Wahrheit oder Lüge?

Oftmals erlebe ich es so, dass Menschen einem unterstellen zu lügen, weil sie einem das, was sie erzählt bekommen nicht glauben können. Sie glauben also selber etwas anderes und halten das für die Wahrheit.

Nun frage ich mich, wenn derjenige der seine Wahrheit erzählt, also so wie er es wahrgenommen hat oder empfunden hat, ist es dann weiterhin eine Lüge, nur weil der andere glaubt, dass es eine Lüge ist oder ist es einfach nur eine andere Wahrheit, die der andere nicht hat, weil er eben eine andere Wahrheit hat, an die er glaubt?

Betroffene mit einer Diagnose bekommen unterstellt/attestiert, dass ihre Wahrnehmung verzerrt sei oder dass sie lügen würden aus Selbstschutz. ADHS´ler gelten als Wahrnehmungsgestört.

Narzissten, Co- Narzissten,. Abhängige, Borderliner, generell Menschen mit einer Persönlichkeitsstörung oder Beeinträchtigung leiden darunter, dass man ihnen das, was sie erlebt haben, wie sie es erlebt haben, nicht glaubt. Andererseits wird aber immer wieder darauf gepocht, dass man die Menschen in ihrem Wesen akzeptieren soll. Warum aber wird dann immer wieder von kognitiver Verzerrung oder subjektiver Wahrheit gesprochen?

Jeder Mensch hat doch irgendwo das recht auf seine eigene Wahrheit, Meinung, etc. Natürlich können Außenstehende zu einer anderen Einsicht kommen, möglicherweise auch eine eigene Wahrheit / Ansicht gewinnen. Aber was ist davon denn jetzt wahr? Ich sage, wahr ist, was sich so anfühlt, als wäre es wahr, also was sich stimmig anfühlt. Leider passiert es immer wieder, dass manchen Menschen aufgrund einer Vorgeschichte ihre eigene Wahrheit als unwahr gespiegelt wird.

Heißt es also, dass ihre Wahrnehmung deswegen automatisch weniger wert ist? Heißt es dann, dass man bei jemandem der eine Diagnose hat von vornherein davon ausgehen muss/soll/darf, dass er lügt?

Wie kann das sein? Und wer gibt einem das Recht jemandem seine Wahrnehmung abzusprechen, also das Erlebte, Wahrgenommene als falsch und unwahr darzustellen, nur weil die eigene Wahrnehmung eine andere ist?

(© Daniel Brodersen)