Leben und leben lassen…

… diesen Spruch sag ich gern. Leben und leben lassen. Nichts liegt mir so fern. In fast jedem Profil liest man diesen Spruch, ob als Lückenfüller, als unbedeutende Aussage, als nichtssagende Lebensphilosophie, manchmal jedoch und daran glaube ich fest, steht das da weil es wirklich so gemeint ist. Ich Lebe und ich lasse die anderen so leben, wie sie sind.

Vor einiger Zeit startete ich dazu eine Umfrage. Ich nannte ein Fallbeispiel. Ich hatte davor eine Unterhaltung mit einer Klientin. Sie findet ihre eigene Schwester anstrengend. Sie war der Meinung, dass ihre Schwester eine selbstverliebte Narzisstin sei, die maßlos übertreibe, weil sie jeden Tag drei Stunden im Bad zugegen bringt. Dafür steht ihre Schwester sogar morgens früh um 4 auf. Ich habe in mehreren Facebookgruppen also dieses Fallbeispiel vorgestellt, es ausgeschmückt mit allen möglichen Pflegeritualen, wie Morgentoilette, Dusche, Zähne putzen, sich eincremen, schminken, die Haare machen und Einsprechen eines Mantras. Dazu stellte ich dann einige Fragen, wie z.b. Übertreibt sie? Ist sie jetzt deswegen selbstverliebt? Ist sie jetzt deswegen narzisstisch? Sollte sie damit aufhören? Warum sollte sie damit aufhören?

Es haben sich über 200 Menschen an dieser Umfrage beteiligt. Die Antworten waren mega. Sie waren deswegen mega, weil sie alle so verschieden waren. Erstaunlicherweise haben aber nur ganze 5 Menschen nicht sofort geurteilt. Nur 5 Menschen haben näher nachgefragt warum die Frau das tut, ob sie das immer tut.

„Naja, sie teilt sich ihre Zeit ein für Dinge ,die ihr wichtig sind. Solange sie niemanden damit schadet,soll sie es tun. Warum sollte ich über sie urteilen oder beurteilen, aus welchem Grund sie so handelt? Steht mir nicht zu! „

„Was bringt es das zu benennen? Und wer sind wir darüber urteilen zu können oder gar zu sollen oder müssen?
Ich persönlich finde im laufe der Evolution wurde schon viel zu viel an Frauen herumgeschraubt und kritisiert und versucht sie zu ändern – einfach mal in ruhe lassen und erlauben zu sein, wie sie sein wollen, so lange zu duschen, wie sie duschen wollen, soviel zu schminken oder nicht schminken, wie sie sich schminken wollen oder nicht schminken, das anzuziehen, was sie anziehen wollen – einfach mal die Frauen in ruhe lassen. Und weiter ist es egal ob frau oder mann und was sie oder er tut oder nicht – so wie man es selber benennt hat nur mit de eigenen Wahrnehmung zu tun, nit sonst gar nichts 🙂 „

Sie tut das. PUNKT

Dagegen haben mehr als 100 Menschen sofort geurteilt, teilweise sogar verurteil, abgewertet, sind sogar gegen mich persönlich geworden. Ich finde das immer wieder bemerkenswert, was Menschen aus einer Situation machen. Manche machten dies sofort zu ihrer persönlichen Sache, zumeist unbewusst, selten in böswilliger Absicht, manchmal jedoch sehr urteilend und bewertend. Ich fand es einfach nur wundervoll, so viele verschiedene Antworten zu lesen. Von den Versuchen mich zu provozieren oder Angaben aus meinem Profil gegen mich zu verwenden, mal abgesehen.

Was mir aber bei knapp der Hälfte auf fiel: Sie waren nicht im Stande den omnipräsenten Spruch „Leben und leben lassen“ zu leben.

Wie ich darauf komme?

Lesen sie bitte selbst:

also wenn ich auf die Uhrzeit sehe, sie eher masochistisch — oder es ist einfach ihr Hochzeitstag ?


Ich denke sie ist eine langsam veranlagt Frau.. 😂😎🤫

Übertreibt sie? Ich persönlich finde ihr Verhalten schon übertrieben Ist sie jetzt selbstverliebt? Ich denke eher, das Gegenteil ist der Fall. Wenn jemand um 4 Uhr aufsteht, um sich 2 1/2 Stunden für den Tag fertig zu machen, fühlt sich die Person sicherlich unsicher Ist sie jetzt narzisstisch? Es deutet daraufhin, dass sie nicht für sich mitten in der Nacht aufsteht, um sich stundenlang zurecht zu machen. Sieht schwer danach aus, dass sie auf Bewunderung aus ist. Narzissten stehen doch auf sowas.

ich würde sagen…das sie null Selbstbewusstsein hat und sich so auftakelt,weil es die Gesellschaft,von ihr erwartet…!…hat nichts mit selbstverliebt zu tun…!

In dem von dir genannten Fallbeispiel würde ich sagen ja, sie tut es. Dazu müsste man natürlich den genauen Hintergrund kennen, um weitere und eventuell zutreffende Schlussfolgerungen zu ziehen. Selbstverliebtheit muss aber nichts schlechtes sein. Das nur mal so am Rande.

Mir würde sie leid tun! Schlafen ist sooooo schön und 4.00 viel zu früh

Jeder soll das tun was er/sie möchte solange man mir nicht auf die nerven geht.

Ich finde eine Selbstbewusste Frau benötigt keine Schminke.
Den so jemand ist die Meinung Oberflächlicher Menschen egal.
Zumindest gehe ich davon aus.

Außer man will im Zirkus als Clown auftreten ;D 
So laufen leider die meisten Frauen dann herum.

Im Prinzip belügt man sich ja selbst oder akzeptiert nicht die Wahrheit, hat Angst davor.

Lauter wildfremde Menschen beurteilen eine Frau, die sie nicht kennen. Und ja jeder bewertet, analysiert. Jeder Mensch tut dies, oft unbewusst, meistens automatisch, gesteuert vom Verstand, was manch einer gerne Ego nennt und bezeichnet dann dies als Wahrheit. Manche verteidigen diese Wahrheit als wäre es ihr Leben. Nur was sagt das über diese Menschen aus? Wie in unseren anderen Beiträgen schon beschrieben: eine Menge. Unsere Gedanken sind für unsere Realität in der wir leben hauptverantwortlich. Unsere Gedanken sind es die darüber entscheiden, wie wir uns fühlen und wie wir unseren Mitmenschen gegenüber treten. Da wird nur seltenst genauer hingeschaut und sich selbst gefragt, warum man jetzt so denkt, welche Emotionen dies auslöst oder wozu man nicht in der Lage ist, wenn man diesen Gedanken nicht hätte. Nein… der Gedanke ist da, also MUSS das jetzt so sein.

Genauso stellt sich die Situation mit Narzissten da. Da gibt es auch viele verschiedene Ansichten, wie ein Narzisst und warum er so ist. Da wird nicht gefragt was das mit einem selbst zu tun hat, da wird auch nicht gefragt warum der sich so verhält, da wird einfach nur gesagt.. ein Narzisst ist so und so.. und deswegen ist der böse und gehört eingesperrt. Der Narzissmusbegriff wird heutzutage eh und je sehr inflationär verwendet. Erstaunlich dabei ist: Es sind immer die anderen. Immer soll der andere Schuld sein. Gleichzeitig wird behauptet, dass der Narzisst keine Empathie habe und keinerlei Reueempfinden oder Einsicht zeigt. Kurze Zwischenfrage: Erkennen Sie einen Widerspruch darin? Oder erkennen sie gar DEN Widerspruch? Der andere ist Schuld, weil er sagt, dass er es nicht ist. Für mich ist das mit der Schuldumkehr eh ein Thema für sich. Niemand will es gewesen sein. Dabei geht es doch gar nicht um Schuld, oder etwa doch und wenn ja warum?

„Ein morgendliches Ritual, bei welchem sich jemand wohl fühlt hat für mich nichts mit Narzissmus zu tun. Ein Narzisst ist der Selbstliebe nicht fähig, er ist selbstsüchtig und braucht wohl jemand der den Spiegel hält.“

„Die Frau tut das, weil sie selbstverliebt und eingebildet ist. So sind ja bekanntlich alle Narzissten. De denkt bestimmt, sie ist die Schönste, wenn die sich so auftakelt. „

Jetzt möchte ich Ihnen aber mal eine Frage stellen. Wie wäre es, wenn man so über sie urteilt? Wie wäre es, wenn sie an der Stelle der Frau wären? Können sie sich überhaupt in die Frau hinein versetzen, die jeden Morgen fast 3 Stunden Zeit mit sich selbst vor dem Spiegel verbringt? Würden sie das gut finden, wenn lauter wildfremde Menschen sie beurteilen und ihnen möglicherweise eine Selbstwertproblematik andichten? Möglicherweise haben sie eine, aber was spielt das für eine Rolle?

Heißt es nicht Leben und Leben lassen?