Du verwöhnst ihn, du umsorgst ihn und dann gibst du es ihm einmal nicht, was dazu führt, dass er nicht mehr mit dir spricht. Er benimmt sich dann wie ein kleines Kind, was laut schreit, was laut weint innerlich, bitterlich- im außen aber schweigt und dir damit zeigt, was er von dir hält. Du bist nur solange gut genug für ihn, solange du ihm Aufmerksamkeit gibst und auf deine Bedürfnisse scheißt.

Du gibst, er nimmt. Wobei die Frage die sich hier auch stellt ist, warum gibst du? Bekommst du vielleicht dadurch auch etwas? Bekommst du dieses vertraute Gefühl aus deiner Kindheit, was beinhaltet dass andere mehr wert sind, als du und du nur was wert bist, wenn du gibst? Das heißt dann ja, dass du es so gelernt hast. Das heißt dann ja, dass du gelernt hast, dass die Bedürfnisse anderer wichtiger sind als deine.

Er nimmt sich, was du gibst, weil er denkt, dass es ihm zusteht. Ja auch er wurde als Kind vernachlässigt. Nur eben anders. Er wurde überbehütet. Ihm wurden wenig bis keine Grenzen aufgezeigt. Er bekam alles. Er musste oft nicht viel tun dafür. Er wurde also überverwöhnt. Und dann kommst du in sein Leben. Du gibst ihm alles, was er sich nimmt, weil er denkt, dass du es freiwillig tust, weil es ihm ja zusteht.

Aber er hat es als Kind nicht anders gelernt. Er wurde Fehlmentalisiert. Und auch du hast es nicht anders gelernt. Auch deine Mentalisierung verlief fehlerhaft. Er hat zu wenig Empathie für andere, zu viel Empathie für sich, aber kaum Mitgefühl für sich und ebenso wenig mit anderen. DU dagegen hast zuviel Empathie für andere (also ihn), zu wenig Empathie für Dich und auch dein Mitgefühl für ihn sowie für dich, hält sich in Grenzen. Er kann gut für sich sorgen, jedoch nicht für andere. Und du kannst nur gut für andere sorgen, aber dafür nicht für dich. Du gibst gut, was andere brauchen. Es ist aber nie genug. Aufmerksamkeit, Anerkennung. Vergisst dich aber selbst dabei. Und er sorgt gut für sich, während er deine Bedürfnisse nicht sieht. Aber ist das sein Job? Und ist es dein Job, dich besser um andere zu sorgen, als für dich? Was bekommst du dafür, außer dass vertraute Gefühl aus deiner Kindheit?

Eine Lernaufgabe. Ein Spiegel. Es tut weh. Du brauchst Trost. Du erhoffst es dir von ihm. Doch er kann dir das nicht geben. Und wenn er weint und schreit, fühlst du dich schuldig, verantwortlich. Und er lässt dich das glauben. Denn er kennt es ja nicht anders. Und du glaubst ihm, weil dir das als Kind so eingetrichtert wurde. Zuerst die anderen, und dann mit etwas Glück bleibt vielleicht auch für dich ein Stück vom Kuchen übrig, während er genüsslich das erste Stück genießt, was im Grunde genommen auch dir zusteht, wenn du gelernt hättest, es dir einfach mal zu nehmen. Immerhin hast du den Kuchen gebacken. Ihr beide wurdet fehlmentalisiert. Ihr beide habt sozusagen ein Empathiedefizit.

Wie lernt man Empathie? Kann man das überhaupt lernen? Gibt es nur die beiden Extreme Narzisst und Co- Narzisst? Unser Motto lautet ja „Vom Opfer zum Schöpfer“. Das heißt wir glauben sehr wohl, dass es noch was anderes gibt, als die Extreme „Opfer und Täter“. Und wir glauben auch, dass es beiden möglich ist aus ihren jeweiligen Rollen auszusteigen und zu lernen aus dem Vollen zu schöpfen, dem Leben mit sich und dem Zusammenleben mit anderen.

Es gibt ja unterschiedliche Therapiemethoden. Eine davon möchten wir euch hiermit gerne vorstellen. Sie bezieht sich auf die Fehlmentalisierung.

*Die mentalisierungsbasierte Psychotherapie (MBT) soll Menschen dazu befähigen, eigene WünscheGedanken und Überzeugungen, sowie die anderer Menschen besser zu verstehen. Es umfasst die Fähigkeit, in anderen Menschen wie bei sich selbst mentale, geistige und emotionale Vorgänge zu erkennen, die seinem Handeln zugrunde liegen. Ebenso ist es möglich, sich selbst zu mentalisieren, also reflexiv zu erfassen, welche Umstände und Erfahrungen in der Vergangenheit und Gegenwart zu den jetzigen Wünschen, Gedanken und Überzeugungen geführt haben. Dieses Verstehen wird in der MBT Mentalisierung genannt, also die Fähigkeit, seelische Vorgänge als Ursache von Handlungen zu verstehen.

Durch diese Auseinandersetzung mit den Vorstellungen des Gegenübers wie auch mit den eigenen Vorstellungen über dessen Überzeugungen, Gefühle, Einstellungen und Wünsche, die dessen Verhalten zugrunde liegen, erwirbt man gewissermaßen die Fähigkeit, am Verhalten „ablesen zu können, was in den Köpfen anderer vorgeht“, wie auch die eigenen affektiven und mentalen Zustände zu verstehen und vom Verhalten zu unterscheiden und es dabei gleichzeitig als deren Verursacher anzuerkennen. Dies erfordert die Exploration und Selbstreflexion der eigenen Innenwelt, die einfühlsame Erforschung der Welt des anderen und der gemeinsamen Beziehung

*Wikipedia

Wie er dir den Spiegel zeigt

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