Copingstrategien (engl. to cope, überwinden, bewältigen) oder Bewältigungsstrategien sind psychische Überlebensstrategien zur Bewältigung schwieriger Lebenssituationen, Belastungen und traumatischer Erlebnisse. Der durch die Belastung hervorgerufene Leidensdruck ist zu stark, um die Belastung ohne Bewältigungsstrategie so zu verarbeiten, dass sie keine Belastung mehr darstellen. Generell unterscheidet man zwischen destruktiven und konstruktiven Copingstrategien.

Zu den destruktiven Copingstrategien zählen Alkohol- und Drogenkonsum und anderes selbstschädigendes Verhalten.

Persönlichkeitsveränderungen, durch die andere Menschen geschädigt werden, wie zB anderen die Schuld für den eigenen Zustand zu geben, das eigene Leid in einer Weise zur Schau tragen , dass es andere Menschen belastet oder die unmittelbare Umgebung durch aggressives Verhalten zu dominieren können ebenso als destruktive Copingstrategien gesehen werden.

Konstruktive Copingstrategien sind unter anderem sich Hilfe zu suchen in Form von Therapie, Meditation, das Erlernen von Entspannungstechniken, Beschäftigung mit sich selbst und suchen, was einem gut tut, Selbsthilfegruppen, verstärkte Hinwendung zu einem Hobby, Sport.

Auch Religion und die Beschäftigung mit Themen spirituellen Inhalts gehören dazu.

Nicht selten überwinden Menschen ihre Belastungen dadurch, dass sie Experten auf dem Gebiet des von ihnen erfahrenen Leids werden und so ihrerseits anderen Menschen helfen, belastende Erlebnisse und Lebenssituationen zu bewältigen.

Im Verlauf eines positiven  Bewältigungsprozesses können sich bei dem Menschen neue Kompetenzen, Fähigkeiten und Eigenschaften ergeben. Das erlittene Leid führt bei positivem Coping zu persönlichem Wachstum und Weiterentwicklung und größerer Widerstandsfähigkeit gegenüber psychischen Belastungen. = Resilienz.

(© Arne Salisch)

Wesentliche negative emotionale Schemata werden schon in früher Kindheit und Jugend angelegt, wenn die Grundbedürfnisse des Kindes nicht befriedigt werden. Um unangenehme Erlebnisse möglichst zu verhindern und einen Kompromiss zwischen den Grundbedürfnissen und den verinnerlichten Erwartungen der Eltern zu schaffen, entwickeln wir Bewältigungs- bzw. Copingstrategien, die ebenfalls wie die Schemata eingebrannt werden.

Je nach der persönlichen Veranlagung und den Beziehungserfahrungen können diese einen eher unterordnend-erduldenden, einen gefühlsabspaltend-vermeidenden oder einen kämpferisch-überkompensierenden Charakter haben und stellen damit Ausgestaltungen der biologisch angelegten Unterwerfungs‑, Flucht- bzw. Erstarrungs- oder Kampfbereitschaft dar.

Auch die Bewältigungsversuche werden zur Gewohnheit, d. h. bilden Attraktoren und neigen dazu, sich selbst aufrechtzuerhalten. Dadurch besteht die Tendenz, aktuelle Probleme im Erwachsenenleben mit in der Kindheit entwickelten Lösungsstrategien anzugehen, was langfristig zu unbefriedigenden Ergebnissen führen kann. In Momenten der Schemaaktivierung erleben wir wieder wie als Kind, sehen die Welt gewissermaßen mit Kinderaugen und setzen mangels Alternativen die gewohnten Kindheitslösungen ein.

Die Lösungsversuche, die in der Kindheit adäquat und die relativ bestmöglichen waren, nutzen nicht die Möglichkeiten, die wir jetzt als Erwachsene haben. Daher müssen diese Lösungsversuche jetzt bewusst als begrenzend erkannt und verändert werden. Dann können die verinnerlichten Regel hinterfragt und neue, erwachsene Lösungen gefunden werden, die den Grundbedürfnissen besser gerecht werden. Dies ist Aufgabe der Psychotherapie.

(© Dr. Eckart Roediger)