Die von Jeffrey Young entwickelte Schematherapie ist ein integratives Psychotherapieverfahren und stellt eine Erweiterung der Verhaltens- und Gestalttherapie dar. Sie zählt zur sogenannten dritten Welle der kognitiv-verhaltenstherapeutischen Therapien und erweitert die Methoden der kognitiven Therapie um Elemente psychodynamischer Konzepte und anderer etablierter psychologischer Theorien und Therapieverfahren. Die Schematherapie bezieht sich dabei nicht nur auf aktuelle Probleme, sondern auch auf deren Entstehungsgeschichte, die überwiegend in der Kindheit und Jugend zu finden ist.

Die Schematherapie geht davon aus, dass es bestimmte erlernte Grundschemata gibt, die darauf abzielen, die seelischen Grundbedürfnisse zu befriedigen, und hierzu das Verhalten von Menschen steuern. In der Schematherapie werden dysfunktionale Verhaltens- und Beziehungsmuster als Folgen früherer Verletzungen und deren Bewältigungsstrategien verstanden und wurde zur Behandlung von chronischen, charakterologischen Aspekten psychischer Störungen entwickelt. Sie findet erfolgreich Anwendung bei der Behandlung chronisch erkrankter Patienten mit Depressionen, Angststörungen, Persönlichkeitsstörungen (insbesondere Borderline- und narzisstische Persönlichkeitsstörung), aber auch bei Essstörungen, Substanzmittelmissbrauch, bei Paarbehandlungen und langjährigen Beziehungsstörungen. Eingesetzt wird sie sowohl in der ambulanten als auch in der stationären Behandlung.

Das Schemamodell unterscheidet 18 kognitiv-emotionale Schemata (auch maladaptive Schemata genannt), die aus der Frustration von kindlichen/menschlichen Grundbedürfnissen entstanden sind. Folgende Bedürfnisse sind dabei besonders wichtig:

  • sichere Bindung (beinhaltet Sicherheit, Stabilität, Fürsorge und Verlässlichkeit)
  • Autonomie, Selbstständigkeit und Identitätsgefühl
  • die Freiheit, Bedürfnisse und Gefühle auszudrücken, und deren Bestätigung
  • Spontanität und Spiel
  • realistische Grenzen und Selbstbeherrschung
  • Geborgenheit und Verbundenheit zu anderen Menschen
  • Anerkennung, Lob und Akzeptanz
  • Liebe und Aufmerksamkeit

Werden in der Kindheit oder Jugend diese Grundbedürfnisse frustriert, entwickeln Menschen maladaptive Schemata bzw. Überzeugungen und daraus resultierend unterschiedliche Bewältigungsstrategien, die zum Zeitpunkt ihrer Entstehung durchaus funktional und überlebenswichtig sind – sogenannte Bewältigungs-Modi bzw. Muster. Unter Bewältigungsmodi versteht man Verhaltensmuster, die sich meist im Laufe des Lebens entwickelt haben und mit denen man versucht, mit emotionaler Belastung und schwierigen Erfahrungen umzugehen.