Egoismus und Selbstfürsorge

Der Terminus Egoismus ist in unserer Gesellschaft sehr negativ konnotiert. Klar die Gesellschaft verbindet damit, dass Menschen dabei nur an sich selbst denken. Manch einer würde einen Egoisten auch als einen Narzissten bezeichnen. Aber was heißt das überhaupt, wenn man nur an sich selbst denkt? Ist es manchmal nicht erforderlich NUR oder zumindest ZUERST an sich selbst zu denken bzw. für sich selbst zu sorgen? Was ist der Unterschied zwischen Egoismus und Selbstfürsorge?

Also ich persönlich setze Egoismus und Selbstfürsorge gleich.

Manchmal sind mir auch meine eigenen Bedürfnisse wichtiger. Wenn ich müde bin und schlafen muss, aber meine Freundin noch reden will, dann bitte ich sie das auf morgen zu vertagen. Ja, wenn ich müde bin, ist mir meine Erholung wichtiger. Dann bin ich egoistisch. Aber ich kümmere mich auch um mich. Sonst krieg ich eventuell noch einen Burn Out.

Die Stewardess im Flugzeug sagt, dass man sich zuerst selbst die Sauerstoffmaske aufsetzen muss, bevor man an seinen Nebenmann denkt. Manche Mütter werden jetzt sagen- ich rette zuerst mein Kind. Aber was ist, wenn man sich selbst in Lebensgefahr bringt? Was hat das Kind davon, wenn Mama oder Papa beim Versuch es zu retten, selbst dabei drauf gehen? Dann waren Mama und Papa empathisch und selbstlos, fast schon altruistisch- aber irgendwie auch unüberlegt.

Wichtig erscheint mir ebenfalls zu bedenken, dass man manchmal wirklich NEIN sagen sollte, auch wenn der andere dann enttäuscht ist. Wenn der andere enttäuscht ist, waren es im Übrigen keine Bedürfnisse, sondern Erwartungen. Wenn man Nein sagt könnte man als Egoist bezeichnet werden. Andererseits ist NEIN zu sagen auch ein AKT der Selbstfürsorge, denn ein NEIN zu den anderen, ist ein JA zu sich selbst.

Wir sind schließlich nicht auf der Welt die Erwartungen anderer zu erfüllen.

Manche haben es sicherlich so gelernt. Das ist Prägung. Aber ob das gesund ist? Für mich gehören Egoismus und Selbstfürsorge zusammen.

Man sagt ja auch: “Der Gastgeber bedient sich zuletzt”. Aber wenn der Gastgeber am Ende gar nichts abbekommt, dann hat er sich ganz schön ausnutzen lassen für seine Gastfreundschaft.

Dann denke ich lieber zuerst an mich. Denn ich bin mir wichtig. Das heißt jetzt nicht, dass die anderen mir egal sind. Das heißt nur, dass mir meine Bedürfnisse wichtig sind. Und wenn man das jetzt Egoismus nennt und das negativ konnotiert, dann tut mir das leid.

© Daniel Brodersen