Ich war erst wütend, dann achtsam

Wie DeFusion Techniken wirklich helfen

Ich hatte einen Rückfall. Und auch der war ein Glücksfall, denn dadurch erkannte ich, dass sich manche Techniken in meinem Unterbewusstsein schon breit machten. Ja, ich habe die De-Fusion Technik einstudiert. Und in dem Falle danke ich Professor Sven Barnow wirklich, der mir diese Methode ans Herz legte, gerade in den Momenten wenn ich wütend bin.

Ich war schon den ganzen Tag kaputt und irgendwie auch nicht gut drauf. Ich war leicht reizbar und suchte permanent einen Anlass dazu mich aufzuregen. Und diese Anlässe waren sehr gering. Einmal fühlte ich mich als Autor nicht genug gewürdigt (eigentliches Bedürfnis: Anerkennung und Beziehungsaufbau), so dass mein Narzisst in mir drauf und dran war eine Leserin abzufertigen. Das verkniff ich mir, indem ich es auf meine Müdigkeit schob. Als mein Autor dann gewürdigt wurde, hatte ich was an dem Kommunikationsstil der Schreibpartnerin auszusetzen (Du- Botschaften). Ich blockierte Sie und fragte meine Gruppenmitglieder bei Facebook was sie tun würden und ich bekam Bestätigung. Später dann aber las ich in einer Gruppe einen Beitrag über Narzissmus. Bis dato fühlte ich mich in dieser Gruppe wohl. Und wäre ich nicht so mies drauf gewesen und im Ego- Modus unterwegs, hätte mich das wohl nicht gestört. Nachdem ich dann aber die Kommentare von unbewussten Frauen las, die ihren Ex wie immer als Narzisst betitelten, gelesen habe, erwachte der Narzisst in mir. Und ich machte den Admin der Gruppe nieder. Ich spürte in dem Moment eine Mischung aus Wut, Hass und Todesangst. Ich wurde ja während ich mein erstes Buch schrieb mehrfach geshitstormt, beleidigt und bedroht. Hasskommentare bekommen nicht nur politisch Verfolgte sondern auch ganz normale Menschen (das ist jetzt nicht abwertend gemeint). An sich stehe ich drüber oder atme es weg. Nur diesmal ging es nicht. Ich wurde echt übel zu dem Admin, der mich dann auch folgerichtig rauswarf. Und dann sprach ich ganz automatisch meine Gefühle laut aus. „Wut, Hass, Wut, Hass, Wut, Hass“. Das brauchte ich dieses Mal keine Minute tun, denn schon nach recht kurzer Zeit nachdem ich diese Worte aussprach, löste sich das Gefühl auf und ich musste lachen. Und dann redete ich mit mir selbst. Ja mein gesunder Erwachsener übernahm wieder das Kommando. Er redete behutsam auf meinen Schutzschild ein und nahm danach mein innere Kind in den Arm. Ich kam runter von der Wut und ging ins Bedauern und der Traurigkeit.

Mir hilft es ja auch aufzuschreiben, was ich denke, oder was ich fühle, oder was ich getan habe um mich abzukühlen. In diesem Falle war es die De-Fusion Technik die mir tatsächlich half. Und da sie automatisch kam, macht es mir Hoffnung, dass ich diese auch künftig vielleicht mal bewusst einsetze. Sie hat nämlich ihre Wirkung bei mir schon erreicht. Ich bin dankbar, dass diese Technik mir hilft. Und ich hoffe auch, dass Sie vielleicht mal bei nächster Gelegenheit die Defusion Technik anwenden.

Zur Info:

Wir alle können unsere inneren Dämonen überwinden indem wir uns von unseren Gedanken und Gefühlen distanzieren. Damit meine ich nicht sie loszuwerden, sondern einen Schritt zurück zu treten. Bei der Akzeptanz und Commitment Therapie (ACT) wird dieser Idee Defusion genannt. Fusion (lat. fusio= verschmelzen) ist also die Verschmelzung mit den eigenen Gedanken. Defusion ist als die „Entschmelzung“ von den eigenen Gedanken nach dem Motto: „Du bist nicht deine Gedanken. Du hast Gedanken!“

© Leonard Anders (aus seinem neuen Buch, was bald erscheint)