Gemeinsam wachsen statt einsam hassen

Ich hasse Dich, bitte verlass mich nicht ist der Titel eines Buches über Grenzgänger. Verwendet wird aber der englische Begriff „Borderliner“. Würden wir den deutschen Begriff verwenden, würden wir wahrscheinlich erkennen, dass wir alle Grenzgänger sind, sprich sowohl unsere eigenen Grenzen oft nicht wahren (nicht NEIN sagen z.B.) als auch die Grenzen anderer überschreiten (ein NEIN nicht akzeptieren z.B.).

Für mich heißt der Spruch „Ich hasse Dich, bitte verlass mich nicht“ auch, dass ich eine Projektionsfläche brauche, also einen Blitzableiter, jemanden, den ich für meinen Hass auf mein Selbst verantwortlich machen kann. Dass dieser dann irgendwann von alleine geht ist selbsterklärend, aber gerade das wollen wir doch nicht, denn sonst hätten wir ja keinen mehr auf den wir unseren Selbsthass projizieren können.

Aber der Reihe nach…- und bevor Sie sich jetzt gleich angegriffen oder stigmatisiert fühlen, setze ich gleich mal eine „achtsame“ Triggerwarnung.

Bitte passen Sie auf sich auf. Seien sie achtsam mit sich und mit dem Text, denn es könnte passieren, dass das, was ich jetzt schreibe, Schmerzen bei Ihnen verursacht. Es könnte sie Triggern.

Der Mensch ist alles. Er hat auch alles in sich. Er ist also sowohl ein Narzisst, ein Borderliner, ein Co-Abhängiger, ein Masochist, ein lieber Mensch, ein großes Arschloch, selbstsicher, selbstunsicher und er ist wenn wir mal von der ICD- 10 weggehen auch ein Flüchtling oder Geflüchteter, zumindest solange er noch unbewusst ist.

Wenn er sich über all diese Anteile bewusst ist und erkennt, dass er diese Anteile lediglich anzunehmen brauch, dann wird er erkennen, dass er zum einen weder sich noch andere hassen oder bekämpfen muss, zum anderen aber erkennen, dass er ein Mensch ist, der voller Liebe ist. Diese Liebe kann er sich selbst geben, in seinen Glauben zu Gott stecken oder in einer Partnerschaft einem anderen Menschen schenken.

Wer sich bewusst wird oder gar schon ist, wird seine wahre Bestimmung erkennen. Die Bestimmung liegt über dem, was unsere Vorfahren die Neanderthaler am besten konnten. Sie konnten so dachten sie, am besten töten, also die Beute jagen, das Opfer erledigen um dann zu überleben. Und die Neanderthalerinnen dachten sie könnten erziehen und für den Haushalt sorgen und die Familie unterhalten.

Was sie aber auch konnten, was sie auch taten, aber wohl eher unbewusst, war, dass sie sich vermehrten. Sie paarten sich. Sie schenkten sich Liebe und damit anderen ein neues Leben. Sie sicherten damit den Fortbestand von Leben. Sie ließen andere neben sich erwachen und wachsen. Sie sorgten für sich und andere. Sie erschufen Räume. Sie lebten unsere Träume – von ewiger Verbundenheit und Liebe.

Erkenne dass DU Liebe bist, dann musst du auch nicht mehr kämpfen. Du kannst anderen etwas gönnen. Du kannst geben und selbst dabei reich werden. Du bist größer als du denkst. Du kannst anderen Menschen Raum geben und sie (auf)wachsen sehen und dabei selbst von profitieren ohne dich deswegen klein zu fühlen, während du die anderen auf ein Podest setzt.

Du kannst du selbst sein und die anderen sie selbst sein lassen. Du kannst deine Erwartungen wie jemand oder etwas zu sein hat loslassen, statt sie auf andere zu projizieren und daran zu verzweifeln, dass nichts passiert außer eine Enttäuschung, die du hast, weil der andere nicht getan hat, was du wolltest.

Du kannst natürlich auch das Opfer sein und von allen Menschen Anerkennung und Wertschätzung fordern, die du selbst weder dir noch anderen entgegen bringen kannst. Kannst du alles machen.

Du kannst mehr als du denkst.

Auch wenn ich kitschigen Texten in Illustrierten wenig abgewinnen kann, eins muss ich diesen Texten wirklich lassen. „Liebe macht wirklich vieles leichter“.

Am Anfang war das Leben. So steht es in der Bibel. Im wahren Leben also beginnt unser Leben mit der Liebe zweier Menschen die sich lieben und aus diesem Grund vermehren wollen. Sie entschieden sich aus Liebe fürs Leben. Diese Entscheidung ist Liebe in seiner Reinform.

Diese Liebe ist uns tief in unser Unterbewusstsein eingepflanzt. Durch alles was danach kommt wird diese Liebe zu uns selbst und zu anderen Menschen, leider oft überlagert mit Erb- und Strandgut, bestehend aus nützlichen und nicht nützlichen Erfahrungen und damit verbundenem Wissen, was unsere Lebenswirklichkeit am Ende ausmacht.

Liebe ist also in Wahrheit Reinheit, Verbundenheit entstanden aus einer großen Zugewandtheit zweier Lebewesen.

© Daniel Brodersen