Der Zusammenhang zwischen Narzissmus und ADHS in toxischen Beziehungen

Immer häufiger begegnen mir Menschen in meiner Arbeit, die in einer toxischen Beziehung gelandet sind und bei denen im Nachgang dann ADHS diagnostiziert wurde oder zumindest der Verdacht darauf besteht. Sie alle nahmen sich als Opfer eines Narzissten wahr. Ein Grund für mich, mich intensiv mit dieser brisanten Thematik zu beschäftigen und über die Zusammenhänge zu informieren.

ADHS kommt häufig in toxischen Beziehungen vor

Was ist ADHS?

Hinter der Abkürzung ADHS verbirgt sich das Aufmerksamkeitsdefizitshyperakvititätssyndrom, eine der häufigsten psychischen Auffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen. Anders als angenommen verwächst sich ADHS nicht und so können auch Erwachsene noch darauf gestestet und diagnostiziert werden. Zwar nehmen manche Schwierigkeiten im Verlauf ab und Betroffene werden ruhiger, dennoch bleibt die Diagnose bestehen. ADHS im Erwachsenenalter ist also kein Mythos sondern Realität.

Heute wird angenommen, dass ca 2-6% aller Menschen unter ADHS leiden. Die Dunkelziffer wird wie bei allen anderen psychischen Störungen größer sein. Die Hauptprobleme für viele Betroffene sind, dass sie sich ständig angespannt und getrieben fühlen, sie motorisch unruhig sind, teilweise unüberlegt (impulsiv) handeln und ihre Aufmerksamkeit nicht gut halten können. Sie sind quasi immer überall und nirgends. Es fällt ihnen schwer sich auf eine Sache zu konzentrieren.

Merkmale von ADHS

  • Konzentrationsprobleme, sehr leichte Ablenkbarkeit
  • „Aufschieberitis“ (Immer alles auf den letzter Drücker erledigen)
  • Fehlende Tagesplanung und ein Mangel an Struktur
  • „Verzetteln“, Unfähigkeit, Prioritäten zu setzen, sich zu fokussieren
  • Kirmes im Kopf (teilweise Grübelattacken und Gedankenkreisen)
  • Innere Unruhe und Getriebensein (Teilweise auch Überreizung)
  • Ständig in Bewegung (z. B. mit Fingern auf Tisch trommeln oder mit Füßen wippen), häufige Änderung der Körperhaltung
  • Sich schnell angegriffen fühlen und sich dafür rechtfertigen (Alles persönlich nehmen)
  • Sehr schnell und sehr heftig emotional aufgewühlt sein (emotional „überreagieren“);
  • Handeln in Gedankenlosigkeit, ohne über die Folgen nachzudenken (z. B. riskante Fahrweise im Straßenverkehr)
  • Schnelle und starke Gefühls- und Stimmungsschwankungen (Enotionale Überflutung)
  • Depressive Stimmungs-Einbrüche mit Gefühlen von Minderwertigkeit, Aussichtslosigkeit und Resignation
  • Sich schnell gelangweilt und antriebslos fühlen (immer auf der Suche nach dem besonderen Kick)
  • Mangelnde emotionale Abgrenzung von anderen Menschen (Übernahme von Gefühlen anderer)
  • Schlechte Wahrnehmung für eigene Stimmungen, Gefühle und Bedürfnisse
  • Gefühle als „Knäuel“ wahrnehmen und nicht differenzieren und beschreiben können
  • Unregelmäßige Essenszeiten, Essen „vergessen“
  • Haltestelle verpassen, Zug, Bus verpassen (teilweise sogar in den falschen Bus/Zug einsteigen)
  • Dinge verlegen, vergessen (Extreme Schusseligkeit)
  • Häufiges Zuspätkommen
  • Vergessen von Terminen/ Verabredungen
  • Spontane, unüberlegte Einkäufe (ohne Überblick über das Konto)
  • Unordnung im Haushalt
  • Sammelwut
  • Wenige Freunde („Keine Zeit für Freunde“)
ADHS´ler werden von Reizen extrem überflutet

Der Leidensdruck ist oft immens

Viele Betroffene nehmen sich als Fremdkörper wahr. Ebenso fühlen sich Menschen mit ADHS häufig von anderen ausgeschlossen oder abgelehnt. Nicht selten erleben sich ADHS´ler als Opfer von Mobbing. Sie ecken in ihrem Umfeld an, weil sie zu vielen Themen ganz oft ihre eigene Meinung haben und diese auch fast immer mitteilen müssen. Gleichzeitig grübeln ADHS´ler viel und fühlen sich schnell gestresst.

Hinzu kommt dass viele ADHS´ler ihre eigenen Grenzen oft nicht spüren und sich bis zur völligen Erschöpfung einer Sache hingeben und anschließend enttäuscht sind, wenn der gewünschte Effekt ausbleibt. Das Ziel vieler ADHS´ler ist es angenommen und akzeptiert zu werden, so wie sind – auch wenn ihnen selbiges sehr schwer fällt. Durch diesen Versuch bei anderen anzukommen, erreichen sie jedoch oft das Gegenteil.

Ursachen von ADHS

Die Ursachen einer ADHS sind wie bei vielen anderen psychischen Auffälligkeiten nich nicht vollständig erforscht, jedoch kann man wie bei fast allem davon ausgehen, dass genetische Faktoren mit anderen Faktoren zusammen wirken und dieses Störungsbild ausmachen. Insbesondere sind Komplikationen während der Schwangerschaft zu beachten, genauso wie Umwelteinflüsse, die im neuronalen Transmittersystem, bei einem Menschen zu Veränderungen führen und eine ADHS begünstigen.

Gleichzeitig wird davon ausgegangen, dass die Ursachen bei jedem Menschen unterschiedlich sind und die Auffälligkeiten sich ebenfalls unterschieden. Gleichzeitig wird ebenso festgestellt, dass die ADHS- Symptomatiken auch bei anderen psychischen Auffälligkeiten vorkommen.

Und ebenso ist festzuhalten, dass Menschen neben der ADHS- Symptomatik auch weitere zusätzliche Probleme entwickeln können.

ADHS wird oft weiter vererbt

Viele Studien weisen daraufhin, dass erbliche Faktoren als Hauptursache gelten. Es wird vermutet, dass ADHS den größten erblichen Einfluss aufweist. (siehe auch HIER)

Insbesondere bei Erbgutinformationen,  die für die Bildung und Übertragung des Botenstoffes Dopamin verantwortlich sind, konnten entsprechende Veränderungen festgestellt werden. Das heißt also dass jemand mit einer ADHS in gewisser Weise eine neurologische Stoffwechselstörung aufweist und sich dementsprechend besonders verhält. Man spricht auch von einem Dopaminmangel bzw. dass verbrauchtes Dopamin wieder aufgenommen wird.

Erbliche Faktoren begünstigen eine ADHS

Negativerfahrungen begünstigen ein Entwicklungstrauma

An ADHS erkrankt zu sein und gleichzeitig traumatisiert zu sein, schließt sich nicht gegenseitig aus. Menschen die unter den Symptomen ihrer ADHS leiden, machen in ihrem Umfeld nicht die besten Erfahrungen. Diese Negativerfahrungen können, wenn diese sich häufen zu einem Entwicklungstrauma führen. Man kann also auch zusätzlich eine posttraumatische- Belastungsstörung entwickeln.

Vor allem wenn ein Elternteil ebenfalls an ADHS leidet und dieses nicht diagnostiziert wurde, sind ständige Konflikte und Bevormundungen oft Programm. Darunter leidet dann die Beziehung, die sehr oft als angespannt empfunden wird. Manchmal kommt es auch zu Gewalt oder emotionaler Erpressung, vor allem dann, wenn die Emotionen mal wieder überkochen, was ja auch ein Indiz für ADHS ist.

ADHS´ler fühlen sich oft sehr schnell angegriffen und beziehen viele Dinge schnell auf sich. Dies tun Narzissten und Co-Abhängige genauso. Sie glauben oft, sie wären der Nabel der Welt und alles würde sich um sie drehen. Sie fühlen sich schuldig und machen sich dann kleiner als sie sind. Oder aber sie geben anderen die Schuld, indem sie sich rechtfertigen oder andere abwerten und schlecht beahndeln.

Dass sie mit ihrem Verhalten dann ihr Umfeld teilweise traumatisieren, ist dann eine logische Folge, wenn auch zumeist ungewollt.

ADHS´ler fühlen sich oft angegriffen und zeigen dies mitunter sehr emotional

Eine Spur von Hypervigilanz

Die Symptome, die bei einem Trauma auftreten, werden als Hypervigilanz bezeichnet. Dies gillt nämlich als Leitsymptom der Posttraumatischen Belastungsstörung. Wenn man sich die Symptome beider Störungsbilder genauer anschaut, fallen viele Parallelen auf.

Zum Beispiel könnte der Verlust der Besonnenheit ebenso als Impulsivität ausgelegt werden. (Unüberlegtes und Vorschnelles Handeln). Auch die hohe Empfindlichkeit verbunden mit der Angst nicht zu genügen/vor Ablehnung als Basisemotion, findet sich in der ADHS wieder. ADHS´ler werden von ihren Gefühlen überflutet. Als Folge werden diese Bereiche dann abgespaltet. Jemand der traumatisiert ist, spaltet seine Gefühle auch oft ab – als Schutz – um sich nicht ohnmächtig zu fühlen.

ADHS vs. Co- Abhängigkeit

Aufgrund ihrer Schwierigkeiten sich angenommen zu fühlen, neigen Betroffene mit ADHS dazu große Kraft dafür aufzubringen, es anderen recht zu machen. Die Schwierigkeit liegt vor allem darin, dass Betroffene ihren Gefühlszustand als normal empfinden, da sie nichts anderes kennen. Sie wissen nicht, wie es ist, unbeschwert zu sein und in Einklang mit ihrer Umwelt zu sein.

Manche Betroffene berichten davon, zu wissen, wie es anderen geht, oder welche Stimmung gerade herrscht, sobald sie einen Raum betreten. Sie nehmen die Bedürfnisse anderer wahr und versuchen sich danach zu richten. Sie sehnen sich nach größtmöglicher Harmonie, nach Ruhe und nach Frieden. Diesen suchen sie bevorzugt im Außen, was eben dazu führt, dass sie oft ihre eigenen Bedürfnisse zurückstellen, aus Angst davor abgelehnt zu werden.

Co-Abhängige sehnen sich nach Ruhe und Frieden, welche sie im Außen suchen

Sich anpassen um dazu zu gehören

Ähnlich wie ADHS´ler leiden Co- Abhängige Menschen unter ihrem schwach ausgeprägten Selbstwert. Teilweise liegt es an den eigenen Eltern, die selbst erkrankt sind, teilweise aber eben auch an den genetischen Faktoren, die für die eigene Resilienz verantwortlich sind. Aufgrund des schwachen Selbstwerts, grenzen sich die Betroffenen nur schwer ab und passen sich an, auch wenn es größte Aufmerksamkeit erfordert.

Man weiß, dass ADHS´ler, wenn sie besonders interssiert sind, einen Hyperfokus entwickeln. Dies kann auch dazu führen, dass sie ein Helfersyndrom entwickeln und ständig freiwillig irgendwelche Hilfstätigkeiten übernehmen, immer mit der Hoffnung verbunden, dass dies gesehen und entsprechend gewürdigt wird.

People Pleasing und Self Gaslighting

Um dazu zu gehören ist ihnen jedes Mittel recht. ADHSler neigen wie Co- Abhängige dazu über ihre eigenen Grenzen zu gehen. Sie betreiben regelrechtes People Pleasing, indem sie ihre eigenen Grenzen stets zu Gunsten anderer verschieben. Viele Betroffene wirken nach solchen zusätzlichen Sonderaktionen regelrecht ausgelaugt. ADHS´ler sind entsprechend Burnoutgefährdet.

Gleichzeitig leiden Betroffene unter ihrer verschobenen Wahrnehmung oder den aufgezeigten Wahrnehmungsdifferenzen mit ihrem Umfeld, die so manches ganz anders sehen, als sie selbst. Dabei weiß man mittlerweile, dank einem Herrn Watzlawik, dass sich jeder Mensch seine eigene Wirklichkeit konstruiert.

Betroffene haben oft das Gefühl, dass sie von ihrem Umfeld manipuliert werden oder ihnen eben eingeredet wird, sich zu irren. Anders jedoch wie beim Gaslighting, welches sich auf das Theaterstück, des britischen Schriftsteller Patrick Hamilton bezieht, steigern sich Betroffene oft in ihre eigenen Gedanken rein und betreiben regelrechten Selbstmissbrauch.

ADHS vs. Narzissmus

ADHS´ler wirken oft überheblich. Alles kreist um ihren Selbstwert. Dass ADHS´ler somit für Narzissten gehalten werden, ist logisch. Sie gieren nach Bestätigung. Viele Betroffene haben schon einen sehr langen Leidensweg hinter sich, mit vielen Beziehungsabbrüchen. Grund für die vielen Abbrüche, ist oft die leichte Kränkbarkeit verbunden mit der mangelenden Impulskontrolle.

Betroffene schießen schnell übers Ziel hinaus. Sie meinen vieles Gut, jedoch kommt es eben dadurch vor, dass sie andere damit überrumpeln und in Bedrängnis bringen.

Sobald sie dann mit ihrem Verhalten konfrontiert werden, kann es passieren, dass sie sich angegriffen fühlen und auf sturr stellen oder weglaufen und schweigen. Partner/innen könnten diese Sturrheit als Silent Treatment bewerten.

Manchmal reflektieren sich die Betroffenen aber auch und zeigen sich einsichtig. Dies wird dann aber von Angehörigen selten ernst genommen, verständlicherweise, da sich dieses Verhalten sich wiederholt und der Eindruck entsteht, Betroffene würden nicht aus ihren Fehlern lernen. Auch hier werden Zusammenhänge mit Love Bombing oder Hoovering hergestellt, da sich die Betroffenen oft übermäßig um Wiedergutmachung bemühen.

Impulskontrolle fällt vielen Betroffenen schwer

Der Mangel an Impulskontrolle kann sich bei betroffenen Erwachsenen folgendermaßen äußern:

  • Erst unbewusst handeln, dann reflektiert nachdenken – Betroffene werden teilweise als emotionale Ferraris bezeichnet, die sehr schnell agieren und größtenteils unbedacht, auch wenn manche ihrer Ideen auf den ersten Blick großartig erscheinen. Was auffällt: Betroffene können ihr Fehlverhalten erkennen, sie geloben Besserung, geben sich sogar anfangs viel Mühe, bis sie dann wieder in ihr altes Muster fallen.
  • Provokation anderer durch emotionale Überreaktionen: Sobald Betroffene getriggert werden, reagieren sie entsprechend und das teilweise sehr unangemessen. Dies passiert häufig in Beziehungen. Aber auch am Arbeitsplatz oder im Freundeskreis, kommt es vor, dass Betroffene sich ungefragt in Gespräche einmischen und ihre Meinung zum Besten geben.
  • Erhöhte Unfallneigung – Betroffene nehmen ihre Unachtsamkeit als Tollpatschigkeit wahr. In mancherlei Hinsicht mag dies zur Belustigung beitragen. Auf Dauer aber entstehen blaue Flecken und eine sehr eingeschränkte Lebensqualität. Nicht selten geben Betroffene anderen die Schuld für ihre Fahrlässigkeit mit sich selbst.
  • Verletzung von Regeln, Gesetzen, Vorschriften – Durch ihr vorschnelles, unüberlegtes und fahrlässiges Handeln, werden häufig Grenzen überschritten. Betroffene können die Reaktionen ihres Umfeldes dann häufig nicht verstehen, da es oft auch nicht in ihrer Absicht lag, die Grenzen anderer zu veletzen. Mitunter fällt es Ihnen dann schwer, sich in die Perspektive des anderen hinein zu versetzen. Nicht selten werden die Reaktionen ihres Umfeldes persönlich genommen, worauf wieder eine emotionale Überreaktion erfolgt.
  • Vorschnelle Entscheidungen, unbedachtes Umsetzen von Ideen – Betroffene zeigen sich oft euphorisch und überzeugt von einer Sache. Sie handeln dann auch mitunter sehr spontan bzw. sprunghaft. Nicht selten ändern Betroffene dann ihre Meinung, ohne andere darüber zu informieren und verhalten sich dann auch ganz anders, als zuerst anderen gegenüber kommuniziert. Partner/innen fällt es dann oft schwer, sich abzugrenzen oder mitzuhalten.
Konflikte entstehen ganz schnell

Die Folge: häufige Konflikte in Partnerschaften oder Freundschaften sind vorprogrammiert

Durch die Unfähigkeit sich in die Perspektive des anderen hinein zu versetzen, da die Absicht eine andere war, entsteht schnell der Eindruck, dass der Betroffene keine Empathie besitze. Der Partner fühlt sich übergangen und unverstanden und reagiert entsprechend. Dies wiederrum wird dann als Empathiemangel im umgekehrten Sinne erlebt, so dass es nicht selten in gegenseitigen Schuldzuweisungen endet.

Die Suche nach Geltung und Bestätigung

Jeder Mensch möchte in gewisser Weise bedeutend sein und bestätigt werden. Dies bewiesen auch zahlreiche Forscher und Psychologen, die sich mit dieser Thematik beschäftigten.

Siegmund Freud z.b. sagte, dass alles was wir tun, lediglich zwei Motive hat: 1. Der Sexualtrieb, 2. Das Verlangen nach persönlicher Geltung (Bestätigung).

Laut dem amerikanischen Kommunikationstrainer und Bestsellerautor Dale Carnegie gibt es 8 Wünsche, die erfüllt werden müssen, um ein erfülltes Leben zu führen.

  1. Gesundheit und ein langes Leben
  2. Nahrung
  3. Schlaf
  4. Geld und alles, was man damit kaufen kann
  5. ein Leben im Jenseits
  6. sexueller Genuss
  7. gesunde Kinder
  8. das Gefühl “bedeutend” zu sein.

Jeder Mensch strebt nach Selbstwert und Erfüllung. Jeder Mensch verhält sich demnach auch ein stückweit narzisstisch oder co-abhängig. Menschen mit einem ADHS jedoch umso mehr. Da Sie es ohnehin schon sehr schwer haben, aufgrund ihrer psychischen Auffälligkeit im Leben anzukommen, bemühen sie sich umso mehr um Anerkennung und Bestätigung. Und häufig wird dieser Wunsch danach damit verbunden Recht zu bekommen, weswegen sie selten nachgeben können ohne beleidigt zu sein.

Menschen wünschen sich bestätigt zu werden

ADHS und Hochsensibilität

Hochsensibilität, auch Überempfindlichkeit genannt, bezeichnet ein Phänomen, bei dem Betroffene aufgrund ihrer hyper- empfindlichen Wahrnehmung äußere Reize und Umwelteinflüsse stärker als andere Menschen wahrnehmen und entsprechend verarbeiten. Dies bezieht sich auf alle Sinneswahrnehmungen (hören, sehen, reichen, schmecken, tasten), wobei eben auch das innere Erleben mit einbezogen wird.

Hochsensiblen Menschen wird nachgesagt, dass sie sich besonders gut in andere hinein versetzen können. Da die Forschung zu diesem Phänomen jedoch noch in den Kinderschuhen steckt, existiert dazu noch keine anerkannte wissenschaftliche Definition.

Aufgrund ihrer mangelnden Abgrenzungsfähigkeit gegenüber den Gefühlen anderer, bezeichnen sich viele Menschen, die sich als HSP´ler wiedererkennen, als potentielles Opfer von Narzissten. Dass Sie es auch mit einem ADHSler zu tun haben könnten, wird dagegen ganz oft ausgeschlossen.

Eine Neurologische Besonderheit

Häufig werden Überschneidungen der Merkmale von ADHS und Hochsensibilität beobachtet. Sowohl ADHSler als auch HSPler sind sehr reizoffen und werden teilweise von ihren Emotionen und Gedanken überschwemmt. Beiden fällt es schwer, die Eindrücke zu verarbeiten. Beide wirken oft überfordert und ziehen sich dann auch gerne zurück, wenn es ihnen zuviel wird.

Hochsensible Menschen, wie auch ADHSler ziehen sich gerne zurück

ADHS und Hochsensibilität schließen sich nicht gegenseitig aus. Wenn davon ausgegangen wird, dass es Hochsensibilität tatsächlich gibt, kann es also auch so sein, dass beide Auffälligkeiten gleichermaßen vorliegen.

Jedoch lehnt jemand, der sich als Hochsensibel definiert, es ab, sich als psychisch krank zu bezeichnen, auch wenn eine Hochsensibilität aufgrund ihrer Merkmale das Risiko für die Erkrankung an einer psychischen Störung maßgeblich begünstigt. Während man einen ADHSler als Neurodiversen Typen bezeichnet, sagt jemand mit HSP, dass er eine neurologische Besonderheit hat.

ADHS ist gut behandelbar

Zu Guter letzt möchte ich erwähnen, dass eine diagnostizierte ADHS sich gut behandeln lässt. Viele Probleme, die man ohne Behandlung hat, lösen sich größtenteils auf, sobald sich jemand mit ADHS dazu entschließt eine Therapie zu machen.

Auch können die Medikamente gut dabei helfen, die Sypmtome zu reduzieren, so dass Betroffene ihr Potential vollends ausschöpfen können und auch gute Beziehungen führen können.

Ich habe den Artikel geschrieben, um aufzuzeigen, dass hinter all den Begrifflichkeiten auch eine ADHS liegen könnte. ADHS begünstigt viele psychische Erkrankungen. Das heißt im Umkehrschluss für mich, dass sobald erkannt wurde, welches Problem vorliegt und dieses angegangen wird, dass sich die darauf aufbauenden Probleme mitauflösen. Jemand, der zu narzisstischem und/oder co-abhängigem Verhalten neigt, könnte also sein Leiden reduzieren, sobald er anfängt, sich selbst zuzuwenden.

© Daniel Brodersen