Was tun, wenn „No Contact“ nicht möglich ist?

von Arne Salisch

Es kann viele Situationen im Laufe der Auflösung einer toxischen oder narzisstisch geprägten Beziehung geben, in denen die Partner immer wieder Kontakt haben müssen. Beispielsweise dadurch, dass sie gemeinsame Kinder haben oder noch zusammenwohnen müssen, weil ein Teil noch nicht ausziehen konnte. Sei es, weil keine Wohnung gefunden wurde, oder die finanzielle Situation so ist, dass eine sofortige Trennung nicht möglich ist

In diesen Fällen ist die Einhaltung der „No Contact“ Regel schwierig. Sie kann sogar kontraproduktiv sein und zu noch mehr aufgestauten Emotionen, Missverständnissen und Projektionen eines Partners führen. Dadurch kann sich die Situation verschlimmern, anstatt sie erträglicher zu werden.

Wie sollte sich das „Opfer“, der offensichtlich passive Teil der Beziehung nun verhalten, um die immer wieder notwendigen Begegnungen mit dem aktiv narzisstischen Teil so konfliktfrei wie möglich zu gestalten?

Um Verletzungen, psychische, emotionale und eventuell sogar körperliche Gewalt zu vermeiden, ist es wichtig, dass die Kommunikation während der notwendigen Begegnungen so sachlich wie möglich sind, und auf ein Minimum reduziert wird. Emotionen, ob positiv oder negativ, sollten vermieden werden, um nicht in beiden (ehemaligen) Partnern alte Reaktionsmuster zu aktivieren, die zu einem Wiedererleben bereits vergangener Situationen führen und alte Konflikte, die nicht bewältigt wurden, wieder präsent zu machen.

Jegliche Auseinandersetzungen über Vergangene, Schuldzuweisungen und Vorwürfe, sollten vermieden werden.

Um diese Situationen zu bestehen, wird häufig die sogenannte „Grey Rock“ (grauer Stein) Technik angewendet.

Du stellst Dir während der Kommunikation und der Begegnung vor, Du selbst bist wie ein grauer Felsen aus Granit. Diese Vorstellung muss so bildhaft wie möglich geschehen. Das hat zur Folge, dass jede verbale Äußerung emotionslos geschieht. Nüchtern und kalt.

Das bedeutet auch, dass Du Dir erlaubst, keinerlei Energie mehr in eine sinnlose Beziehung zu stecken. Du realisierst, dass Du Ihn/Sie nicht ändern kannst. Du hast eingesehen, dass es kein Zurück mehr gibt und nichts mehr so wird wie früher. Dein ehemaliger Partner wird sich nicht ändern, auch wenn er vielleicht die Begegnungen mit Dir dazu nutzen will, Dich davon zu überzeugen. Das liegt nicht daran, dass er oder sie schlecht“ ist, es ist in der Konstellation der Beziehung einfach nicht mehr möglich, dass sich einer so ändert, dass die Beziehung wieder besser wird. Und diese Absicht würde ja einer tieferen Auseinandersetzung zugrunde liegen.  Also tust Du Dir und ihm/ihr einen großen Gefallen, wenn Du in den Begegnungen sachlich und kurz bleibst. Du vermeidest dadurch unnötigen Schmerz auf beiden Seiten.

Es ist schwer, dieses lange aufrecht zu erhalten. Aber Du solltest Dich auch später, wenn ihr nicht mehr zusammenwohnt, aber noch wegen anderer Sachen schriftlichen Kontakt haben müsst, an diese Technik erinnern. Weder darfst Du auf beleidigende, bedrohliche oder bedrängende Emails oder Briefe mit Gefühlen reagieren, noch solltest Du Dich dazu hinreißen lassen, ihn anzurufen, weil Du Dich durch eine Äußerung verletzt fühlst.

Kurz, sachlich und angemessen zu reagieren ist die einzige Möglichkeit, mit der Du Dich selbst vor weiteren Verletzungen schützen kannst.