nur noch reagiert, statt eine durchdachte Entscheidung zu treffen. Erkennt die Betroffene Person diesen Umstand, ist die Scham groß. Dieses teilweise Übermaß an Scham, wird als toxische Scham bezeichnet.

Manchmal isoliert sich das Opfer aus der toxischen Scham heraus selbst, weil es das Vertrauen in seine Umwelt und Mitmenschen verliert. Das Opfer entwickelt Ängste davor, dass sich das Muster wiederholt und der nächste Partner ebenso ein Narzisst ist, der sich Ihnen gegenüber toxisch verhält.

Gleichzeitig schämen sich die Betroffenen dafür, dass sie sich solange so schlecht behandeln ließen. Also ziehen sich nicht wenige Betroffene zurück in ihr Schneckenhaus oder bauen dicke Mauern um sich herum auf, aus Angst noch mehr verletzt zu werden. Auch setzen sie ähnlich wie der Narzisst eine Maske auf, um nicht erneut verletzt zu werden. Eine weitere Folge: Viele Betroffene tun sich schwer damit, Hilfe anzunehmen.

Die Scham der Opfer ist immens

Narzisstischer Missbrauch begünstigt reaktiven narzisstischen Missbrauch

Man bezeichnet dies auch als sozialen Rückzug oder Verlust des Interesses an seinen Mitmenschen. Viele Betroffene entwickeln eine Depression oder leiden an Suizidgedanken. Auch andere Persönlichkeitsakzentuierungen oder gar Störungen können sich daraus entwickeln, insbesondere die Co- Abhängigkeit, also ein Verlust des Wohlbefindens und der eigenen Identität.

Ebenso kommt es vor, dass Schutzmechanismen entwickelt werden, die den Verhaltensweisen des Täters ähneln oder gar gleichen. Das heißt, man reagiert auf toxisches Verhalten ebenso toxisch oder narzisstisch. Diese Schutzstrategie, wird auch als reaktiver narzisstischer Missbrauch bezeichnet. Man selbst wird für einen Narzissten gehalten, obwohl dieses Verhalten zurück zu führen ist, auf den jahrelangen Missbrauch.

Bis das Opfer nicht mehr anders kann und sich wehrt

Das heißt irgendwann wehrt man sich. Irgendwann schlägt man zurück. Aber oft nur, um sich zu verteidigen – nicht um anzugreifen. Für den eigentlichen Täter dann der Grund, sich als Opfer darzustellen und den anderen des Missbrauchs zu beschuldigen. Diese Schuldumkehr wird auch oft beim Mobbing beobachtet.

Jetzt könnte man daraus schließen, dass ein Missbrauchstäter ebenfalls lediglich reaktiven Missbrauch betreibt, sprich eigenes erlittenes Leid, an anderen auslebt. Und ein bisschen ist da auch etwas Wahres dran.

Narzisstischer Missbrauch: Mehr Opfer als Täter?

Die meisten Missbrauchstaten finden im engeren Umfeld statt, sei es im Elternhaus, im Freundeskreis, in der Partnerschaft oder auch am Arbeitsplatz. Die Täter sind Männer und Frauen gleichermaßen. Die “Opfer” ebenso. In den Medien wird oft berichtet von einer narzisstischen Epidemie, also von Menschen, die sich stets und ständig selbst beweihräuchern oder andere entwerten, um sich selber besser zu fühlen. Soweit würde ich jetzt zwar nicht gehen, der Gesellschaft oder großen Teilen davon unterstellen, rein narzisstische Motive zu haben, jedoch ist davon auszugehen, dass viele Bedürfnisse narzisstischer Natur sind.

z.B.

  • sich mit anderen vergleichen (was auch ein Ansporn sein kann, um sich zu verbessern)
  • Selbsterhöhung und Übertreiben der eigenen Leistung
  • Abwertung und Herabwürdigung der Leistung anderer
  • sich vordrängeln, weil man glaubt, dass es einem zusteht bevorzugt behandelt zu werden

Das heißt, viele Menschen tun, was sie tun, um sich besser zu fühlen. Und manche missbrauchen (teils bewusst oder unbewusst) andere, und andere wiederum lassen sich missbrauchen. Nur sehr wenige Menschen begegnen anderen auf Augenhöhe und mit der nötigen Empathie.

Männlicher und weiblicher Narzissmus eben.

Die einen stellen sich über einen, indem sie sich erhöhen – und die anderen machen sich klein, indem sie sich erniedrigen lassen oder Dinge tun, die sie niemals tun würden, wenn Ihnen bewusst wäre, dass sie eine Wahl hätten. Die Frage die sich stellt: Gibt es mehr Narzissmustäter oder Narzissmusopfer? Und falls eines überwiegt – wer definiert diese Kategorien?

Narzisstischer Missbrauch – Ursache für viele körperliche Leiden

Häufig kommt es im Laufe der Zeit zu einer Reihe von psychosomatischen Begleiterscheinungen wie z.B. Unterleibsbeschwerden, Magen-Darm Beschwerden, Herzbeschwerden, Schlafstörungen, Hautprobleme, Fibromyalgie, Entzündungen, Rückenprobleme und Verspannungen. Diese werden in der Schulmedizin oft nur sehr oberflächlich behandelt und nicht mit psychischen Problemen in Verbindung gebracht, dabei hat die Wissenschaft schon längst bewiesen, dass Körper und Geist unmittelbar zusammen hängen und dass ein nicht verarbeiteter innerer Konflikt zu somatoformen Störungen führen können.

Man spricht auch von sogenannten Psychomatosen oder den Holy Seven. Das sind somatoforme Krankheiten, also körperliche Begleiterscheinungen, deren Ursache in der Psyche liegen.

Narzissmus, Suchterkrankungen und Co- Abhängigkeit

Um die eigene Unzulänglichkeit oder angestauten Frust zu kompensieren, entwickeln Menschen Schutzstrategien, die alleine dazu dienen, den Schmerz zu betäuben und die innere Leere zu füllen. Sie entwickeln stoffgebundene Süchte wie Alkoholsucht, Drogensucht oder Medikamentensucht und stoffungebundene Süchte, wie Arbeitsucht, Sexsucht oder Spiel und Kaufsucht. Teilweise sind diese Süchte aber auch als Impulskontrollstörung zu bezeichnen, welche auch bei ADHS oder der Borderlinestörung auftreten.

Die Angehörigen von Alkoholikern leiden häufig unter Co- Abhängigkeit.

Andere finden sich in toxischen Beziehungen wieder, nach denen sie süchtig werden, weil sie glauben, dass sie den anderen gesund lieben können, alleine dadurch, dass sie es schaffen können, dass der andere sich ändert. Betroffene entwickeln nicht selten ein Helfersyndrom, Echoismus, den sogenannten Mutter- Theresa- Narzissmus oder Co- Abhängigkeiten, nur um die eigene Bedürftigkeit nicht zu spüren. Manch einer trinkt oder kifft sogar mit und ergibt sich somit seinem Schicksal und entwickelt dadurch eine eigene Suchterkrankung.

Weitere typische Anzeichen narzisstischen und emotionalen Missbrauchs

  • Streben nach dem Scheinwerferlicht und der Aufmerksamkeit.
  • Wenn nicht selbst im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, dann entweder diskreditieren anderer oder verlassen der Situation.
  • “Ich gegen dich”-Mentalität.
  • “Wie du mir so ich dir”-Vergeltungsmaßnahmen.
  • Bestrafung durch Schweigen – Silent Treatment
  • Extreme Sensibilität bezüglich Kritik.
  • Leere Versprechungen (Future Faking)
  • Liebe ist an Bedingungen geknüpft.
  • Übermäßige Großzügigkeit und Freundlichkeit gegenüber externen Personen.
  • Krankheiten oder Probleme können vorgetäuscht werden, um Aufmerksamkeit/Sympathie zu erlangen.
  • Missbräuchliches verbales Verhalten, wenn verärgert oder unsicher.
  • Missachten und ignorieren von Regeln, Vorschriften, Anstand und Moral.
  • Pathologisches Lügen.
  • Nutzt Auslösen von Schuldgefühlen und Manipulation, um Einfluss zu nehmen.
  • Erwartet, anerkannt und gelobt zu werden.
  • Extreme Abwehrbereitschaft bei Konfrontation.
  • Extremer Mangel an Mitgefühl oder Sensibilität für Probleme von Liebespartnern.
  • Kehrt Vorfälle unter den Teppich.
  • Chronisches Opferverhalten und egozentriert.
  • Großes Misstrauen anderen gegenüber.
  • Tendenz zu übermäßiger und extremer Eifersucht und Besessenheit.
  • Kann Eigentum stehlen, beschädigen oder verstecken, um andere zu sabotieren.
  • Nutzt Rache, Drohungen und Einschüchterung zur Kontrolle.
  • Verwendet übermäßigen Charme und Manipulation zur Kontrolle.
  • Bestraft andere emotional, wenn sie mit Problemen, Verlusten, Trauer oder Herausforderungen zu kämpfen haben.
  • Fühlt sich erhöht und erfüllt, wenn in einer anderen Person Ohnmacht erzeugt wird.
  • Grobes Versagen, sich zu entschuldigen oder ehrliche Reue zu zeigen.
  • Co-Abhängigkeiten, z. B. von Sex, Porno, Drogenmissbrauch.
  • Gaslighting: Fakten werden verdreht und gedreht und Lügen eingefügt, bis Sie an Ihrer mentalen Gesundheit zweifeln.
  • Grenzüberschreitungen trotz NEIN
  • Drama und Intrigen.
  • Hovering: wenn die Gefahr besteht, Sie als Versorger (Energie, Aufmerksamkeit) zu verlieren, kann der Narzisst flehen, betteln, Ihnen die Welt versprechen oder Sie auf irgendeine Weise manipulieren, um Ihre Aufmerksamkeit und Sie wieder in das Leben zu bringen.

Diese aufgezeigten Verhaltensweisen sind auch als Schutzstrategien zu verstehen und im Grunde genommen sinnvoll – zumindest in der Kindheit. Als Erwachsener jedoch könnte man lernen sich anders zu verhalten, wenn man das denn will.