Wie von einem anderen Stern- Die Angst davor nicht dazu zu gehören

Ich fühlte mich früher wie ein Fremdkörper in einem Raum voller Menschen. Manchmal hielt ich mich sogar für Jesus, den Sündenbock der Nation, getreu dem Motto „mit mir kann man es ja machen, ich bin sowieso an allem Schuld“ Ich spürte diese Einsamkeit in mir und wollte nur noch weg. Der Boden auf dem ich stand fühlte sich manchmal an, wie Treibsand, in dem ich zu versinken drohte. Und dann diese blöden Gefühle. Ich hatte am Ende nur noch Angst. Angst nach draußen zu gehen. Angst vor neuen Menschen. Und irgendwann auch Angst vor mir selbst.

Ich habe mir stets darüber Gedanken gemacht, was andere über mich denken könnten. Gleichzeitig habe ich mir über andere ebenso Gedanken gemacht und geurteilt. Allein schon, dass ich dachte, was andere denken können, war ich Gefangener meiner eigens konstruierten Gedankenwelt, aus der ich einfach nicht heraus kam. Und dann dachte ich, ich könne niemals ich selbst sein, denn so wie ich bin, so dachte ich, so könnte mich kein Mensch akzeptieren. Und somit war auch ich im Widerstand, denn ich verkannte eines dabei: Auch ich konnte nichts und niemanden akzeptieren. Ich konnte nicht mal mich selbst akzeptieren, erwartete aber dass andere es tun, bzw. erwartete manchmal auch, dass es kein Mensch tut.

Ich fühlte mich wie vom anderen Stern. Und ich dachte ich würde niemals dazu gehören. Und ich verstand die anderen nicht. Ich konnte nicht über ihre Späße lachen. Ich konnte nicht einfach daran teilnehmen, weil ich gedanklich immer nur dabei war darüber nachzudenken, was die anderen denken könnten, über meine Art zu lachen, meine Art mich einzubringen, meine Art meine Themen zu thematisieren. Ich fühlte mich generell Fehl am Platz. Ich hasste Gruppenarbeit. Ich mied Partys. Ich traute mich nicht mal Frauen anzusprechen. Und ich war im Internet und tat so, als wäre alles ok, dabei tat alles in mir weh. Meine Gedanken fickten mich unentwegt.

Bis ich erkannte dass es nur meine Gedanken sind, die meine Welt ausbilden bzw. Glaubenssätze waren.

Ja es waren nicht die anderen, die so über mich dachten, sondern ich war es, der diese Gedanken über die anderen hatte. Ich habe mir darüber Gedanken gemacht, was andere über mich denken könnten. Gleichzeitig fragte ich mich, was ich tun muss, um dazu zu gehören. Ich wollte ja beliebt sein, Freunde haben, Anerkennung haben, eigentlich ein ganz normales Leben führen, so wie alle anderen auch. Ich war ein Kopfmensch.

Mein Herz schlug zwar noch, aber sonst empfand ich recht wenig, außer große Traurigkeit und Neid. Ich war meiner Freiheit und meinem Glück selbst im Weg. Ich dachte stets- mit mir stimmt was nicht. Ich definiere mich nur noch über andere und das was andere über mich dachten. Das fatale daran, dass ich nur alles Negative annehmen konnte, während ich all das Positive, was mich umgab ausblendete. Ich war sogar für liebgemeinte Ratschläge resistent.

Und ich reagierte feindselig auf jeden, der mir helfen wollte, eben weil ich es nicht für möglich hielt, dass man mir helfen konnte. Ich war hilflos. Ich war hilflos mir selbst ausgeliefert, meinen Gedanken und damit der Welt die ich mir durch meine Gedanken selbst konstruierte.

Heute treffe ich immer noch auf Menschen mit diesen Symptomen. Sie haben Angst und sie sind auch keine Ratumsetzungsweltmeister, auch wenn sie um diesen bitten. Nicht jeder Ratschlag passt. Nicht jeder Tipp ist für jeden geeignet. Nicht jeder kann das umsetzen, was andere vielleicht umsetzen können und vielleicht als pipieinfach anpreisen.

Nun, wenn man den Bogen erst mal raus hat, ist es auch pipieinfach oder kinderleicht, aber der Weg dahin ist das Ziel. Der Weg dahin ist zwar auch nur ein Gedanke von vielen, aber er ist nun mal nicht so leicht zu finden, wenn man noch nicht bereit ist in sich reinzuspüren, reinzufühlen und nur im Widerstand ist mit all den Gedanken, die einen eben umgeben und die einen so fühlen lassen wie vom anderen Stern.