Nie mehr Opfer sein, was heißt das eigentlich?

Ja, was will ich denn stattdessen sein? Die Assoziation Opfer-Täter drängt sich auf. Muss ich also Täter werden, wenn ich die Opferrolle ablege? Nein, das möchte gerade jemand, der sich als Opfer erlebt, am allerwenigsten. Und verharrt deswegen in der Opferrolle. Ist der Gegenbegriff zum Wort „Opfer“ wirklich „Täter“? Denn auch der Täter ist ein Opfer, Opfer seiner Erfahrungen, Prägungen und der Umstände die ihn zum Täter gemacht haben. Diese gibt er unbewusst weiter, wird gewissermaßen zum aktiven Opfer. Wie ein verletztes Tier beißt und kratzt er sich durch sein Leben und lebt die früher erlittenen Verletzungen aus. Die Externalisierung erlittenen Leides wird zu seiner Lebensgrundlage.  Er befindet sich immer noch im Opferbewusstsein. Opfer und Täter bewegen sich im gleichen Paradigma.

Opferbewusstsein entsteht aus einem zeitlich begrenzten, passiven Zustand in der Kindheit und Re-traumatisierenden Kränkungen später im Erwachsenenalter. Ein kurzes Aufflackern reicht oft schon aus um das, was mühsam erarbeitet wurde für Nichtig zu erklären. Der Verstand übernimmt, was die Seele augenblicklich nicht mehr kann. Er verteidigt sich und wird zum „Täter“.

Die Eltern und die familiären Verhältnisse geben die Lebensumstände vor. Das Kind kann nicht anders, als zu reagieren und sich anzupassen. Allmählich verändert sich das Kind zu einem schöpferischen Menschen, der sein Leben selbst bestimmt. Die Veränderung in der Pubertät und die damit verbundene Auflehnung ist zentrales Element dieses Prozesses.

 So ist jedenfalls der Plan.

Traumatisierungen, Misshandlungen, Vernachlässigung, Bombardierung mit Negativsuggestionen und die Glaubenssätze der engsten Bezugspersonen, erfahren und erlebt im Kindesalter, behindern die Entwicklung zu einem schöpferischen und selbstbestimmten Menschen, der sein Leben frei gestaltet. Das Opferbewusstsein bleibt erhalten.

Vom Opfer zum Schöpfer.

Der Mensch bleibt sein Leben lang reaktiv, lebt in der Vergangenheit und sucht die Gründe für seinen Zustand im Außen. Der böse Staat, der ungerechte Arbeitgeber, die nervigen Kollegen, der lieblose Partner, die egoistischen Kinder, alle sind verantwortlich für seinen Zustand. Dadurch nimmt er sich selbst die Möglichkeit, diesen Zustand gemäß seinen Wünschen zu verändern und so vom Opfer zum Schöpfer zu werden.

Der Gegenbegriff zu „Opfer“ ist Schöpfer. Das ist der natürliche Zustand des Menschen. „Nie mehr Opfer sein“ ist die Aufforderung an jeden Einzelnen und gleichzeitig ein Aufruf an die Gesellschaft, ein Schöpferbewusstsein zu entwickeln.

Ziel unserer Initiative ist es als auch, das Bewusstsein für das eigene Selbst zu fördern und zu unterstützen und gleichzeitig ein Mitgefühl (für sich selbst und andere) zu entwickeln, was die Barrieren und Grenzen zu „als unangenehm empfundenen“ Zeitgenossen sprengen kann.

Wenn man davon ausgeht, dass jeder Mensch in Liebe auf die Welt kam, also auch Liebe ist (Byron Katie), dann kann man ebenfalls davon ausgehen, dass hinter jeder Tat oder Handlung irgendwo versteckt auch noch ein wenig Liebe vorhanden ist. Und auch wenn so manche Erkenntnis schmerzt, sehen wir es also unsere Pflicht an eben dieses Wissen über das Vorhandensein von (Selbst-)Liebe zu reaktivieren und zu neuem Leben zu erwecken, damit aus Opfern endlich (wieder) Schöpfer werden.