Hey Du! Bist du schon wach?

Aufklärung ist alles, aber vielleicht sind wir schon aufgeklärt, wäre doch möglich oder? Wie wirklich ist (deine/meine) Wirklichkeit? Für mich ist meine Wirklichkeit wahr. Es ist aber auch möglich, dass du eine andere Wirklichkeit hast. Und wer hat nun Recht?

Ich würde sagen- wir beide!

Warum?

Nun- alles darf sein. Es gibt für mich kein entweder- oder, sondern für mich gibt es immer ein sowohl als auch. Es kann so sein oder so oder ganz anders. Es geht also gar nicht darum, wer jetzt recht hat. Für mich geht es darum, ob sich etwas gut anfühlt. Und worum geht es dir?

Du denkst ich schlafe? Ich sei in meiner Wahrnehmung verzerrt? Du glaubst ich hab keine Ahnung? Okay- da kannst du sogar Recht haben. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich nichts weiß. Allerdings empfinde ich so. Das heißt ich fühle es. Und was sich gut anfühlt ist für mich wahr. Und dann ist es auch irrelevant für mich ob du denkst, ob ich schlafe.

Ich bin auch der Meinung, dass der Mensch keine Maske trägt. Ich bin mir sogar sehr sicher, dass es so ist. Ich weiß, dass Menschen vielseitig sind. Ich weiß, dass Menschen verschiedene Anteile haben. Sie haben unterschiedliche Gefühle. Unterschiedliche Wahrnehmungen. Sie sind sich vielleicht mal einig, aber ob das aus den gleichen Gründen der Fall ist, das weiß ich nicht. Ich gehe aber mal davon aus, dass sie ja/nein gesagt haben, weil es sich gut anfühlt.

Klingt paranoid oder? Narzisstisch? Verlogen?

Deine Gedanken! Was haben die mit mir zu tun? Könnte es auch anders sein? Weißt du ganz genau, dass das, was du gerade denkst wahr ist? Hast du Beweise? Also kannst du beweisen, dass du recht hast und ich eine verzerrte Wahrnehmung habe?

In deinen Augen mag ich paranoid sein oder gar ein Narzisst. Ui.. toll.. und du kannst sagen, dass du mich so gut kennst, dass du das einfach so behaupten kannst. Hmm.. kann ich das auch? Ich könnte. Aber was nützt mir das, so zu denken? Was habe ich davon?

NICHTS!

Besser gehen tut es mir jedenfalls nicht, wenn ich denke, dass du dieses oder jenes bist. Dann nehme ich dich lieber wie Du bist. Du bist ein Mensch. Und wenn es mir nicht gut geht damit, kann ich ja etwas tun dafür, dass es mir besser geht. Zur Not gehe ich eben. Ich käme aber nie auf die Idee andere vor dir zu warnen. Es ist ja möglich, dass wir einfach nur nicht zusammen passen und DU mit anderen Menschen besser zurecht kommst. Was ich davon halte oder nicht, spielt keine Rolle. Ich lass dich einfach so wie du bist. Und ich bleibe so wie ich bin.

Menschen machen nun mal unterschiedliche Erfahrungen. Und jeder nimmt es anders wahr. Das Glas kann halb leer sein oder halb voll. Wer hat nun Recht? Ich würde sagen beide. Es kommt auf die Perspektive an, den Standpunkt, das eigene Bewertungssystem.

Was nützt es mir zu denken, dass der andere recht hat und ich nicht? Was nützt es mir zu denken, dass ich recht habe und der andere nicht? Gibt mir das Befriedigung? Gibt mir das Sicherheit? Und wie lange hält das Gefühl an? Hast du dir selber schon mal diese Fragen gestellt? Oder hältst du lieber an der Rolle fest, die du dir und anderen zugeschrieben hast? Und was nützt dir das?

Wäre es möglich, dass wir alle anders sind, also anders auf eine eigene Art und Weise? Kann es sein, dass wir gar nicht wissen, warum der andere etwas tut und wir nur denken, dass es was mit uns zu tun hat?

Wenn das der Fall ist, also jeder aus eigenen individuellen Geschichte heraus handelt, und wir das akzeptieren- dann brauchen wir keine Opfer- Täter oder sonstwas- Rollen- Beschreibungen mehr, denke ich. Dann hätten wir Frieden. Dann müssten wir uns auch nicht mehr berufen fühlen in Schubladen zu denken. Dann könnten wir alle nebeneinander her leben. Dann müssten wir auch niemanden mehr aufwecken, sondern könnten ihn so nehmen wie er ist und danach entscheiden ob es uns gut geht damit oder eben nicht.

Und dann muss auch keiner mehr auf die Frage antworten: HEY DU- Bist du schon wach!!!

1 Kommentar

    • Metanoeite auf Januar 13, 2020 bei 4:32 am

    „Dann könnten wir alle nebeneinander her leben“

    Wow. Das ist bemerkenswert als Schlussfolgerung. Ich hätte es beinahe überlesen. Ist diese Formulierung ein Versehen, eine Unachtsamkeit, ein unbedachter Wunsch? Nebeneinander her leben. Jeder lebt für sich…allein.

    Was geht mich der andere an.

    Dieses Gefühl kommt mir beim lesen dieser Worte. Worte sind Gefühle, glaub ich. Und sobald mein Verstand mal nicht aufpasst, welche Worte ich wähle, haut mein Gefühl genau solche Botschaften raus… Freud nennt das einen Versprecher, der seinen Namen trägt.

    Mir gruselt es vor diesem Satz. Denn so erlebe ich Gesellschaft jeden Tag. Nebeneinander her leben. Nicht etwa gemeinsam oder miteinander, nein. Nebeneinander her. Das Beschreibt tatsächlich mein Gefühl von der Zeit, in der wir leben.

    Wir haben alle Träume, Sehnsüchte, Ängste und Sorgen, oder? Aber anstatt uns gegenseitig zu helfen, uns zu unterstützen, uns vor allem für den anderen zu interessieren und den den Anderen als Mensch zu erkennen, der eben die gleichen Gefühle hat wie jeder von uns, leben wir einfach nur nebeneinander her.

    Danke für diesen Satz.

    Ich hab das Gefühl, er beschreibt gewollt oder ungewollt exakt das Dilemma unserer Zeit.

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