Schon als Kind, testete man die Grenzen seiner Bezugspersonen aus oder stieß an diese. Bei Ablehnung des Bedürfnisses nach Anerkennung oder Frustration zog man entweder von dannen, mit dem Vorsatz nie wieder mit den anderen zu reden, verharrte weinend auf der Stelle oder schmiss sich vor Wut auf den Boden um der angestauten Aggression (auch Energie genannt) freien Lauf zu lassen. Kluge Eltern ließen ihr Kind gewähren ohne zu belohnen oder zu strafen. Diese Kinder haben kein Problem sich später als Erwachsene zu regulieren, lernten sie doch durch die natürlichen Folgen welches Sozialverhalten erfolgreich ist. Kluge Eltern greifen nur dann ein, wenn es wirklich erforderlich ist. Sie sind da, wenn man sie braucht. Sie stehen tröstend (empathisch) zur Seite ohne dem Kind die eigenen Glaubenssätzen oder die Glaubenssätze der Gesellschaft überzustülpen.

Wenn das so einfach wäre, würde mancher sicherlich jetzt meinen, aber davon war nie die Rede. Nicht umsonst wird mit der Achtsamkeitslehre (Es ist wie es ist!!!) ein Millionengeschäft gemacht, um Menschen beizubringen, dass Akzeptanz die Lösung ist und Angriff keine gute Verteidigungsstrategie darstellt. Jon Kabat Zinn (Begründer der MBSR) war sogar der Meinung, dass wenn alle Verteidgungsminister eines Landes auch nur 2 min am Tag meditieren, dass es dadurch deutlich weniger Kriege gibt.

Aber auch: Jedes Gefühl darf sein.

Dies zu akzeptieren, weil es nicht erlernt wurde, fällt vielen schwer. Manchmal muss man jemanden einfach mal „lassen“ ohne ihn dafür auch noch zu belohnen. Unerwünschtes Verhalten mit Aufmerksamkeit zu belohnen jedenfalls ist nicht die Strategie um einen Menschen zu verändern. Denn einerseits sind Ratschläge (Sei tapfer, Mensch wein doch nicht usw.) auch Gewalt, andererseits ist es für den anderen immer am schwersten umzusetzen, was man selbst so einfach vor sich her gesagt hat. Die Einsicht jedenfalls kommt nur von Innen heraus und nicht daher, weil der andere sich das wünscht oder dem anderen als guten Ratschlag mit auf den Weg gibt.

Das heißt die Damen und Herren, die sich als Opfer eines Narzissten empfinden, sind einerseits in der undankbaren Rolle, etwas zu lernen, worunter sie leiden (Zuviel Aufopferung ohne Gegenleistung, also auch Zu oft JA gesagt, auch wenn der andere NEIN sagt, kurz zusammen gefasst „Abgrenzung“) andererseits auch zu verstehen und akzeptieren, dass Ignoranz der beste Weg ist, dem anderen zu helfen. Denn wenn der Mensch auf sich selbst zurück geworfen wird, ihm also auch eine Grenze signalisiert wird, dann ist der Mensch tatsächlich gezwungen sich mit der eigenen Gefühls- und Gedankenwelt auseinander zu setzen um dann zu lernen sich selbst zu trösten. Und Akzeptanz der unveränderbaren Situation (die andere Meinung des anderen) ist der Anfang vom Ende des Leids. Man selbst soll schließlich die Veränderung sein, die man sich von seiner (Um-)Welt wünscht.

Kinder lernen am Modell. Sie ahmen das Verhalten ihrer Eltern nach. Verändern die Eltern ihr ursprüngliches Verhalten, verändert sich auch das Verhalten des Kindes. Eltern so sagt man, sind die Vorbilder ihrer Kinder. Es hat sich durch mehrere Forschungen bewiesen, dass Täter von Gewalt in ihrer Kindheit selber Opfer von Gewalt waren und zumeist aus diesem Bewusstsein heraus auch handeln. Um sich zu schützen (oder nicht mehr schlecht zu fühlen) drehen sie den Spieß einfach um, indem sie sich verteidigen, selbst wenn kein Angriff stattgefunden hat. In der Wahrnehmung vieler, ist aber selbst die Äußerung einer gegenteiligen Meinung ein Angriff. Der Narzisst wertet sich auf und den anderen ab und sein Opfer glaubt dies und grenzt sich eben nicht ab. Der Narzisst ist also auch nur jemand, für den Angriff eine (erlernte) Verteidigungsstrategie (Schmerzvermeidungsstrategie) ist. Das Opfer wertet sich ab und den anderen auf, indem es den Täter idealisiert und sich selbst somit dem Ganzen aussetzt. Es kennt es nicht anders, hat es doch nicht gelernt sich abzugrenzen. Der Narzisst dagegen hat es gelernt, leider jedoch notgedrungen, also entsprechend nicht gelernt es adäquat zu tun- sprich sich abzugrenzen ohne jemanden dabei zu verletzen.

Die Kränkung entspricht der Frustration eines unerfüllten Bedürfnisses.

Der Narzisst reagiert also bei Kränkung oder Frustration wie ein kleines Kind. Erst wird er regressiv und bei nicht vorhandenem Selbstwert später depressiv. Manchmal wird er auch aggressiv, eben weil er nicht gelernt hat sich selbst zu regulieren.

Und in dem Falle sind die Opfer in der Rolle der Eltern. Belohne ich das regressive Abwehrverhalten, indem ich bleibe (die Schuld auf mich nehme oder versuche den anderen zu retten) werde ich dem Gegenüber bestätigen, dass sein Verhalten auf Resonanz stößt, er also damit durchkommt und seine Strategie nicht ändert. Bin ich jedoch schlau und gehe auf Abstand, dann werfe ich mein Gegenüber auf sich selbst zurück und zwinge ihn zwangsläufig dazu sich mit sich selbst auseinander zu setzen.

Deswegen ist die No- Contact- Regel so wichtig. Nur Kein- Kontakt verschafft Erleichterung in einer scheinbar ausweglosen Situation, sprich wenn die Fronten verhärtet sind und ein Kompromiss nicht möglich ist.

Und auch wenn hier jetzt sicherlich gegenteilige Meinungen (basierend auf eigener Weltsicht) auftürmen oder nahezu protestieren werden. Ich persönlich halte Veränderungen für möglich. Ich halte es für möglich, dass sowohl der „Täter“, als auch das „Opfer“ zur inneren Einsicht kommen kann und sein Verhalten entsprechend verändert bzw. neues Verhalten erlernt. Sag niemals Nie, auch wenn du es nicht für möglich hältst. Meiner Meinung nach ist alles möglich.

Warum die No-Contact Regel so wichtig ist

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