Der Narzisst und das Mitgefühl- von Lukas Keller

Mal ganz davon abgesehen dass ich inzwischen von der NPS-Diagnose, gerade wenn die nicht von Fachleuten kommt, nicht mehr viel halte und der ewig gleichen undifferenzierten Stigmatisierung und Schematisierung in diversen Foren müde bin:

Ein Mensch mit NPS kann sehr gut über Gefühle sprechen. Die eigenen sind möglicherweise etwas abgeflacht, nicht so wichtig und drângend wie bei Menschen ohne NPS. Mir waren meine Gefühle und die anderer lange gleichgültig, auch wenn ich für beides eine Wahrnehmung hatte und habe.

Es ist Bullshit dass Menschen mit NPS kein Mitgefühl haben.

Es ist einfach eine Option für uns. Gefühl an, Gefühl aus. Wir nehmen das alles einfach nicht sehr ernst. Wir nehmen ja ohnehin nicht sehr viel ernst. (Oops, das ist jetzt sehr verallgemeinert ausgesprochen- aber so sehe ich das)

Trotzdem: wenn es meinem Hund schlecht geht kriege ich Panik. Wenn ich sehe in was für einem Zustand diese Welt ist, das so viele Menschen leiden, macht mich das traurig.

Es kann aber sein dass ich gerade das Leid der Menschen die mir nahe sind nicht ernst genug nehme, weil ich es einfach nicht so verstehe, nicht so fühle wie andere. Weil ich es nicht kenne. Ich glaube so um 90 Prozent dessen was normale Menschen bewegt mache ich mir einfach gar keine Gedanken. Naja, ich versuche es, aber es ist mühsam.

Und klar, verletzlich zu sein ist schwierig…aber es lohnt sich sich zu öffnen. Man kann auch nicht offen für Liebe, Freude oder Glück sein ohne dabei verletzlich zu werden.

Öffnet ein Mensch mit NPS sich für Gefühle kommt erst mal sehr viel Schmerz, Wut, Trauer, Scham und sowas hoch…das muss man aus-und durchhalten. Das ist schwer. Noch ein bisschen schwerer für grandiose Narzissten, schwach sein versetzt uns in Todesangst. Ehrlich. Ist schlimmer als in die Mündung einer Waffe zu blicken und zu denken: OK, das war es jetzt. Ein normaler Mensch hätte da Angst. Ich nicht. Aber zeigen oder sagen wenn es mir schlecht geht? Oh Nein! Geht gar nicht!

Ich bin sehr froh darüber dass ich das inzwischen kann und Menschen um mich habe, die mir die Angst bei jedem Gespräch ein bisschen mehr nehmen. Und genau da wo die Angst ist, da ist immer der Punkt, wo es sich hinzusehen lohnt.

Und der Austausch hier und außerhalb vom Internet, auch über die schlechten Gefühle, die persönlichen Schwächen, hat so viel geheilt in mir. Niemand von uns soll allein mit seinem Leid bleiben.

Ich glaube in jedem meiner Texte steckt in fast jedem Satz mehr Gefühl als in den vielen „der böse Narzisst“ Beiträgen der Möchtegern-Empathen die sich hier selbstdiagnostiziert tummeln, sowie sie ihre vermeintlichen Narzissten wohl auch zum Großteil selbst diagnostiziert haben. Ohne von beidem wirklich etwas verstanden zu haben. (Kann sein, dass das nicht auf jeden zutrifft, der diesen Blogbeitrag liest)

Man versteht beides nämlich nur wenn man offen über Gefühle spricht, auch da wo es weh tut, auch da wo man nicht „im Recht“ ist. Auch und gerade da wo man sich schwach oder vielleicht sogar hilflos zeigt.

Dann versteht man irgendwann auch dass diese Labels alle nur unfrei machen. Den Labler und den Gelabelten. Ich weiß, ganz schlechtes Deutsch. Fällt mir gerade nicht besser ein.

Und irgendwann hat man dann einfach keinen Grund mehr darüber zu lesen und zu schreiben warum „der Narzisst“ dieses oder jenes tut und warum „der Empath“ das alles mitmacht. Und und und….

So, da habt ihr eure Antwort vom Narzissten. Feuer frei!

Lukas Keller