Manipuliert- weil ich es geglaubt habe

Wenn ich mich von einem Narzissten manipuliert fühle (im negativen Sinne), dann finde ich darf ich da mal bei mir hinschauen, warum sich das für mich so anfühlt.

Wenn ich etwas glaube oder etwas geglaubt habe, ohne es hinterfragt zu haben und am Ende dann heraus finde, dass es nicht wahr war, dann trage ich ohne Zweifel eine gehörige Mitverantwortung daran. Da kann der andere noch so perfide unterwegs gewesen sein. Ich habe ihm schließlich geglaubt, weil es sich in dem Moment richtig anfühlte. Vielleicht war ich auch begeistert vom Überzeugungseifer meines Gegenübers und wollte es einfach Glauben- eben weil ich seine Überzeugung teilte.

Herz schlägt Kopf.

Und wer weiß- vielleicht wusste es mein Narzisst ja auch nicht besser und hat es mir deswegen erzählt. Vielleicht hat er das ja als Kind so gelernt. Und vielleicht wussten es die Eltern von meinem Narzissten genauso wenig. Ich dachte ja auch zuerst, dass das, was er mir erzählt hat, richtig sei.

Jedes Symptom hat eine Funktion. Manchmal ist es sogar die Lösung.

Man weiß heute aus der Bindungsforschung, dass Kinder mit uns kooperieren wollen. Immer. Und dass, wenn sie es einmal nicht tun, es dafür Gründe gibt: Entweder, das Kind ist überfordert (zum Beispiel, weil es am Tag schon so viel kooperiert hat) oder es wurde in seiner Integrität verletzt, das heißt, seine eigene Grenze wurde nicht gewahrt.
Dann steigt das Kind aus der Kooperation aus. Sonst nicht. Es würde auch keinen Sinn machen für das Kind, denn es ist ja von uns abhängig.

Kinder tun immer etwas FÜR SICH, nicht gegen uns. Und wenn ein Kind 80 Euro bekommt, damit es sich impfen lässt, oder Scheiben abschleckt, um etwas zu bekommen … Sollte man sich dann nicht erstmal fragen, warum das Kind zu solchen „Maßnahmen“ greifen muss? Wie sieht die Beziehung zum Kind aus, dass es sich nur so zu helfen weiß?

Und wie sieht die Beziehung von mir zu meinem eigenen inneren Kind aus? Weiß ich was ich brauche? Weiß ich was mir gut tut? Weiß ich warum ich manchmal tue, was ich tue?

Statt also beim Narzissten das Verhalten gleich zu bewerten, könnte Ich ja auch mal hinterfragen, was es mit mir zu tun hat. Es könnte ja sein, dass der Mensch es tut, weil er es tut- also für sich und nicht wegen mir, also auch nicht gegen mich, auch wenn ich das so gern auf mich beziehen möchte und mir damit Schuhe anziehe, die mir gar nicht passen.

Ich glaube nicht an manipulierende Kinder. Ich glaube an Kinder, die manchmal nicht anders können, weil sie nicht gesehen wurden. Und/oder weil sie von ihren Gefühlen überrollt werden. Ja, auch große Kinder, das heißt also auch Erwachsene, möglicherweise sind es Narzissten, vielleicht sind es aber auch einfach nur Menschen mit einem verletzten inneren Kind.

Und deshalb bin ich überzeugt davon, und zwar wirklich felsenfest überzeugt davon, dass KEIN Kind (Mensch) jemanden absichtlich manipuliert, sondern einfach nur das tut, was es tut, um seine Bedürfnisse zu befriedigen. Und ich kann ja auch NEIN sagen, oder?

Und im Grunde genommen tun wir das doch alle irgendwie. Wir alle wollen geliebt werden, eine gute Beziehung mit uns selbst und anderen führen. Und vielleicht hatten wir einfach nur keine guten Vorbilder, die selber keine guten Vorbilder hatten. Das wäre doch möglich. Und wenn Ich das jetzt erkenne, kann ich ja für eine Veränderung sorgen, also bei mir selbst- statt im Außen beim Gegenüber. Denn die Erkenntnis kommt von Innen.

Für mein schlechtes Gewissen jedenfalls ist keiner verantwortlich, außer ich selbst. Wenn ich es in mir wahrnehme, dass es sich schlecht anfühlt, dann darf ich bei mir schauen, warum. Und ich darf sogar sagen, was ich fühle. Ich darf auch über meine Bedürfnisse sprechen, selbst wenn ich das als Kind nicht gelernt habe oder es mir verboten wurde und wer weiß… vielleicht sagt mein Gegenüber JA, weil es sich für ihn gut anfühlt, mir dabei zu helfen mir dieses Bedürfnis zu erfüllen.

In Zusammenarbeit mit Julia Juchmes