Copingstrategien – die Überlebensmuster des Narzissten

Copingstrategien (engl. to cope, überwinden, bewältigen) oder Bewältigungsstrategien sind psychische Überlebensstrategien zur Bewältigung schwieriger Lebenssituationen, Belastungen und traumatischer Erlebnisse. Der durch die Belastung hervorgerufene Leidensdruck ist zu stark, um die Belastung ohne Bewältigungsstrategie so zu verarbeiten, dass sie keine Belastung mehr darstellen.

Menschen die bereits in ihrer Kindheit Gewalt erfahren haben agieren dagegen ihr Trauma. Sie neigen zum Trauma- Bonding. Das heißt, sie wiederholen bestimmte traumatische Erfahrungen immer wieder. Sie gehen eine Traumabindung ein. Sie neigen dazu, sich Menschen zu suchen, die ihr Trauma bestätigen, gleichzeitig suchen Sie Orte aus oder geraten in Situationen in denen sich das Erlebte immer wieder aufs neue in ihrem Leben verankert.

Auch ein Narzisst wendet gewisse Copingstrategien an um sein Trauma zu bewältigen. Und ebenso der Partner eines Narzissten wendet bestimmte Strategien an um zu überleben.

Generell unterscheidet man zwischen destruktiven und konstruktiven Copingstrategien.

Destruktive Copingstrategien

Zu den destruktiven Copingstrategien zählen Alkohol- und Drogenkonsum und anderes selbstschädigendes Verhalten.

Persönlichkeitsveränderungen, durch die andere Menschen geschädigt werden, wie zB anderen die Schuld für den eigenen Zustand zu geben, das eigene Leid in einer Weise zur Schau tragen , dass es andere Menschen belastet oder die unmittelbare Umgebung durch aggressives Verhalten zu dominieren können ebenso als destruktive Copingstrategien gesehen werden.

Narzisstisches und Co- Abhängiges Verhlten ist ein Muster, was teils angeboren, teils erworben ist, also auch unter gewissen Umständen als Copingstrategie zu sehen ist.

Konstruktive Copingstrategien

Konstruktive Copingstrategien sind unter anderem:

  • sich Hilfe zu suchen in Form von Therapie
  • Meditation
  • das Erlernen von Entspannungstechniken
  • Beschäftigung mit sich selbst und tun was einem gut tut
  • Selbsthilfegruppen
  • verstärkte Hinwendung zu einem Hobby
  • Sport

Auch Religion und die Beschäftigung mit Themen spirituellen Inhalts gehören dazu. Manch einer nutzt sein Trauma sogar dazu um es auch wortwörtlich zu überwinden, in dem man sich selbst über den Berg hebt.

Eine konstruktive Copingstrategie könnte sein, einen Berg zu überwinden.

Copingstrategie Psychoedukation

Nicht selten überwinden Menschen ihre Belastungen dadurch, dass sie Experten auf dem Gebiet des von ihnen erfahrenen Leids werden und so ihrerseits anderen Menschen helfen, belastende Erlebnisse und Lebenssituationen zu bewältigen. Auch im Bereich der narzisstischen Persönlichkeitsstörungen gibt es zahlreiche ehemalige Betroffene, die ihr Wissen und ihre Erfahrungen an andere weiter geben.

So hat sich im Übrigen auch die Narzissmus Selbsthilfe gegründet. Unsere Copingstrategie war also uns mit unserer Geschichte auseinander zu setzen und daraus dann was Gutes zu machen. Wir haben uns einerseits therapeutisch ausbilden lassen um andere professionell zu begleiten, andererseits aber auch unsere Erfahrungen genutzt, dieses Thema publik zu machen.

Im Verlauf eines positiven  Bewältigungsprozesses können sich bei dem Menschen neue Kompetenzen, Fähigkeiten und Eigenschaften ergeben. Das erlittene Leid führt bei positivem Coping zu persönlichem Wachstum und Weiterentwicklung und größerer Widerstandsfähigkeit gegenüber psychischen Belastungen. = Resilienz.

(© Arne Salisch)

Der Frankfurter Psychotherapeut Eckard Roediger sagt dazu Folgendes:

Wesentliche negative emotionale Schemata werden schon in früher Kindheit und Jugend angelegt, wenn die Grundbedürfnisse des Kindes nicht befriedigt werden. Um unangenehme Erlebnisse möglichst zu verhindern und einen Kompromiss zwischen den Grundbedürfnissen und den verinnerlichten Erwartungen der Eltern zu schaffen, entwickeln wir Bewältigungs- bzw. Copingstrategien, die ebenfalls wie die Schemata eingebrannt werden.

Je nach der persönlichen Veranlagung und den Beziehungserfahrungen können diese einen eher unterordnend-erduldenden, einen gefühlsabspaltend-vermeidenden oder einen kämpferisch-überkompensierenden Charakter haben und stellen damit Ausgestaltungen der biologisch angelegten Unterwerfungs‑, Flucht- bzw. Erstarrungs- oder Kampfbereitschaft dar.

Auch die Bewältigungsversuche werden zur Gewohnheit, d. h. bilden Attraktoren und neigen dazu, sich selbst aufrechtzuerhalten. Dadurch besteht die Tendenz, aktuelle Probleme im Erwachsenenleben mit in der Kindheit entwickelten Lösungsstrategien anzugehen, was langfristig zu unbefriedigenden Ergebnissen führen kann. In Momenten der Schemaaktivierung erleben wir wieder wie als Kind, sehen die Welt gewissermaßen mit Kinderaugen und setzen mangels Alternativen die gewohnten Kindheitslösungen ein.

Die Lösungsversuche, die in der Kindheit adäquat und die relativ bestmöglichen waren, nutzen nicht die Möglichkeiten, die wir jetzt als Erwachsene haben. Daher müssen diese Lösungsversuche jetzt bewusst als begrenzend erkannt und verändert werden. Dann können die verinnerlichten Regel hinterfragt und neue, erwachsene Lösungen gefunden werden, die den Grundbedürfnissen besser gerecht werden. Dies ist Aufgabe der Psychotherapie.

(© Dr. Eckart Roediger)