Im Gespräch mit einem „Narzissten“

Wie Kommunikation mit „Narzissten“ auf keinen Fall funktioniert

Menschen reagieren auf Trigger immer auf gleiche Weise: entweder ziehen sie sich zurück und liefern keine Lösungsbeiträge mehr oder sie sprechen nicht mehr über sich selbst, sondern reagieren auf die negative Wirkung des Gesagten (Widerstand, Trotz, Rechtfertigung etc.).

Auch die Du- Du Pistole ist schnell geladen. Gerade im Kontext mit narzisstisch strukturierten Menschen finden schnell solche Kriegsspiele statt, wo außenstehende Menschen nicht sofort erkennen können, wer jetzt Opfer oder Täter ist.

Wenn ein Narzisst mitten im Gespräch gekränkt ist, was man anhand seiner Reaktion bemerkt, ist es wichtig dies ernst zu nehmen. Denn ein Narzisst ist auch ein Mensch und Menschen reagieren auf Trigger ähnlich. Sie sind verletzt, beschämt oder erleiden schlimmstenfalls eine Panikattacke. Dann herrscht die Angst zu sterben über das Leben, der Kampf um Leben und Tod hat begonnen. In diesem Falle greifen die Überlebensmechanismen „Flucht“, „Erstarren“ oder „Kampf bzw. Angriff“. Den Überlebenskampf bezeichnen einige Experten fälschlicherweise auch als narzisstische Wut.

Wut ist eine logische Folge von Ohnmacht oder Hilflosigkeit. Denn um aus der Ohnmacht heraus zu kommen, ermächtigen sich Menschen diverser Mittel, auch weil sie diese extremen Gefühle / Empfindungen nicht aushalten können.

Im Falle der Kommunikation werden die Trigger auch „Kommunikationssperren“ genannt, welche von Thomas Gordon einem Schüler von Carl Rogers heraus gearbeitet.

Bitte versuchen Sie in Gesprächen folgende Kommunikationssperren zu vermeiden und sie werden weniger leiden:

1. Befehlen, anordnen, kommandieren, „Du solltest“
2. Warnen, ermahnen
3. Moralisieren, predigen
4. Beschimpfen, beschämen
5. Verurteilen, beschuldigen
6. Einwenden, widersprechen, belehren
7. Zustimmen, unterstützen, loben
8. Analysieren, interpretieren
9. Beruhigen, trösten
10. Ignorieren, ablenken, sich zurückziehen, unterbrechen
11. Befragen, ausforschen
12. Ratschlage erteilen, Lösungen vorgeben

Versuchen Sie es in jedem Falle mit empathischen/aktiven Zuhören. Dann ist die Gefahr jemanden zu verletzen/ triggern am Geringsten. Dann werden Sie auch nicht verletzt. Ein beliebter Satz ist „Bitte triggere nicht meine Trigger“. Und bitte erwarten Sie nicht, dass ihr Gegenüber diese Regeln kennt. Sie haben diese jetzt dankenswerterweise (ja klopfen sie sich gern auf ihre Schulter) erfahren. Seien sie sich ihrer Verantwortung stets bewusst- dann haben Sie auch keinen Frust, sondern möglicherweise Lust sich mit einem „Narzissten“ zu unterhalten.

Alternativ haben Sie die Möglichkeit sich vor jedem stattfindenden Gespräch folgende Fragen zu stellen:

– Wie erlebe ich die Situation?
– Wie sind meine Gefühle und Bedürfnisse bezüglich der Situation?
– Wie fühle ich mich jetzt gerade?
– Was davon möchte ich wie mitteilen?

– Wie kann ich ein für beide Seiten positives Klima schaffen?
– Was brauche ich, damit ich mich wohl fühle?
– Was kann ich meinem Gegenüber geben, damit er sich wohl fühlt?
– Wie sieht der andere die Situation?
– Wie kann ich das Gespräch positiv anfangen und positiv abschließen?

BITTE versucht nicht alles was der Narzisst sagt zu bewerten. Ja manchmal bewertet er oder urteilt über andere. Es muss euch nicht gefallen. Aber ihn auf seine Fehler aufmerksam zu machen ist nicht immer hilfreich. Er will akzeptiert werden, wie er ist. Da er das nicht kann, braucht er gute Vorbilder, die ihm das vormachen. Dies gelingt aber nicht, wenn man ihn stets auf seine Mängel und Fehler aufmerksam macht. Oft sind seine Werturteile einfach nur eigene Meinungen. Es ist nicht seine Absicht andere zu verletzen. Leider reagieren Menschen, wenn sie verletzt sind allesamt gleich: nämlich narzisstisch 😉

Daniel Brodersen