Dein Spiegel der Narzisst

Menschen die mit einem „Narzissten“ zusammen sind oder waren, fragen sich, wann dieses perfide Spiel endlich aufhört oder wann der Narzisst endlich die Maske fallen lässt und sich endlich helfen lässt. Diese Frage aber sollten sich die Fragesteller selber stellen. Ulrike W. hat sich dieser Frage gestellt und eine Antwort gefunden. Uns hat diese sehr gut gefallen, so dass wir diese hier teilen möchten.

Das „Spiel des Narzissten“ ist kein Spiel. Jedenfalls nicht in dem Sinne wie du es vielleicht aufgefasst hast und ich möchte dir meine Perspektive schildern. Du musst dieser nicht zustimmen, doch schildern möchte ich sie dir. Stelle es dir bitte so vor:

Während des sogenannten „Spiels“ befindest du dich in DEINEM ganz persönlichen Escape Room.
 
Du standest eines Tages plötzlich vor dessen Türe und deren Antlitz zog dich magisch an. Du hast nur sanft die Türklinke berührt und einladend schwang sich die Türe für dich auf. Dahinter eröffnete sich dir ein Raum, den du anfangs voller Spannung, Staunen und freudiger Erwartung betreten hast, denn – so wusstest und spürstest du -, hier wartet etwas ganz Besonderes auf dich. Ein unvergleichliches und berauschendes Abenteuer begann, welches alles Bisherige mit seinem spektakulären Glanz bedeckte, und alles Vorherige nichtig erschienen ließ. Unbedeutend und klein. Voller Enthusiasmus oder zaghaft hast du deine Schritte in diesem Raum gesetzt und dann verschloß sich dessen Türe. Doch das hast du nicht bemerkt, denn dein Escape Room zog all deine Blicke auf sich. Es strömte dir etwas Magisches entgegen.
 
Seine Einrichtung und jedes Detail waren maßgeschneidert. Maßgeschneidert für dich. Vielleicht liebst du üppige goldene Stoffe, dann waren seine Fenster mit ihnen behangen. Vielleicht liebst du hübsche Blumen. Sie trohnten mittig und in schillernden Farben auf einem Tisch. Vielleicht magst du den Anblick beruhigender Aquarien. Dort drüben stand eines mit bunten fluoreszierenden Fischen. Oder du erfreust dich an impressionistischen Bildern. Sie prangten an seinen Wänden und du hast all diese schönen Dinge – ich könnte dir tausende aufzählen – betrachtet und fühltest dich genau HIER angekommen. Welch Glück, dass du diesen Raum betreten und welch Ironie, dass du ihn so zufällig gefunden hast.
 
Zufällig? Auf spiritueller Ebene sagt man: Zufälle gibt es nicht. Es fällt dir zu was fällig war. Auf psychologischer Ebene sagt man: Der reale Erwachsene durchlebt die Traumata des damaligen realen Kindes erneut, da er sie bewältigen möchte. Hierzu werden (immer wieder) ähnlich destruktive Partner (unbewusst) gewählt.
 
Es war kein Zufall. Es war fällig, dass du dich ihn diesem Raum, in deinem persönlichen Escape Room, wiedergefunden hast und es war großartig hier. Das Paradies. Warm und vollkommen. Ein Füllhorn mit Tilgung all deiner Wünsche, Begierden und Sehnsüchte schüttete sich vor dir aus. Du hast eine Zeit lang die Schönheit dieses Raumes und vor allem die Gnade, dass du ihn überhaupt betreten durftest, genossen.
 
Doch dann geschieht etwas Eigenartiges. Ein ungutes Gefühl steigt in dir auf und du bemerkst: Du bist hier ganz alleine. Hier ist niemand außer dir und du bemerkst auch, dass die Temperatur merklich abgefallen ist, denn es wird spürbar kühl. Die Vase mit den prächtigen Blumen…. eine Attrappe. Die goldenen Vorhänge…. ein rauer verwaschener Leinenstoff. Das Auquarium? Ein staubiges Terrarium in dem eine Vogelspinne verharrt. Und die schönen Bilder an den Wänden? Hässliche expressionistische Fratzen lachen dir hämisch entgegen.
 
Deine Stimmung ändert sich. Was ist passiert? Alles fühlt sich anders an. Abstrakt und unangenehm. Skuril ist es hier und nein – gar nicht mehr schön. Und bleiben möchtest du auch nicht mehr. Also kehrt marsch und zurück zur Türe!

Sie ist verschlossen. Du rüttelst und ziehst an der Türklinke, doch diese Tür bewegt sich keinen Millimeter. Du läufst zu den Fenstern und reißt den Leinenstoff hinunter, doch dahinter verbergen sich keine Fenster. Nichts in diesem Raum existiert und nichts, wonach du greifen möchtest, kannst du greifen. Alles ist starr und scheint „nur zu sein“. Sämtliche Schönheit zerbröselt in deinen Händen. Löst sich auf. Panik breitet sich aus und du beginnst zu suchen. Hier muss man doch irgendwie wieder rauskommen. Es muss irgendwo einen Anhaltspunkt geben, aber nein – dieser Raum ist ein einziges erdrückendes Rätsel. Dir werden hier und da ein paar Botschaften zugespielt. Ein paar flüchtige Worte wie ProjektionDanger toxic! oder Finde deinen Glaubenssatz!
 
Projekwas?!? Was zum Teufel ist das? Was sollst du damit anfangen und was für einen Satz sollst du finden? „Danger“ ?!? OMG das klingt nicht gut und wie passt das alles zusammen?!?
 
Du verzweifelst. Wut, Hunger, Durst, Angst und Schwäche breiten sich in dir aus und das Licht in diesem Raum wird immer dunkler. Was einst einladend, leuchtend, wunderschön und wie für dich geschaffen war, entpuppt sich als ein unlösbares Rätsel, katapultiert dich in eine grausame, finstere, hässliche, dem Gefrierpunkt naheliegende Realität und hält dich dort gefangen.
 
Nein – hier wolltest du niemals sein und du möchtest jetzt hier raus. Du durchwühlst alle Schubladen, suchst in jeder Ecke, drehst jeden Stein herum, doch eine Lösung zum Entkommen findest du nicht. Die Fratzen an den Wänden lachen vehement und die Vogelspinne frohlockt. Du sitzst hier fest und deine Kräfte minimieren sich mit jedem Tag, den du hier verbringst. Ganz sicher… jemand hat dich absichtlich hier eingesperrt. Wer fällt dir da als erstes ein? Dieser jemand hilft dir nicht und du klagst ihn an. Jammerst, winselst, fluchst, wütest in diesem Raum und doch scheint keiner deiner Rufe wirksam zu sein.
 
Jetzt hast du zwei Möglichkeiten.
 

 1. Du ergibst dich deinem Schicksal als Opfer dieser düsteren Gefangenschaft in diesem „Spiel“. Schlägst wütend alles Mobiliar kurz und klein oder kauerst in Embryonalstellung in irgendeiner Ecke dieser Dunkelheit.
 
 2. Du reißt dich zusammen und ziehst dich (r)aus.
 
Du sollst dich (r)ausziehen?
Ja! Reiß dir all deine Klamotten vom Leib, schüttel sie ordentlich aus und durchsuche sämtliche Taschen deiner Kleider! Fasse in jede Tasche und drehe die Kleider allesamt auf links, denn….
 
…. den verfluchten Schlüssel für diese elende Tür trägst du irgendwo bei DIR. Vielleicht ist er im Saum eines Hosenbeines eingenäht oder weiß der Geier in welchem Versteck er sich befindet. Jedenfalls hast DU den Schlüssel mit dem du die Tür öffnen und dich befreien kannst und niemand anderes.
 
Das „Spiel“ kann durch den Narzissten nicht gestoppt werden, denn er hat es nicht „erschaffen“. Er hat dich lediglich zur Türe dieses Raumes geführt, doch hineingegangen bist du selbst. Erinnere dich daran was dir in diesem Raum so sehr gefallen hat! Was genau hatte diesen Sog auf dich ausgeübt, der dich dazu veranlasste, deine Schritte hier hinein zu setzen? Dich zum Verweilen veranlasste als es deutlich kühler wurde? Und erinnere dich wie du dich gefühlt hast, als die Attrappen allesamt zusammengebrochen sind! Fühltest du dich verlassen? Needy? Hilflos? Verarscht?
 
Dein Narzisst hat dich zu dir geführt und du musst das Rätsel selber lösen, denn dein Escape Room ist ein raffiniertes Gesamtkonstrukt. Akkurat und in architektonischer Meisterleistung erbaut durch deine Eltern, vergangene Beziehungen, Prägungen, Verletzungen und Erfahrungen deiner Vergangenheit. Deine Vergangenheit hat dir den Schlüssel jedoch schon längst in die Hosentasche gesteckt und du suchst an der falschen Stelle, wenn du im Außen nach ihm suchst. Dir wird mit kleinen Hinweisen und Botschaften auf die Sprünge geholfen, doch du hast dich zu weit verirrt und ich gebe zu, dass die Hinweise äußerst knifflig sind. Du kannst nicht deuten was dort vor sich geht, weil du keinen Zugang zu dir hast. Keinen Zugang zu den Spielregeln die in deinem Unterbewusstsein ablaufen. Schau nach innen, suche dort nach Hinweisen und füge Puzzleteile um Puzzleteil Stück für Stück zusammen! Mach dich dafür komplett nackig, lege alles ab, was du mit und bei dir trägst und dann wird dir der Schlüssel direkt vor deine Füße fallen! Du darfst ihn dann aufheben, die Türe öffnen und diesen Raum wieder verlassen. Dazu bedarf es nicht deinen Narzissten, denn er hatte dir lediglich die Türe gezeigt. Mit deinem Escape Room hat er nichts zu tun, denn dieser ist deine auferstandene Vergangenheit. Er ist dein Inneres welches im Außen eine Form bekommen hat. Sichtbar geworden ist.
 
DU hast den Schlüssel für seine Tür, denn du BIST der Schlüssel. Du musst und kannst das Spiel beenden, das Rätsel lösen und den Ausweg finden, denn…
 
 … DIE ANTWORT BIST DU. Der Narzisst spiegelt dich (nur). Er besitzt nicht die Macht und Kontrolle ein Spiel mit dir zu spielen. Du gibst sie ihm. Natürlich bedient er sich manipulativer Verhaltensweisen (was im Grunde genommen jeder Mensch hin und wieder tut), aber wenn du das erkannt hast, dann kannst du dich dessen entziehen indem du für deine Spielregeln einstehst.

Halte deine Spielfläche stets sauber und deine Spielregeln aufrecht! Du hast in jedem Spiel immer die Regie und wenn nicht, dann bist die Antwort dafür immer du.

Ulrike W.