Mein Weg…

Vor einigen Jahren musste ich feststellen, dass ich nicht glücklich war. Ich war unzufrieden mit mir, meinem Leben und es ging mir überhaupt nicht gut. Und ich hatte einerseits große Schuldgefühle und extreme Ängste vor Kontrollverlust, andererseits suchte ich den Fehler dafür im Außen. Und ich eckte somit an. Ich wollte eigentlich immer nur dazu gehören, es gelang mir aber nur zeitweise. Irgendwann beschuldigte man sich gegenseitig den anderen mit voller Absicht getäuscht bzw. enttäuscht zu haben.

Irgendwas in mir jedoch hatte Hoffnung, nennen wir das Irgendwas Anteil oder höheres Selbst. Irgendwas in mir spürte, dass das nicht das Ende vom Lied sein kann. Irgendwas in mir wollte sich partout nicht mit der Erklärung meines Kopfes zufrieden geben.

Also begab ich mich auf den Weg zu der Wahrheit, zu meiner Wahrheit- also schlussendlich zu mir selbst. Ich erkannte, dass es ist, wie es ist und dass ich ständig im Kampf war mit meiner Wahrnehmung und der tatsächlich stattfindenden Realität. Ich konnte mich nicht damit abfinden, dass etwas anders ist, als ich es wahrhaben wollte. Ich konnte einfach nicht akzeptieren, dass jemand oder etwas anders ist, als ich es kannte. Ich kämpfte also im Grunde immer gegen das an, was Real war, und meinem Weltbild widersprach. Meine Welt war rosa, auch wenn die Umrandung meiner Brillengläser meistens eher blau war. Ich erkannte, dass ich die Welt eines anderen aber gar nicht beurteilen kann. Ich bin keinen Meter in seinen Schuhen gelaufen. Und anstatt mit echter Empathie dem Menschen zu begegnen, projizierte ich meine Wahrnehmung der Person auf diese Person. Und oft entsprach das eben nur meiner subjektiven Wirklichkeit. In der Wirklichkeit eines Außenseiters war ich stets Außenseiter, wenn ich meine Meinung und Bedürfnisse über die des anderen stellte, statt einfach mal zuzuhören- dem anderen und schlussendlich mir selbst.

Die Beschuldigungen gegenüber der Welt nahmen ab, als ich erkannte, dass ich meinen Teil dazu beitrage jeden Tag, durch das, was ich tue Ja- ich habe mich bewusst entschieden meinem Leiden ein Ende zu setzen. Schließlich übertrug ich mein Leid oft unbewusst auf andere und auch das wollte ich nicht mehr.

Schlussendlich befindet sich jeder Mensch auf seinem Weg. Dabei trifft man unterschiedliche Menschen. Und all diese Menschen helfen einem, manchmal mit schmerzhaftem Beigeschmack, zu wachsen und zu lernen.

Ich wünsche den Menschen den nötigen Respekt für sich selbst und die ganzen Menschen. Ich wünsche den Menschen Kraft um selbst sich auf den Weg zu machen, zur Selbstliebe, Selbstverantwortung und Selbstannahme. Du bist ok, Ich bin ok, wir sind ok. Selbst wenn wir mal wütend sind und schreien, selbst wenn wir traurig sind und weinen. Wir sind zu jederzeit ok- denn alles darf sein.

Defakto ist es so, dass ich letztes Jahr nach 4 Jahren Therapie im Rahmen der Verlaufsdiagnostik erfuhr, dass ich nicht mehr die Kriterien einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung erfülle. Das heißt ich bin auch kein Narzisst mehr. Ob man das jetzt als Heilung bezeichnet ist mir persönlich gleich. Jeder denkt ja schließlich eh, was er denken will.

Das ICD-10 ist im Grunde auch nur eine Einordnung für Ärzte und Psychologen, also eine Indikation für eine Therapie. Der Begriff Narzissmus ist vielschichtig besetzt und viel komplexer, als es die Beschreibungen im Internet vermuten lassen. Wissen allein reicht da nicht aus. Um einen Menschen zu verstehen, muss man ihm zuhören und sich mit ihm und seiner Welt auseinandersetzen. Dies geschieht oft in einer Therapie und nach einem recht langem Beziehungsaufbau, der nötig ist um das Vertrauen des Patienten/Klienten zu erlangen.

Man kann sich darauf einlassen oder es sein lassen. Man kann an sich arbeiten oder weiterhin seine Opferrolle zelebrieren, während man andere fleißig beschuldigt und sich somit zum Täter macht. Beides ist möglich. Ich hab mich schlussendlich für den Frieden und für die Liebe entschieden und mich auf den Weg zu mir selbst eingelassen.

Leider wird der Begriff Narzissmus heutzutage sehr inflationär verwendet, was den Ernst der Lage verschleiert und im Grunde für Ablenkung sorgt. Man beschuldigt andere narzisstisch zu sein, während man selbst narzisstisch ist, dies aber nicht erkennen mag, schließlich ist der andere derjenige, der dafür gesorgt hat, dass man leidet- und das allein durch das was er gesagt oder getan hat. Jedoch ist es auch so, dass man selbst, das was der andere sagt oder tut, bewertet und auf sich bezieht. Wer andere so sein lassen kann, wie sie sind, ist frei und kann selbst so sein, wie er/sie ist- nämlich ein Mensch voller Liebe.

Leonard Anders is back

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